Check-up Krank, aber keine Symptome!

Homosexuelle Männer infizieren sich oft mit sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten, ohne es zu spüren. Und stecken so andere an. 
Krank, aber keine Symptome!
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Wenns juckt oder brennt, dann bitte zum Arzt, so die Botschaft der Love-Life-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit der vergangenen Jahre. Es wollte damit die Aufmerksamkeit vor allem auf die grassierenden Geschlechtskrankheiten richten.

Blöd nur, wenn sich die Infektion gar nicht mit einem Brennen im Schritt manifestiert. Und das ist laut einer aktuellen Zürcher Studie bei 70 Prozent der untersuchten Männer der Fall. Unwissentlich stecken sie ihre Sexualpartner an. Denn viele Krankheitserreger sind relativ leicht übertragbar.

Für die Studie wurden 200 mit HIV infizierte homosexuelle Männer auf sexuell übertragbare Infektionskrankheiten (STI) untersucht. Die Männer galten als nicht HIV-infektiös, da ihre Krankheit früh erkannt und behandelt worden war. Jeder dritte dieser Männer infizierte sich innerhalb von anderthalb Jahren mit einer oder mehreren sexuell übertragbaren Geschlechtskrankheiten. Bei der Hälfte wurden Chlamydien diagnostiziert, bei einem Viertel Tripper, bei 19 Prozent Syphilis und bei 4 Prozent Hepatitis C.

Die Infektionen wurden dabei am häufigsten im Enddarm, aber auch im Rachen und in der Harnröhre gefunden. «Verglichen mit anderen Studien Westeuropas in dieser Personengruppe ist die Anzahl der diagnostizierten Infektionen aussergewöhnlich hoch», sagt Prof. Huldrych Günthard von der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich und Leiter der Studie. Für ihn sind die Studienergebnisse vor dem Hintergrund der aktuellen Epidemie von sexuell übertragbaren Erkrankungen bei homosexuellen Männern hochgradig relevant. Aber auch in der heterosexuellen Bevölkerung nähmen Geschlechtskrankheiten massiv zu.

Bekannte Risikofaktoren für Geschlechtskrankheiten sind häufig wechselnde Sexualpartner, Sex ohne Kondom oder der Konsum von Drogen wie Ecstasy oder Kokain.

Fachleute für Infektiologie des Universitätsspitals Zürich und Verfasser der Studie fordern homosexuelle Männer auf, sich alle drei Monate Tests zu unterziehen, sofern bestimmte Risikofaktoren vorliegen.

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