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Corona-Baby

So ist es, ein Pandemie-Kind zu haben

Kurz nach dem ersten Lockdown bringt Redaktorin Maja ihren Sohn zur Welt. Wie ist es, während Corona Eltern zu werden? Was bedeutet das Virus für eine Kindheit? Wie geht man damit um, wenn Kinder vor allem mit maskierten Menschen konfrontiert sind? Und gibt es vielleicht sogar Vorteile, die Familie während einer Pandemie zu vergrössern?

Sad child looking at camera.

Viele Kinder kennen ein Leben ohne Masken und Massnahmen gar nicht. 

Getty Images

Für meinen Sohn sind Masken das Normalste der Welt. Mehr noch, er findet Masken lustig. Sind wir im Tram, macht er sich einen Spass daraus, an meiner Maske rumzuzupfen und zu schauen, ob er ein Küssli ergattern kann.

Mein Sohn ist 1,5 Jahre alt. Er kam an einem sonnigen Montag im Juni 2020 kurz nach dem ersten Lockdown zur Welt. Wir wussten lange nicht, ob es mein Freund in den Kreisssaal schafft, bevor der Bub kommt. Die Massnahmen waren hart. Statt an meiner Seite zu sein, musste mich der werdende Papa vor dem Spital abliefern. Nicht mal zur Geburtsstation durfte er mich begleiten. 

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Da ich unter Schwangerschaftsdiabetes litt, musste die Geburt eingeleitet werden. Zwei Tage wartete ich auf Wehen, darauf, dass die Fruchtblase platzt. Zwei Mal sah es so aus, als sei der Geburtsprozess jetzt gestartet, zwei Mal Fehlalarm, zwei Mal der Nervenkitzel, ob es mein Freund, der daheim auf den Anruf aus dem Spital wartete, rechtzeitig schaffen würde.

Dank Homeoffice zu enger Vater-Sohn-Bindung

Natürlich hätten wir uns das anders gewünscht. Im Nachhinein aber war alles gut. So waren die Umstände damals. Corona war omnipräsent. Das Wissen über dieses ominöse Virus noch in den Kinderschuhen. Und wir unendlich dankbar, dass sich die Hebammen und Ärztinnen besonders viel Zeit für uns Gebärende nahmen. In unserem Fall liessen sie sogar Gnade vor Recht walten: Nach dem zweiten Geburtsfehlalarm schickten sie meinen Freund nicht heim. 

Nicht nur deswegen schauen wir stets mit einem sehr guten Gefühl auf die Geburt unseres Sohnes zurück. 

Der erste Sommer stand für uns unter einem guten Stern. Die erste Corona-Welle war abgeflacht, das Wetter schön, das Homeoffice aber zum Glück noch empfohlen. Diesem Fakt haben wir zu verdanken, dass mein Freund von Anfang an sehr viel Zeit mit unserem Buben verbringen konnte. Zwischen Calls knuddeln, beim Wickeln helfen, mal eine kurze Spiel-Pause machen. Für uns war das normal. Und schön. Und für die Vater-Sohn-Bindung so wertvoll.

Den ersten Sommer verbrachten wir in vorwiegend leeren Badis, in Parks, an Gewässern und vorwiegend zu dritt. Bei Besuchen waren wir vorsichtig. Wir haben lange nur die Familie und ganz enge Freunde getroffen. Schliesslich war da dieses Baby und dieses Virus und die absolute Angst, dass diese zwei Komponenten aufeinander treffen. Wir wollen hier nichts schönreden, dennoch aber kann ich abschliessend sagen, dass Elternwerden während der Pandemie für uns persönlich mehr Segen als Fluch war - und immer noch ist.

Girl playing under the table at home.

Dank Homeoffice kommt unser Kind in den Genuss von viel Mami- und Papi-Zeit.

Getty Images
Natürlich wäre es ohne Pandemie besser, aber ....

Sowieso und überhaupt: Der Anfang vom Elternsein während dieser Pandemie war die schwierigste Zeit. Die ersten drei Wochen rieten uns die Hebammen davon ab, das Baby den Grosseltern vorzustellen. Statt Besuch und Bussis gabs Videotelefonie. Statt bisschen Entlastung durch Grosseltern-Babysitting gabs vor allem viele Nachrichten von Grosseltern, die sich noch mehr Videos und Bilder wünschten. Das war emotional für alle Involvierten herausfordernd. 

Der Einzige, der von all dem nichts mitbekam, ist unser Sohn. Für den war alles immer total normal. Logischerweise. Der Kleine weiss ja nicht, wie ein Leben vor Corona war. Und wir haben keine Ahnung, wie es ist, ein Kind ohne Pandemie zu haben. 

Derweil haben sich mein Partner und ich bestens an die neue Realität gewöhnt. Unserem Sohn fehlt es an nichts. Er geht in die Krippe, auf den Spielplatz, trifft Familie und Freunde. Mehr noch: Sein Vater arbeitet an den Tagen, an denen der Bub daheim ist, im Homeoffice. Für mich als Mutter ist die Anwesenheit meines Partners eine grosse Hilfe und für das Kind ist es das Lässigste, dass Papa immer da ist. 

Von Maja Zivadinovic am 3. Januar 2022 - 07:09 Uhr
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