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Schwingerkönig besucht sein Grosi

Christian Stucki schwelgt in Kindheitserinnerungen

Hier war der König schon als Prinz Dauergast: Seit Kindsbeinen verbringt Schwinger Christian Stucki seine Ferien immer wieder im Berner Urbachtal. Beim Urgrossmami fühlen sich mittlerweile auch die Thronfolger Xavier und Elia vögeliwohl.

Über Prinz Harrys Jugendmanieren kann man denken, was man will. Royal war das Benehmen des Duke of Sussex jedenfalls nicht immer. Grandma Elizabeth wird sich im Buckingham Palace ihre Sorgen gemacht haben. Ganz anders Königs-Grossmutter Dori. Deren Enkel Stucki Christian ist bekränzt statt gekrönt und hat der Mutter seiner Mutter Daniela stets Freude gemacht: «Momou, är isch gäng e Gäbige gsii, de Chrigeli», erinnert sich die 90-Jährige.

Was den Windsors das Balmoral Castle, ist Stucki das Holzhaus in Understock: geliebtes Feriendomizil. Hier, am Eingang zum Urbachtal, hoch über Innertkirchen im Berner Oberland, gibts für den Besucher zwar weder gestelzte Wachablösung noch akkurat zugeschnipselte Parkpflanzen. Majestätisches aber sehr wohl: einen Rundblick über das Haslital, der very amused stimmt. Vis-à-vis im Norden der Hasliberg, gegen Osten der Susten, im Süden die Grimsel und im Rücken die zehn Kilometer des Urbachtals hinauf Richtung Gauligletscher, wo sich seit Herbst 1946 ein abgestürztes Militärflugzeug der Alliierten Blechteil für Blechteil aus dem Eis arbeitet.

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«Understock ist meine zweite Heimat geblieben. Mich ziehts noch immer hierher.»

Christian Stucki

Heute muss Christian Stucki den Kopf einziehen

Seit er denken kann, hat Stucki Christian, der 35-jährige Schwingerkönig von Zug 2019, hier den Grossteil seiner Ferien verbracht. 1986 verlassen seine Grosseltern Dora und Godi Marti Kehrsatz bei Bern und machen aus dem Wochenendhäuschen im Urbachtal ihren Wohnsitz. Der Grossvater verstirbt vor einigen Jahren, aber Stuckis Grossmutter teilt noch immer das Haus mit ihrem Sohn Res und dessen Frau Ruth. In ihrem Gebäudeteil haushaltet die rüstige Rentnerin ganz allein, versorgt auch ihren Garten. «Und das Holz zum Heizen hacke ich auch weiterhin selbst.»

Ein Kinderparadies beim Grosi! Wo Klein Chrigeli und die drei Jahre ältere Schwester Andrea regelmässig unbeschwerte Tage erleben. Mit dem Familienvan bringen Papa Willi und Mama Daniela ihre Kinder mehrmals im Jahr aus Diessbach im Berner Seeland nach Understock zu den Grosseltern. «Wir sind jedes einzelne Mal gern gekommen», erinnert sich Stucki. «Mit dem Grossvater holzen im Wald, der Grossmutter im Garten helfen, Touren zum Pilzeln nach Grindelwald – herrlich, diese Erwachsenen-Dinge, die wir tun durften.» Abwechslung bringen Ausflüge in die Badi nach Meiringen, Wanderungen im Jungfraugebiet, Zugreisli nach Luzern zum Pöschtele in der EPA oder im ABM.

Die Stucki-Kinder – und oft auch Cousinen und Cousins – kommen zu jeder Jahreszeit. Im Winter gehts zum Skifahren auf den Hasliberg. Oder es gibt halsbrecherische Schlittenfahrten auf der abschüssigen Strasse vor dem Haus Richtung Tal. «Wir machten auch mehr als einmal Familienferien an der Costa Brava. Klar hat mich das Meer fasziniert. Aber Understock ist bis heute meine zweite Heimat geblieben, mich ziehts noch immer hierher», sagt der 1,98-Meter-Hüne. Auch wenn er in Grosis Haus permanent den Kopf einziehen muss.

«Chrigeli het scho o einisch e Seich abgla hinderem Schöpfli.»

Tante Ruth Marti

Holzspalten mit Papa Chrigu

Diese Liebe hat Stucki vererbt. Mittlerweile freuen sich seine eigenen Söh- ne Xavier, 7, und Elia, 4, ebenso sehr auf die regelmässigen Ausflüge vom Wohnort Lyss BE ans andere Ende des Kantons. Heute ganz besonders: Papa Chrigu bringt seinen Knöpfen das Holzspalten bei. Xavier geht unter Papas wachsamem Blick mit Bedacht ans Werk, der kleinere Elia haut das Beil unbeschwert ins Holzstück auf dem Scheitstock. Mama Cécile, 38, verdreht die Augen. Lieber nicht hinschauen!

Besonders gern hören die Buben natürlich, wenn das Urgrossmami oder die Grosstante ihnen hinter vorgehaltener Hand berichten, dass ihr Papa früher dann doch nicht immer nur ein braves Büebli gewesen sei. «Einisch hetter e Seich abgla hinderem Schöpfli», weiss Ruth Marti. Und zwar ein paar Tage vor dem 1. August. Dreikäsehoch Chrigeli findet in der Garage einen Knallkörper und schafft es auch, diesen zu zünden. «Erst hats getätscht wie verrückt. Dann kam Chrigu ums Haus gerannt und bettelte: Gell, du hausch mi nid, Tante!» Man stelle sich diesen Bär von Mann damals vor! Oder auch, wie er mit zwölf Jahren in Grossmutters altem Toyota die ersten Fahrversuche im Urbachtal machen darf. Der Innertkirchner Dorfpolizist möge den Stuckis diesen Vorbezug königlicher Sonderrechte aus den Neunzigern verzeihen. Verjährt ist verjährt.

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Geniessen ihre Zeit zusammen: Christian Stucki mit Ehefrau Cécilie, Grosi Dori und den Söhnen Xavier und Elia (rechts).

Geri Born

Auch die Söhne fühlen sich beim Grosi daheim

Heute bringt die Königswürde Stucki mehr Pflichten als Privilegien. Die Gelegenheiten werden seltener, die Fahrt ins Haslital unter die Räder zu nehmen. «Heilig ist uns aber nach wie vor die Weihnachtsfeier am Fuss der Engelhörner», sagt Christian Stucki. «Nur schon, weil s Grosi am 25. Dezember Geburtstag hat. Heuer den 91.!» Und natürlich auch wegen Grossmutters einzigartiger Kochkünste. «Schon als kleine Kinder liebten wir ihre Chäshörnli oder die Hacktätschli. Und erst ihre selbst gemachten Konfitüren!»

Mittlerweile reisen Cécile und Chrigu Stucki maximal jedes zweite Jahr mit ihren Buben und Freunden im Herbst nach Formentera. «Wir wollen aus Umweltgründen nicht mehr ständig fliegen», sagt Cécile Stucki. Ferien im Sommer liegen erst nach Chrigus Rücktritt – frühestens nach dem Eidgenössischen 2022 in Pratteln BL – drin. Heuer hätte es zur Abwechslung die ligurische Küste in Italien sein sollen. Aber Corona und der Unfall des einen Kollegen kamen dazwischen. Egal – es braucht nicht mal Onkel Res’ Carrerabahn im Schöpfli, um Xavier und Elia stattdessen ins Urbachtal zu locken. Auch sie fühlen sich hier daheim. Mal schauen, welche Geschichten diese beiden wilden Prinzen der Königsdynastie Stucki dereinst bescheren werden.

Von Iso Niedermann am 27.06.2020
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