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Pro & Contra

Ist es okay, die Kinder im Elternbett schlafen zu lassen?

In der Werbung sieht das immer wunderschön, friedlich, romantisch, ja sogar erholsam aus. Aber zahlt sich das sogenannte Familienbett wirklich aus? Oder ist es sinnvoller, das Baby so früh wie möglich an sein eigenes Bett in seinem eigenen Zimmer zu gewöhnen? Die Redaktorinnen Sandra Casalini und Maja Zivadinovic sind sich nicht einig.

Beautiful Latin American family sleeping together in bed

In der Theorie wunderbar, aber wie ist das Familienbett in der Praxis?

Getty Images
Pro Familienbett: Sandra Casalini

Was hatte ich nicht alles für Vorstellungen im Kopf, bevor ich Mutter wurde. Hundert Jahre stillen. Nuggi nur im nötigsten Notfall. Die ersten zweihundert Jahre kein Zucker. Und selbstverständlich schläft das Baby ab der ersten Nacht im eigenen Bett. Aber das Leben als Mutter holt einen ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, auf dem es brutal hart ist, all seine Vorsätze durchzustieren. Wer sein Baby weiter stillt, obwohl es drei viertel der Muttermilch wieder auskotzt, trotz durchgekauten, wunden Brustwarzen und stundenlangem Geschrei konsequent auf den Nuggi verzichtet, und dem Kleinkind das Glacé, das ihm sein Opa in die Hand gedrückt hat, wieder wegnimmt, ist wirklich sehr, sehr hart im Nehmen. Und wer darauf besteht, dass die Kinder jede Nacht im eigenen Bett verbringen, ebenfalls.

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Meine Tochter war ab dem ersten Tag eine ganz schlechte Schläferin. Ich habe sie nachts stundenlang herumgetragen, bis sie einschlief, kaum wollte ich sie ablegen, war sie wieder wach. Trotzdem habe ich sie nie mit zu mir ins Bett genommen – vor allem wegen der irrationalen Angst, ihr Vater oder ich könnten sie im Schlaf erdrücken. Stattdessen legte ich eine Matratze neben ihr Gitterbettli und schlief die paar Stunden pro Nacht, die wir schliefen, dort. Später erzählte ich abends stundenlang Geschichten, bis sie endlich einschlief. Irgendwann zügelte ich das abendliche Einschlafritual ins Elternschlafzimmer, weils einfach bequemer war – mit der Intention, sie in ihr eigenes Zimmer zu tragen, sobald sie schläft. Hat natürlich nicht ohne Aufwachen geklappt.

 

 

«Kinder handeln nach ihren Bedürfnissen und in ihrem eigenen Tempo»

Das war der Moment, in dem ich kapitulierte. Ich schlief meist vor ihr ein, sie zappelte halt noch etwas rum und schlief dann irgendwann auch. Manchmal wachte sie auf und ging selbst in ihr Bett zurück, manchmal blieb sie bis am Morgen. Fakt ist: Ich konnte endlich wieder schlafen! Und wer morgens ausgeruht ist, sieht die Welt gleich mit ganz anderen Augen.

Mein Sohn war, im Gegensatz zu seiner Schwester, ein traumhafter Schläfer. Als Baby schlief er in seinem eigenen Bett. Als Kleinkind ging er abends freiwillig schlafen – dorthin, wo auch seine Schwester hinging: ins Elternschlafzimmer. Natürlich habe ich mir tausendmal überlegt, ob und wie ich das ändern soll. Aber schlussendlich wars dann so wie mit vielen anderen Dingen auch: Ich hatte schlicht und einfach keinen Bock auf das Theater am Abend. Und ich sehe nicht ein, warum ich mir allabendliche Kämpfe antun sollte, nur um etwas durchzusetzen, das «man» halt einfach so macht. Wenn es mir nachts mal zu voll wurde, ging ich halt ins Kinderzimmer. Mit der Zeit sind sie abends immer öfter in ihr eigenes Zimmer gegangen, und dann auch nur noch sehr sporadisch zu uns gekommen in der Nacht. Kinder handeln nach ihren Bedürfnissen und in ihrem eigenen Tempo. Früher oder später will jedes Kind im eigenen Bett schlafen. Bis dahin muss man einfach chli gechillt bleiben.

Photo taken in Washington, D. C., United States

Und wo bleibt die Paar-Zeit, fragt sich Redaktorin Maja.

Getty Images/EyeEm
Contra: Maja Zivadinovic

Lassen Sie mich im Vorfeld eines klarstellen: Ich finde es super, Mama zu sein. Logisch, wie intensiv und krass der Job ist, kannst du nicht wissen, bevor so ein Baby kommt. Vor allem am Anfang heisst Mamasein vor allem fremdbestimmt sein. Und, sind wir ehrlich, so geht es auch noch ein paar Jahre weiter. Wann ich zuletzt alleine auf dem WC war? Gute Frage!

Unser Sohn wird kommenden Juni 2 Jahre alt. Er braucht und darf natürlich noch ganz viel Mama- und Papa-Zeit fordern. Mit der Zeit ist es aber so ein Ding: Ein kleines bisschen davon brauche ich noch für meine Beziehung, für mich selber und vor allem aber zur Erholung. Nur als ausgeschlafene Mutter bin ich eine gechillte Mom. Und damit ich gut schlafen kann, brauche ich Ruhe und Platz. Zwei elementare Dinge, die ich nicht habe, wenn das Kind bei uns im Bett liegt.

So winzig der Bub ist, so viel Platz braucht er. Ausserdem habe ich immer mindestens einen Fuss, eine Hand oder gar ein ganzes Kinderbein im Gesicht. Und kaum habe ich vielleicht knapp in den Schlaf gefunden, «fägnäschtet» der Gute so sehr, dass an meinen Schlaf nicht mehr zu denken ist. 

Unser Bett, unser Netflix-and-Chill-Ort!

Schon klar, ist das Kind krank oder zahnt oder hat es Albträume, jagen wir es nicht ins eigene Bett. Sind ja keine Unmenschen und das Kindswohl geht natürlich auch dem unseren vor. Im normalen Alltag aber schätze ich es enorm, dass wir den Buben schon im Alter von neun Monaten ausquartiert haben. 

Seit da schläft übrigens sowohl das Kind, als auch wir besser. Wir lassen die Schlafzimmertüren natürlich offen und sind verdammt schnell drüben, wenn das Monster im Albtraum mal wieder besonders fies war, der Bub Durst hat oder einfach etwas Nähe braucht. Dass das nur noch sehr selten der Fall ist, könnte uns nicht glücklicher machen.

Und, reden wir Tacheles, es geht mir nicht nur um meinen eigenen Schlaf. Im normalen Alltag funktionieren mein Freund und ich vor allem als Team, das sich ums Kind kümmert. Für Kuscheleinheiten und Nähe fehlt uns schlichtweg die Zeit. Umso schöner, dass wir uns jeden Tag wenigstens auf unser Bett freuen können, das nur uns ganz alleine gehört. Manchmal liegen wir einfach da und reden. Oder umarmen uns. Oder, Sie wissen schon, Netflix und Chill. Apropos: Wie und wann hat man eigentlich Sex, wenn man auf ein Familienbett setzt?

Von Sandra Casalini und Maja Zivadinovic am 12. März 2022 - 08:00 Uhr
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