In der Silvesternacht kamen in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana 40 Menschen ums Leben. Viele der Opfer waren minderjährig. Für ihre Eltern und Angehörigen ist der Verlust kaum zu begreifen.
Einen solchen Schmerz erleben in der Schweiz jährlich mehr als 1000 Familien. Dennoch fällt es der Gesellschaft oft schwer, Betroffene in ihrer Trauer angemessen aufzufangen und zu begleiten. Unterstützung leistet der Verein Regenbogen, eine Selbsthilfegruppe für Eltern und Geschwister, die ein Familienmitglied verloren haben. «Wir bieten telefonischen Erstkontakt und die Trauerbegleitung in verschiedenen Selbsthilfegruppen an», sagt das damalige Vorstandsmitglied Petra Zürcher in einem Gespräch mit SI Family von 2019.
Was Eltern nach dem Verlust eines Kindes durchmachen
Laut Zürcher raubt das traumtische Erlebnis des Todes des eigenen Kindes vielen Eltern die Lebensenergie. «Das Urvertrauen ins Leben wird durch den Verlust des Kindes komplett zerstört. Es wäre den meisten Eltern egal, wenn sie in dem Moment auch sterben müssten.»
Dazu kommt die Ohnmacht der Frage nach einer Erklärung für den Verlust. Viele Eltern quälen sich mit Schuldgefühlen. Sie fragen sich: «Wäre das nicht passiert, wenn...»
Diese Ohnmacht lähmt oft das gesamte Umfeld einer Familie. Wir haben aus dem Gespräch vier Punkte zusammengefasst, die Verständnis schaffen und helfen, betroffene Familien zu begleiten.
Art der Trauerbewältigung ist individuell: Wie Eltern diese Gefühle verarbeiten, ist sehr unterschiedlich. Manche teilen sie mit der Öffentlichkeit und suchen Zuspruch auf Social Media oder teilen ihre Erinnerungen mit ihrem virtuellen Freundeskreis. Andere ziehen sich komplett zurück. Zürcher: «Trauernde verhalten sich oft irrational. Es hilft, das einfach zu akzeptieren.»
Die Trauer hört nie auf: Oft schwindet das Verständnis für die Trauer der Eltern mit der Zeit. Nach ungefähr einem Jahr geht die Gesellschaft laut Petra Zürchers Erfahrung davon aus, dass Trauernde zu einem Abschluss finden sollten. Für Eltern hört die Trauer jedoch nie auf. «Man hat zwar die verschiedenen Trauerphasen durchlaufen, von der Ohnmacht über erlösende oder auch erdrückende Tränen bis hin zur Wut und wieder zurück. Man lernt mit der Zeit, damit zu leben. Die Trauer bricht aber immer wieder aus. Vor allem an Triggertagen wie Geburtstag, Todestag und Weihnachten»
Den Verlust nicht tabuisieren: Den Eltern alle Zeit der Welt gewähren, um mit ihrem Verlust leben zu lernen und dabei immer mit einem offenen Ohr für sie da zu sein, ist das, was das Umfeld nach dem Tod eines Kindes tun kann. Manchmal sei eine Umarmung auch besser als Worte. Auf keinen Fall sollte das Umfeld den Tod des Kindes jedoch tabuisieren, sagt Zürcher. «In den geteilten Erinnerungen und in unseren Herzen leben die Kinder weiter. Ratschläge, auch gut gemeinte, können sehr schmerzhaft sein.»
Das Kind nicht vergessen: Eltern werden ihr Kind niemals vergessen. Kleine Gesten, wie etwa Blumen auf dem Grab, zeigen Eltern auch Jahre später noch, dass wir mit ihnen die Erinnerung an ihr Kind ehren.
Das ganze Interview mit Petra Zürcher findet ihr hier: «Wenn ein Kind stirbt: Viele Eltern plagen Schuldgefühle»
