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Babys erste Wörter

So unterstützt ihr euer Kind beim Sprechenlernen

«Mama» oder «Papa» – Eltern geht das Herz auf, wenn sie diese Worte zum ersten Mal aus dem Mund ihres Babys hören. Die einfachsten Tipps, wie man sein Kleinkind am besten im Spracherwerb unterstützt, verrät uns eine Sprachwissenschafterin der Universität Zürich.

Mama spricht mit Baby

«Mama», auf dieses Wort warten viele Mütter sehnlichst. Und bei den meisten Babys ist der Name einer Bezugsperson auch tatsächlich das erste Wort.

Getty Images

«Dadada», «auau», «babö» – schon wenige Monate alte Babys brabbeln verschiedenste Laute vor sich her. Und tatsächlich beginnt die Entwicklung unserer Sprache schon im Mutterleib, wie Prof. Dr. Sabine Stoll von der Universität Zürich erklärt. Der Fötus nimmt bereits bestimmte Frequenzen und Rhythmen von der Aussenwelt wahr.

Nach der Geburt klingt das Sprechen seiner Bezugspersonen für das Baby wie ein gleichmässiger Lautstrom, es kann noch keine Symboleinheiten heraushören. Zu diesem Zeitpunkt ist jedes Kind auf der Welt in der Lage, eine beliebige Sprache zu lernen. «Auch ein Kind von zwei Schweizer Eltern könnte Zulu, Englisch oder Japanisch lernen», sagt die Expertin.

Erst im Alter von zehn bis zwölf Monaten konzentriert es sich auf die Laute der Muttersprache. Aber auch danach könnte es jene von anderen Sprachen reaktivieren.

Komplexere Sätze ab dem dritten und vierten Lebensjahr

Im ersten Lebensjahr beginnen Babys, einzelne Einheiten aus dem Lautstrom herauszufiltern. Vorerst sind es nur Lautelemente, mit der Zeit können sie ganze Wörter heraushören. «Für diese Symbolzuordnung braucht es ganz viel Input», sagt Sabine Stoll.

Dies kann ganz nebenbei während des Wickelns und beim Spielen sein oder aber auf einem Spaziergang, wenn die Eltern mit dem Baby einen Hund sehen und mehrere Sätze dazu sagen: «Oh, schau, ein Hund!», «Das ist aber ein schöner Hund», «Guck, der Hund kommt zu dir hin!» und «Willst du den Hund streicheln?». Bei dem mehrmaligen Wiederholen des Wortes hört das Baby plötzlich das Wort «Hund» heraus und kann es dem Tier zuordnen.

Diese Symbolzuordnung passiert im ersten Lebensjahr. Im zweiten Jahr beginnt das Kind, die gelernten Wörter aktiv zu gebrauchen, zeigt zum Beispiel selber auf den Hund und ruft «Hund!». Mit der Zeit folgen Kombination wie «Mag ich» oder «Der da» dazu. Diese Kombinationen erweitert das Kind immer mehr, bis es im dritten und vierten Lebensjahr bereits komplexere Sätze zu bilden beginnt.

Die wichtigsten Tipps für den Spracherwerb

Eltern und andere Bezugspersonen können Babys und Kleinkinder ganz einfach und effektiv im Spracherwerb unterstützen, wie Prof. Dr. Sabine Stoll sagt: «Durch möglichst viel Interaktion im Alltag.» So verstehen die Kleinen immer klarer die Bedeutung und den Sinn einzelner Gegenstände und Wörter.

  • Sich möglichst viel mit dem Kind abgeben und sprechen, denn: Wer mehr hört, ist besser in der Sprache
  • Langsam und deutlich sprechen, kürzere Sätze bilden, dazwischen Pausen machen und: Wörter ständig wiederholen in verschiedenen Situationen
  • Dem Interesse des Kindes folgen. Wenn es gerade mit einer Flasche spielt, über diese Flasche sprechen. Egal, wo seine Aufmerksamkeit ist: Hier soll man ansetzen. So ist der Erfolg des Lernens am grössten

Komplexere Begriffe wie Zeitangaben kann man mit einem Vergleich erklären. «Das funktioniert aber vorerst nur mit Zeiträumen, die ein Kleinkind im Alltag auch tatsächlich erlebt», sagt Sabine Stoll. «Mehrere Jahre» kann es sich nicht vorstellen. «Zwei Stunden» auch nicht. «So lange, wie Dein Spielgruppenmorgen dauert» hingegen schon.

Kitatag bringt Fortschritte beim Spracherwerb

Weniger geeignet für den Spracherwerb ist Fernsehen, wie die Sprachwissenschafterin sagt. «Zwischendurch mal ein Filmchen kann anregend sein und neuen Input bringen, mehr bringt nichts», erklärt Sabine Stoll. «Nichts ersetzt das direkte Gespräch mit Bezugspersonen, die reagieren, erklären, wiederholen.»

Das müssen übrigens nicht immer nur Mama oder Papa oder andere erwachsene Bezugspersonen sein. «Auch ein Tag in einer Kita bringt einem Kind einen unglaublichen Input», sagt die Expertin. «Kinder untereinander wecken neue Interessen, verhandeln andere Dinge, und sie setzen die Sprache in einem ganz anderen Mass ein als daheim mit der Mutter.»

Verzögerung beim Sprechenlernen: Ab dann müssen sich Eltern sorgen!

Wie bei allen Fertigkeiten ist auch beim Spracherwerb die zeitliche Varianz von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. «Manche Babys sprechen schon im Alter von neun Monaten ihre ersten deutlichen Wörter, andere erst mit 15 oder 16 Monaten.» Erst wenn ein Kind zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Wort zuordnen kann, empfiehlt Sabine Stoll den Eltern, mit dem Kinderarzt zu sprechen. «Eine Verzögerung in der Sprachentwicklung kann zum Beispiel durch häufige Mittelohrentzündungen erfolgen.»

Für Fremdsprachen besonders begabt

Dass Kinder besonders leicht Fremdsprachen lernen, stimmt übrigens, wie die Expertin erzählt. «Die kürzeren Sätze, die längeren Pausen, die ständigen Wiederholungen – mit einem kleinen Geschöpf redet man einfach anders als mit einem Erwachsenen.» Und genau diese ständigen Wiederholungen seien beim Spracherwerb förderlich.

Dies habe unter anderem damit zu tun, dass bei kleinen Kindern das Gedächtnis noch ganz anders funktioniere. Zudem haben sie auch immer genau gleiche Kontexte, sitzen zum Beispiel täglich im Sandkasten, spielen auf dem selben Spielplatz. Oder wollen wochenlang dasselbe Bilderbuch anschauen. Einen Erwachsenen würde das langweilen, ein Kind bringt dies weiter. «Am Anfang verstehen sie ein, zwei Wörter der Geschichte. Und dann jedesmal ein bisschen mehr», sagt Prof. Dr. Sabine Stoll. Wenn Mama oder Papa dem Bären in der Geschichte dann plötzlich einen anderen Namen geben, ist das Drama vorprogrammiert. Jetzt wissen wir, dass der Protest berechtigt ist.

Von Christa Hürlimann am 28. Mai 2019