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  4. Stressfreier Familienalltag trotz Menstruation: Tipps von Expertin

Altes Wissen, neu verpackt

Was tun, wenn die Mens Mama immer umhaut?

«Jeden Monat Kinder und Mann zur selben Zeit anschnauzen muss nicht sein», sagt Josianne Hosner. Die Menstruationsexpertin zeigt in ihrem ersten Buch, was zyklisch leben bedeutet und wie man den Alltag als Mutter trotz oder dank der Mens möglichst stressfrei gestalten kann.

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Frieden statt Krieg: Im gleichen Haushalt menstruieren Mutter und Tochter oft gleichzeitig.

Getty Images

Das Drama spielt sich in vielen Familien Monat für Monat ab: Die Mutter bekommt ihre Tage und ist davor unausstehlich. Sie brüllt Partner, Kind und Haustiere grundlos an. Blutet sie endlich, windet sie sich unter Krämpfen und Schmerzen und schafft den Alltag kaum ohne Tabletten.

«Ignoriere deine Menstruation nicht mehr. Lerne deinen Zyklus kennen. Wie fühlst du dich in den verschiedenen Zyklusphasen? Welche Bedürfnisse hast du? Dieses Wissen verändert dein Leben fundamental», sagt Josianne Hosner, 40.

Die Menstruationsexpertin hat ihre langjährigen Erfahrungen bereits mit über 700 Frauen in zahlreichen Onlinekursen und Workshops geteilt. Im Herbst bringt sie ihr erstes Buch «Back to the Roots» heraus, vollgepackt mit alltagstauglichen Tipps, von denen wir im Vorfeld exklusiv ein paar mit euch teilen.

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Die inneren vier Jahresezeiten

«Wir bewegen uns in einer stark linear geprägten Gesellschaft, die ‹immer, alles, jetzt› fordert. Das ist anstrengend und entspricht auch nicht unserem inneren Rhythmus», sagt Hosner.

Die gelernte Buchhändlerin ist überzeugt: «Die Natur ist unser Spiegelbild, mit ihren Rhythmen und Zyklen von Jahreszeiten und dem Wechsel von Regenerieren, Blühen und Früchte tragen. Und so ticken auch wir.»

Auf den Menstruationszyklus bezogen heisst das: Während des Blutens befinden Frauen sich in ihrem inneren Winter. Es ist die Zeit des Rückzugs und der Ruhe. In der ersten Zyklushälfte bis zum Eisprung hin folgt die Zeit des inneren Frühlings und Sommers, den viele Frauen als besonders kraftvoll empfinden. Hier sprudelt die Energie nur so. 

Der Zyklusherbst ist die Zeit des Loslassens. Illusionen haben hier keinen Platz mehr. Vieles, das unter dem Deckel brodelt, lässt sich nicht länger ignorieren. Die «Drachentage» wie Hosner es nennt, schütteln viele Frauen in Form von PMS-Syndromen durch. «Darin verbirgt sich ein riesiges Potenzial, unser Leben selbstbestimmt und frei zu gestalten», so die Erfahrung der gebürtigen Winterthurerin.

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Autorin und Menstruationsexpertin Josianne Hosner lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern im Kanton Bern.

ZVG

«Pause als Mutter? Geht doch gar nicht!»

Die inneren vier Jahreszeiten sieht die Zyklus-Mentorin mehr als eine Art Richtlinie: «Jede Frau ist einzigartig, hat ihre eigene Geschichte und ihre spezifischen Bedürfnisse. Das spiegelt sich auch in ihrem Menstruationszyklus wieder. Es gibt kein richtig oder falsch.»

Den entscheidenden Unterschied macht, ob man sich seiner Bedürfnisse, die je nach Zyklusphase wechseln, bewusst ist und entsprechend handelt oder diese Monat für Monat ignoriert und dabei immer wieder in ähnliche Stressmuster fällt.

«Keine Mutter kann während der Mens eine Pause machen», hört sie in ihren Kursen immer wieder. «Wer so denkt, tut sich tatsächlich schwer. Man kann aber lernen, umzudenken und Pausen auch im Mama-Alltags-Dschungel neu definieren und vor allem umsetzen.»

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Was sind meine Bedürfnisse? Je nach Zyklusphase sehen die anders aus.

Getty Images/Westend61

Kleinen Kindern die Mens erklären

Pausen lassen sich dabei viel einfacher realisieren, wenn die Menstruation positiv bewertet wird und alle Familienmitglieder, auch die Kleinsten, verstehen, dass es sich bei der Periode nicht Pauschal um etwas Blödes handelt, das man möglichst tot schweigt.

Eine altersgerechte Erklärung für kleine Kinder, woher das Blut kommt, tönt bei Hosner so: «In meinem Bauch hat es eine kleine Höhle, die Gebärmutter. Das war auch deine Höhle, als du in mir drin gewachsen bist. Die ist ganz kuschlig und weich und rot. Einmal im Monat putzt sich die Höhle, damit sie wieder ganz gemütlich ist.»
 

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Behagliche Pausen: Gemeinsam Herunterzufahren, tut auch den Kindern gut.

Getty Images

Ein Segen für die ganze Familie

In hunderten von Gesprächen mit Müttern hat die Expertin erlebt, wie gross die Auswirkungen einer positiv bewerteten Menstruation auf den Familienalltag sind. «Ob eine Frau gereizt vor sich hinleidet oder während der Mens Behaglichkeit und Ruhe ausstrahlt ist ein himmelhoher Unterschied.»

Die Ruhe tut auch den Kleinen gut: «Kinder lieben es, wenn wir Mütter mal stiller sind als sonst. Wenn wir sie weniger mahnen, weniger drängen, weniger kommentieren. Wenn sie klein sind, haben sie oft gar nichts dagegen 100x ein Büechli anzuschauen. Und grösseren Kindern ist es egaler, als wir meinen, wenn wir den halben Tag auf dem Sofa hängen.»

Ideen, um euren Zyklus sichtbar zu machen

Mit diesen Tipps von Josianne Hosner wird eure Mens im Familienalltag die natürlichste Sache der Welt: 

  • Hänge Naturbilder auf, welche die vier Jahreszeiten repräsentieren. Erkläre deiner Familie deinen Zyklus anhand dieser Bilder. So gibt es eine spannende neue Sprache und ich habe schon etliche Male einen Mann sagen gehört: «Meine Frau hat gerade Herbst». Ist doch viel besser, als wenn er die Augen verdreht und das Wort PMS in den Mund nimmt, oder?
  • Kaufe dir eine rote, grosse Kerze und erzähle Mann und Kind, das sei deine Menskerze. Wenn diese angezündet auf dem Tisch steht, wissen sie Bescheid. Und irgendwann werden sie deshalb auch wissen, was dies für dich und für sie bedeutet. Zuerst musst du es aber für dich herausfinden und definieren.
  • Koche ein, zwei Gerichte vor, lege sie in den Tiefkühler und nutze sie während deiner Mens-Tage.
  • Oder: Bitte deine Teenager-Kinder, am Tag XY das von dir gewünschte Abendessen zu kochen. Du kannst ihnen das ganz unaufgeregt mitteilen: «Ich habe Anfang nächster Woche meine Menstruation und wäre froh, wenn du am Dienstag das Abendessen kochst. Ist das ok für dich?»
  • Baue solche Sätze bewusst ein und sprich sie laut aus: «Ich habe meine Mondzeit und nehme es darum heute etwas gemütlicher». Oder: «Ich wasche heute nicht, weil ich menstruiere». Oder: «Ich komme heute nicht mit euch aufs Trampolin, weil mein Körper gerade mehr Lust auf Ruhe hat.»

«Back to the Roots» von Josianne Hosner

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Von lästigen Stimmungsschwankungen hin zum persönlichen Lebensrhythmus: Das Buch von Menstruationsexpertin Josianne Hosner ist eine inspirierende Gebrauchsanweisung für zyklisches Leben – vollgepackt mit alltagstauglichen Tipps und verloren geglaubter Weisheitsperlen rund ums Frausein. «Back to the Roots» erscheint ab 2. November 2020 im Buchhandel. Vorbestellungen und/oder weitere Infos findet ihr hier

ZVG
Von Maria Ryser am 27.08.2020
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