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Romina weiss Rat

Wenn das Zähneputzen zum Desaster wird

Für viele Familien ist das Zähneputzen eine leidige Angelegenheit. Auch die Tochter von Familienexpertin Romina Brunner schreit drei Mal täglich wie am Spiess beim Zähneputzen. Doch die Mühe, die Eltern für das Putzen der ersten Beisserchen auf sich nehmen, lohnt sich. Denn die Milchzähne brauchen Pflege!

Kind Zähneputzen

Da gibts kein Pardon: auch Milchzähne müssen geputzt werden.

iStock Photo
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Das Zähneputzen ist in unserer Familie ein Ärgernis. Es ist schlicht unmöglich meinem Sohn die Zähne zu reinigen. Er brüllt wie am Spiess und am Ende sind wir alle vollgeschmiert mit Zahnpaste. Jetzt habe ich gehört, dass die Milchzähne gar nicht so oft geputzt werden müssen, da sie resistenter sind als die bleibenden Zähne. Stimmt das? - Gianluca

Lieber Gianluca

Es gab Zeiten, da war bei uns das Zähneputzen ein spassiges Ritual vor dem Zubettgehen. Unsere Älteste sperrte brav den Mund auf, sie liess sich schrubben, putzte selbst, wir konnten kontrollieren. Dazu sangen wir unseren Zahnfee-Song, ein Lied über das Zähneputzen, das ich einst komponiert habe.

Mittlerweile ist alles anders. Mit dem ersten Zahn unserer jüngeren Tochter, 2, wurde das Putzen zur Tortur. Sie brüllt und faucht wie eine Löwin noch bevor die Borsten überhaupt den ersten Zahn berühren. Manchmal tönt es aus unserem Badezimmer als liege ein Schweinchen auf der Schlachtbank.

«Die Milchzähne sind genauso Karies-anfällig. Müssen sie gezogen werden, hat das Folgen für die bleibenden Zähne»

Kinderzahnärztin Andrea Zimmermann von Züri Zahni

Wir haben alles versucht, aber wirklich alles. Singen, Geschichten vorlesen, selber machen lassen. Sie durfte ihrem Bäbi Karli die Zähne putzen, der Mami und dem Papi. Wir waren mal geduldig, mal bestimmt, mal laut, mal verständnisvoll. Wir kauften Zahnpasten mit Erdbeer- und Minze-Geschmack, erzählten vom Samichlaus, dem Kinder- und dem Zahnarzt. Es nützte und nützt nichts. Freiwillig sperrt sie den Mund nicht auf!

Auch wenn die Kinder rebellieren, ist das Zähneputzen unerlässlich, sagt Kinderzahnärztin Andrea Zimmermann von Züri Zahni: «Es ist sehr wichtig, dass bereits die Milchzähne gut gereinigt werden, am besten nach jeder Hauptmahlzeit.»

Denn es sei ein Mythos, dass die ersten Beisserchen weniger faulen. «Die Milchzähne sind genauso Karies-anfällig. Müssen sie gezogen werden, hat das Folgen für die bleibenden Zähne», so Zimmermann. Denn die Milchzähne haben eine wichtige Funktion in den Kindermäulchen. «Sie dienen als Platzhalter. Fehlen sie, rücken die anderen Zähne zusammen, was später mit kostspieligen Zahnkorrekturen korrigiert werden muss», erklärt Zimmermann.

Lieber Gianluca, ich würde vor dem Zähneputzen zweimal tief durchschnaufen und dich dann an folgende Regel halten: Im ersten Lebensjahr putzt du deinem Sohn einmal pro Tag die Zähne, im zweiten zweimal, im dritten dreimal.

Am Abend jeweils solltest du laut Zimmermann besonders gründlich reinigen, da der Speichel nachts zähflüssiger ist und so eine schlechtere Spülfunktion besitzt. Daher sind auch Milchschoppen abends nach dem Zähneputzen tabu!

Kann sich euer Sohn dereinst die Zähne selber putzen, solltest du unbedingt die Nachkontrolle übernehmen, denn Kleinkinder verfügen noch nicht über die nötige Feinmotorik, um ihre Beisserchen gründlich zu reinigen.

Bei uns hat sich die Situation leicht entschärft. An manchen Tagen lässt sich unsere Maus tatsächlich die Zähne putzen (15 Sekunden lang!). Noch bilden die kooperativen Momente die grosse Ausnahme. In der Regel müssen wir zu zweit ans Werk, mein Mann hält, ich putze – oder anders rum. 

Irgendwann aber, lieber Gianluca, werden wir alle darüber lachen.

Herzlich, Romina

Die besten Tipps für das Zähneputzen:

Singen
Zahfee-Song: «Zahfee, Zahfee, Chinde mached d’Müüli uf. Zerst obe links de Dreck äweg, den unä rächts dä Salami furt…. d’ Gurkä, dä Chäs, d’ Milch und d’Nüdeli… alles mues hüt furt… Zahfee, Zahfee…» Den Text kannst du beliebig abändern. Je nach Speiseplan deines Buben. Das Gute: Die Kinder sind gedanklich so mit dem Essen beschäftigt, dass sie das Zähneputzen ganz vergessen. Und spannende ist, was an so einem Tag alles zusammennascht.

Zahnputz-Technik
Halte dich an die KAI-Methode: Erst die Kauflächen putzen, dann die Aussenflächen und schliesslich die Innenflächen.

Zahnpasta
Unsere Mädchen dürfen zweimal die Zahnpasta selber wählen, solange es sich um eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta handelt, am Abend reinigen wir mit Kinder-Elmex. Da gibt’s kein Pardon. 

Zahnbürste
Ab dem dritten Lebensjahr kannst du auf Elektrozahnbürsten umzusteigen. Das Putzen ist effizienter. Zudem gibt es beispielsweise von Philips Sonicare for Kids eine Zähneputz-App dazu. Eltern renitenter Zähneputzverweiger schwören darauf, ich hab es noch nicht versucht.

Tricks
Kinder gleichzeitig die Zähne der Eltern putzen lassen. Die Zahnbürste auswählen, sowie Stofftier und Lieblings-Puppe mitschauen lassen. Sanduhr aufstellen. Oder dem Kind den Spiegel in die Hand drücken.

Eigenverantwortung
Lass deinen Sohn möglich selber machen. Wichtig ist aber, dass du das Ergebnis kontrollierst und sauber nachreinigst.

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

Von Romina Brunner am 24. Juli 2019