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Zibbz-Sängerin Co Gfeller übers Mamasein

«Wir schauen 50:50 zum Kind»

Söhnchen Bowie Leon hat das Leben von Corinne «Co» Gfeller gewaltig auf den Kopf gestellt: Acht Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes spricht die Zibbz-Sängerin mit schweizer-illustrierte.ch über ihren neuen Alltag als berufstätige Mama, die ersten Familien-Ferien und ihre Pläne.

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Söhnchen Bowie Leon kam am 19. Mai 2019 zur Welt. «Es war Vollmond, dazu blitzte und stürmte es», erinnert sich Co Gfeller.

ZVG
Sarah Huber
Sarah Huber

Redaktorin Online

Acht Monate nach der Geburt von Söhnchen Bowie Leon ist Sängerin Corinne «Co» Gfeller, 34, ganz im Mama-Alltag angekommen. Während ihr kleiner Schatz für eine halbe Stunde von einer guten Freundin beaufsichtigt wird, findet die Zibbz-Frontfrau Zeit für unser Telefon-Interview.

Co Gfeller, Bowie Leon kam am 19. Mai 2019 – in der Nacht vom ESC – zur Welt. Das ist jetzt acht Monate her. Kannst du als Mama fassen, wie schnell die Zeit vergeht?
Es geht mega schnell. Bald wird Bo schon ein Jahr alt. Dass er in Kürze gehen und plappern kann, will und kann ich mir noch gar nicht recht vorstellen. Obwohl, für sein Alter ist er schon ziemlich schnell unterwegs. Er krabbelt meinem Mann und mir schon fast davon. Bo gluckst auch schon und gibt allerlei Töne von sich. Wenn ich ihn jeweils aus seinem Bettchen nehme und flüstere: «Guten Morgen», dann schreit er «Da, da, da». Überhaupt kennt mein Bub zurzeit nur eine Lautstärke und das ist laut. Die Stimme hat er wohl von mir geerbt (lacht).

Was kann dein Sohn schon alles ausser Krabbeln?
Bo kann schon sitzen und sich hochziehen. Das Hochziehen hat er bereits mit sechs Monaten gelernt. Die Frau Doktor ist ganz schön erschrocken, als er es ihr gezeigt hat. Er wackelt und tanzt auch schon ein bisschen, wenn er sich irgendwo festhalten kann. Ausserdem nimmt Bo seine Umwelt jetzt viel mehr wahr. Wenn wir irgendwo unterwegs sind, will er immer «umeluege».

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Stillst du Bo eigentlich noch oder seit wann nimmt dein Baby feste Nahrung zu sich?
Ich habe ihn bis fast acht Monate gestillt. Wenn ich länger auswärts war, habe ich jeweils Milch abgepumpt, sodass mein Mann ihm das Fläschchen geben konnte. Jetzt aber merke ich, dass Bo Lust auf richtiges Essen hat. Ich mache ihm viel Fingerfood wie klein geschnittenes Gemüse oder Früchte. Abends bekommt er einen Schoppen mit Milchpulver.

Die meisten Eltern können sich ab dem dritten oder vierten Monat auf entspanntere Nächte freuen. War das bei euch rückblickend auch so?
Bo schläft nach wie vor bei uns im Zimmer, er hat aber sein eigenes Bettchen. Bei unserem Kind wechseln sich gute und schlechtere Phasen eher so ab. Wenn Bo am Zahnen ist, hat er einen leichteren Schlaf. Eine Zeit lang wachte er acht bis neunmal auf in der Nacht. Das war eine anstrengende Zeit für Yves und mich. Seit rund zwei Monaten ist sein Schlaf aber nur noch zwei bis dreimal unterbrochen. Mein Mann und ich mussten lernen, ihn auch mal «brüele» zu lassen. So hat Bo sich daran gewöhnt, dass er nicht so oft aufwachen muss. Wenn er aber bitterlich weint, streichle ich ihn schon kurz, dann weiss er, dass wir da sind und alles gut ist.

Wie lange schläft Bowie Leon durch mit acht Monaten?
Bos Nacht dauert um die elf Stunden. Wir bringen ihn plus minus um 20 Uhr ins Bett. Mein Mann und ich gehen dann in der Regel kurz vor 23 Uhr schlafen – deutlich früher als zu Zeiten ohne Baby. Zwischen 7 und 8 Uhr weckt uns Bo dann spätestens wieder.

Hat Bowie Leon ein Einschlafritual?
Wir haben einen klaren Ablauf vor dem Zubettgehen. Bo weiss mittlerweile, was kommt und daher «vertätscht» es ihn immer schon, wenn wir ihm das Pyji anziehen. Eine Halbestunde vor dem Schlafengehen blödeln mein Mann und ich noch ein bisschen mit ihm herum. Wir knuddeln ihn und Bo lacht dann jeweils mega fest, weil ihn der Bart meines Mannes so kitzelt. Nach dem Spielen geben wir Bo den Schoppen und dazu hören oder singen wir ihm ein Lied vor, dann schläft er meistens schnell ein.

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Nehmen es gemütlich: Bowie Leons Papa Yves Nicollier, 38, arbeitet als Golflehrer und hat im Winterhalbjahr daher etwas mehr Zeit für den Kleinen.

ZVG

Du sagtest in einem früheren Interview mit schweizer-illustrierte.ch eigentlich seiest du eine Planerin. Seit der Geburt passest du dich aber spontan an Bowies Rhythmus an. Wie hat sich der Alltag mit Baby eingespielt?
Da Bo jetzt fleissig herumkrabbelt, muss ich noch mehr auf ihn Acht geben und kann nicht einfach so duschen gehen. Unser Alltag als Familie hat aber inzwischen etwas Struktur bekommen. Mein Mann oder ich oder auch mal wir beide stehen mit Bo auf. Zuerst gibts Zmorge für Hund und Kind. Danach wird Bo gewickelt. Anschliessend gehen wir kurz mit Chili spazieren. Um 10 Uhr fällt mir beim Blick in den Spiegel ein, dass ich völlig verwildert aussehe und selber noch nichts gegessen habe. Während ich frühstücke, spielt Bo meistens für sich. Er liebt momentan Duplo und Stofftiere. Während ich E-Mails und Konzertanfragen erledige, schaue ich mit einem Auge immer, was Bo gerade macht. Ansonsten ist mein Mama-Alltag bestimmt durch Putzen, Aufräumen, Organisieren und Einkaufen. Als Teenie habe ich oft gedacht: «Erwachsene sind so langweilig, sie sind die ganze Zeit mit dem Haushalt beschäftigt.» Nach ein paar Monaten Muttersein merke ich nun: Ohne das funktioniert eine Familie einfach nicht. Ich habe allergrössten Respekt vor Eltern, die es schaffen, Zuhause, Freundeskreis und Job im Griff zu haben.

Welche Aufgaben in puncto Baby und Haushalt übernimmst du und welche dein Mann Yves?
Wir schauen 50:50 zum Kind. Das war uns von Anfang an wichtig, damit Bo beide Elternteile viel um sich hat. Da mein Mann als Golflehrer arbeitet, hat er jetzt im Winter etwas mehr Zeit für unser Baby. In der Anfangszeit nach der Geburt habe ich dafür mehr zu Bo geschaut. Den Haushalt machen wir beide nicht gern, aber es gehört halt dazu. Daher teilen wir uns auch hier auf: Wer mehr Zeit hat, erledigt mehr. Waschen und Einkaufen mache tendenziell eher ich. Yves würde länger zuwarten mit Waschen, mich stört es schneller, deshalb ergreife ich hier mehr die Initiative.

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Neu-Mama Co Gfeller nimmt durch Baby Bowies Augen die Welt nochmal ganz anders wahr.

ZVG

Auf Instagram gibt’s du hie und da Einblick in euer neues Leben als Familie. So wart ihr im Oktober erstmals in den Familien-Ferien. Wie war es?
Es war ganz anders als unsere vielen Pärli-Ferien zuvor. Man kann nicht einfach aufstehen, Surfen gehen, Yoga machen und zu zweit im Meer plantschen. Mit einem Baby muss man sich zuerst organisieren. Das Zeitmanagement war für uns als junge Familie eine Herausforderung, weil jeder Elternteil gerne sein Ding machen wollte. Mit der Zeit fanden wir aber einen guten Rhythmus. Mein Mann ging vormittags surfen, nachmittags schaute er zu Bo und ich habe dann Yoga gemacht. Wenn Yves und ich mal ein paar Minuten nur für uns zwei haben wollten, haben wir Bo unseren Freunden anvertraut, die mit nach Bali gereist waren. Sie haben zwei ältere Mädchen und die haben hie und da auch wunderbar zu Bo geschaut. Community ist hier das Stichwort: Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden wäre der Elternjob schwer. Bo ist das erste Baby in meiner Familie, die Grosseltern haben deshalb viel Zeit für ihn. Das ist unser Glück!

Das Reisen mit einem Baby ist anspruchsvoller, man muss an viel mehr Dinge denken. Wie habt ihr das Fliegen, Packen und Herumreisen in den zwei Wochen auf Bali erlebt?
Das Fliegen ging sehr gut. Es war ein Tagesflug, daher hat Bo nicht wirklich viel geschlafen, aber Yves und ich haben uns abgewechselt mit Babyhalten. Mein Bub war mega zufrieden auf dem Flug. Es gab so viel zu entdecken für ihn und er hat auch mit den Stewardessen geflirtet. Aber klar, es war eine lange Reise. Wir hatten einen Zwischenstopp in Singapur und mussten danach noch mal etwa zwei Stunden auf die Insel fliegen. Diese Reiserei ist fürs Baby, wie auch für die Eltern, eine Strapaze. Aber wir hatten die Bali-Ferien halt schon gebucht, bevor ich wusste, dass ich schwanger bin.

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Ist der Wunsch nach einem zweiten Kind schon da? «Es ist noch keines geplant. Im Moment konzentrieren wir uns voll auf Bo», so Co Gfeller.

ZVG

Abgesehen vom Zeitmanagement und Herumreisen, was waren die grössten Herausforderungen in den ersten Ferien mit Baby?
Es war sehr heiss, immer über 30 Grad. Auch wenn ich mich sehr auf den Urlaub gefreut habe, hatte ich einen inneren Zwiespalt: Wieso tun wir das Bo an? Bin ich eine Rabenmutter, dass wir mit ihm nach Bali fliegen? Es ist für uns ein fremdes Land, wie gehen wir vor, wenn etwas mit Bo ist? Solche Fragen plagten mich im Vorfeld und anfangs auch in den Ferien. Aber vor Ort haben wir uns dann einfach Bos Rhythmus angepasst, blieben viel im Mietshaus, wo auch genügend Schatten war und ich ihn jederzeit hinlegen konnte.

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Früh übt sich: Yves Nicollier, der Mann von Co Gfeller, ist leidenschaftlicher Surfer und setzt alles daran, dass Sohn Bowie Leon eine Wasserratte wird.

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Für die Geburt von Bo seid ihr damals nach acht Jahren in Kalifornien zurück in die Schweiz gezogen. Bleibt ihr auch mittelfristig in eurer Wohnung im Zürcher Säuliamt wohnen oder plant ihr eine Zukunft in den USA?
Wir bleiben in der Schweiz. Hier ist unsere Familie, unsere Freunde, unser Zuhause, unsere Konzerte, unser Publikum. Mir und Yves, aber auch meinem Bruder Stee und seiner Verlobten Sabrina ist es sehr wohl da. Mit Zibbz waren wir früher so viel im Ausland, das war aufregend und toll, aber jetzt liebe ich es einfach, Freunde und Familie voll und ganz geniessen zu können.

Dein Bruder Stee ist Götti von Bowie Leon. Gabs schon den ersten Ausflug oder Hütedienst nur mit dem Götti allein?
Ja, diese Premiere liegt hinter uns. Bo ist mega Fan von Stee. Wenn mein Bruder den Raum betritt, hat mein Sohn nur noch Augen für ihn. Besonders, wenn Stee beatboxt oder auf irgendwelchen Gegenständen trommelt, ist Bo hin und weg. Gemeinsam mit Sabrina hat Stee auch schon zu Bo geschaut. Da mein Bruder ein ziemlicher Chaot ist, war das nicht ganz einfach für mich. Aber wenn Sabrina dabei ist, fühle ich mich wohl und gebe Bo gerne seinem Götti.

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Sie sind Zibbz: Die Geschwister Stee und Co Gfeller. «Wir haben noch eine Schwester. Sie hat aber nichts mit Musik am Hut. Sie ist schulische Heilpädagogin und reitet professionell», erklärt die Zibbz-Frontfrau.

zibbz.ch

Apropos Kind hüten. Du spielst seit einiger Zeit wieder Konzerte. Wie lange hast du Baby-Pause gemacht?
Plus minus drei Monate. Ich habe schon vorher mit Song schreiben begonnen, aber öffentliche Konzerte habe ich erstmals drei Monate nach der Geburt wieder gegeben. Rückblickend bin ich froh, dass ich mich die ersten Wochen und Monate voll aufs Baby konzentriert habe, so konnte ich mich ins Muttersein eingrooven und meinem Körper Zeit geben, sich zu erholen, bevor ich wieder auf der Bühne herumgesprungen bin.

Viele Mütter sind richtig verliebt in ihr Baby und können sich nach der Babypause zuerst fast nicht von ihrem Kleinen trennen. Wie war das bei dir?
Ich bin absolut in mein Kind verliebt. Bei meinem ersten Auftritt habe ich im Backstage sehr oft Fotos von Bo angeschaut und der Crew von meinem Mamaglück erzählt. Wenn ich Bo anschaue und er lächelt, gehe ich fast kaputt vor Freude und Stolz. Ich bin aber auch glücklich, dass ich wieder arbeiten gehen kann. Ich habe nie Angst, Bo zurückzulassen, da ich ihn in guten Händen weiss. Mein Mann, Bos Grosseltern und auch unsere Freunde machen das super. In meinem Herzen ist mein Bub bei den Konzerten bei mir. Wenn ich auf der Bühne eine Ballade singe, denke ich an Bo und dann muss ich jeweils fast weinen.

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Berufstätige Mutter zu sein, ist nicht einfach, wie die Zibbz-Sängerin weiss: «In den letzten Monaten kam ich ab und zu an meine Grenzen. Aber ich lerne als Mama jeden Tag dazu.»

ZVG

Du warst kürzlich auf einer Unplugged-Tour mit Mundartmusiker Bligg. Wie viele Konzerte habt ihr gemeinsam gespielt und wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Wir machen schon länger zusammen Musik. Ich habe schon mehrere Studio-Alben als Background-Sängerin von Bligg eingesungen. Da wir mit Zibbzs lange in Kalifornien lebten, konnte ich leider nie mit auf Tour, aber jetzt wo ich in der Schweiz bin, kann ich das mitmachen. Es ist toll für mich, dass ich nun nicht mehr nur auf seinen CDs mitsinge.

Diese Unplugged-Tour hast du allein – ohne deinen Bruder Stee – durchgezogen, richtig?
Genau, Stee ist nicht in dieses Projekt involviert. Das ist aber in Ordnung für ihn. Für uns gibt es nicht nur die Band Zibbz, wir sind beide auch sonst als Musiker unterwegs. Zum Beispiel sind wir seit Jahren in der Gölä-Bänd. Stee arbeitet zudem als Produzent für andere Künstler. Mein Bruder hat schon Songs produziert für Bastian Baker oder Carlos Leal.

Machen Zibbz jetzt vermehrt separate Projekte oder täuscht dieser Eindruck?
Nein, du hast schon recht. Dadurch, dass wir jetzt voll in der Schweiz leben, haben wir auch mehr Zeit, um mit anderen Schweizer Künstlern Projekte zu machen. Früher waren wir tatsächlich mehr auf Zibbz fokussiert. Wenn du als Band ein eigenes Album machst, kannst du nicht noch gross andere Sachen machen. Da Stee und ich aber beide Community-Menschen sind, haben wir uns schon immer gern an Projekten von anderen Künstlern beteiligt. Das macht das Musikerleben vielfältig für uns. Parallel zu der Unplugged-Tour mit Bligg habe ich zum Beispiel auch bei der Gym Motion im Zürcher Hallenstadion solo gesungen. Aber auch mit Zibbz haben wir seit Beendigung meiner Babypause wieder Konzerte gespielt. Stee und ich arbeiten immerzu an unserem eigenen Baby, lassen uns diesbezüglich aber gern von anderen inspirieren, ganz nach dem Motto «learning from the best».

Das klingt, als wäre etwas im Köcher. Was ist das nächste grosse Projekt von Zibbz?
Zurzeit laufen die Vorbereitungen für unsere Open-Air-Konzerte. Wir spielen mit Zibbz an einigen Schweizer Sommer-Festivals. Auch sind wir daran, neue Songs zu schreiben. Wir wissen noch nicht, wann genau das neue Album kommt, unser grobe Fahrplan ist Frühjahr 2021. Wir machen uns da aber keinen Druck. Für uns zählt einfach, dass die neue Musik so gut wie möglich wird und wir stolz darauf sein können.

Von Sarah Huber am 25.01.2020
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