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Alltag einer Schulsozialarbeiterin

Wie es gelingt, Kinder fürs Leben stark zu machen

Auf dem Pausenplatz präsent sein, offene Ohren für die Schüler haben, Konflikte schlichten. Schulsozialarbeiterin Nadya Glanzmann erzählt von ihrem abwechslungsreichen Beruf.

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Getty Images

Ich habe einen Beruf, den es früher nicht gab. Als Schulsozialarbeiterin bin ich Anlaufstelle für kleine und grosse Probleme der Kinder, bin Zuhörerin, Begleiterin auf dem Weg. Ein Mensch, der sich Zeit nimmt. Das fängt bei den Jüngsten an, die in den Kindergarten kommen und es vielleicht schwer haben, Freundschaften zu schliessen, und geht bis zu Gefährdungsmeldungen, wenn Kinder Gewalt ausgesetzt sind. Früher hatten Kinder, Lehrer und Eltern kaum Ansprechpersonen für soziale Belange. Die Themen gab es schon immer, sie wurden nur weniger besprochen.

Auch auf dem Pausenplatz bin ich oft präsent. Manchmal kommt es während der Pause zu Konflikten. Wo Kinder sind, gibt es Auseinandersetzungen. Das ist normal. Schwierig wird es, wenn Kinder den Konflikt selber nicht lösen können. Dann braucht es ein Gespräch, wie sie Frieden machen können. Wenn zwei raufen, gehe ich hin und frage: Habt ihrs im Griff? Ist alles okay? Wenn mich beide lachend anschauen, kann ich sie auch lassen. Aber wenn sich ein Kind nicht mehr wohl fühlt, versuche ich, den Streit zu besprechen.

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«Wichtig ist es, zusammen Zeit zu verbringen, zu lachen. Das schafft Vertrauen»

Nadya Glanzmann

Wir haben für solche Situationen auch ein Streitseil mit Knoten. Damit können Kinder Konflikte lösen. Die Kinder halten das Seil an je einem Ende. Dann beginnt eines mit dem ersten Knoten und sagt, was passiert ist. Der zweite Knoten bedeutet: Wie geht es mir? Der dritte: Was wünsche ich mir? Der vierte: Was machen wir ab? Wichtig ist, dass sich die Kinder zuhören. Ich bin Vermittlerin, nicht die Schiedsrichterin.

Natürlich ist auch Mobbing ein Thema. Wenn sich in einer Klasse Grüppchen bilden und eine schlechte Dynamik und Atmosphäre herrscht, versuchen wir eine andere Kultur zu schaffen. Indem wir für ein Kind, das ausgeschlossen wird, ein Helfer-Grüppchen bilden. Manchmal kommen die Kinder auf mich zu. Manchmal Eltern, wenn sie Unterstützung benötigen. Oder wir spüren, wenn ein Kind zu Hause Probleme hat. Dann versuchen wir zuerst immer, den Weg mit den Eltern zu finden. Sie anzuhören. Nicht sofort ihre Kompetenz anzuzweifeln. Denn Eltern machen vieles gut.

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Die Schulsozialarbeiterin Nadya Glanzmann, 45, auf dem Pausenplatz im Schulhaus Hürstholz in Zürich Affoltern.

Dominic Nahr / MAPS

Für mich ist das Wichtigste, dass Kinder einen Ort finden, wo sie über ihre Bedürfnisse und Sorgen reden können. Das ist eine Prävention fürs spätere Leben. Zu merken: Es geht mir nicht gut, ich kann aber darüber reden! Ich bin nicht alleine. Das stärkt Kinder in ihrer Resilienz.

Wenn mich Eltern um einem Ratschlag bitten, sage ich: Regeln sind nicht unwichtig. Ein Kind soll zu Hause nicht machen dürfen, was es will. Aber genauso wichtig ist es, mit dem Kind Zeit zu verbringen. Einen tollen Ausflug zu machen, miteinander zu lachen, zusammen Znacht zu essen. Dem Kind zuzuhören. Das schafft Vertrauen. Ich finde es schön zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln. Dafür bin ich dankbar.

Aufgezeichnet: Christian Bürge

am 28.06.2020
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