Gelenkverschluss Biologische Therapie für die Kniearthrose

Abnutzungserscheinungen des Knorpels sind schmerzhaft und schränken ein. Leichte bis mittelschwere Arthrosen müssen aber nicht gleich in einem künstlichen Gelenk enden. Die Medizin setzt vermehrt auf biologische Therapien.
Dr. Jeannette Petrich Munziger

Dr. Jeannette Petrich Munzinger. Orthopädische Chirurgin, Gelenkzentrum Zürich.

Schmerzen bei jedem Schritt, Bewegungseinschränkungen, und das Tag für Tag – bereits jeder Zweite über 60 Jahren leidet an Kniearthrose. Die Beschwerden treffen aber nicht nur Ältere, auch Junge, Sportler und Couch-Potatoes sind vom irreversiblen Gelenkverschleiss betroffen. Schon ab 35 Jahren zeigen sich Arthrose-Erscheinungen im Anfangsstadium, oft merken es die Betroffenen nicht, weil sie noch keine Schmerzen spüren. Ein Fehltritt, Überbelastung, und die Qual beginnt. Gründe für Arthrose gibt es viele: Alter, genetische Vorgaben, Übergewicht, mangelnde Bewegung oder übermässig starke Belastung durch sportliche Aktivitäten, Fehlbelastungen durch X- oder O-Beine.

Für Dr. Jeannette Petrich Munzinger vom Gelenkzentrum Zürich ist Arthrose nicht nur ein lokales Geschehen, sondern eine Gesamterkrankung. «Arthrose verursacht Schäden an den gesunden Knochen. Die Krankheit ist ein konstanter entzündlicher Prozess, der Schmerzen verursacht.» Laut der orthopädischen Chirurgin herrscht im Knie ein schädliches Mikroklima durch abbauende Enzyme sowie Abriebpartikel. Nicht jede Kniearthrose muss gleich in einem künstlichen Gelenk enden. Gerade eine leichte bis mittelschwere Arthrose lässt sich durch konservative Therapien lindern. Dr. Petrich Munzinger setzt seit einiger Zeit auf ein innovatives Behandlungsverfahren, die ACP-Therapie. Mit der Eigenblut-Therapie – autologes conditioniertes Plasma (ACP) – versucht sie, die Balance im Knie wiederherzustellen. Die im Blut enthaltenen hoch konzentrierten Wachstumsfaktoren vermögen die schädigenden Enzyme, die an der Entzündung beteiligt sind, zurückzudrängen. Zudem wird das Immunsystem mit ACP stimuliert. Dazu wird eine kleine Menge Blut aus der Armvene entnommen. Durch ein spezielles Trennverfahren wird der Teil des Blutes gewonnen, der körpereigene regenerative und arthrosehemmende Bestandteile enthält. Die so gewonnene Lösung wird in das betroffene Gelenk injiziert. Dies geschieht mit einer speziell entwickelten Doppelspritze. Das Doppelkammersystem gewährleistet die sterile Gewinnung und sterile Injektion der Wachstumsfaktoren und bietet so höchstmögliche Sicherheit vor einer Infektion. Diese regenerative Methode wird dreimal im Abstand von je zwei Wochen durchgeführt. «Bei ungefähr 60 Prozent der Patienten können wir einen deutlichen Unterschied feststellen», sagt Petrich Munzinger. Die ACP-Methode zeigt auch gute Resultate bei degenerativen Meniskus-Verletzungen oder Achillessehnen-Reizungen.

Wenn ACP nicht wirksam ist und der Zustand noch nicht operativ behandelt werden muss, injiziert die Chirurgin Kortison in das betroffene Gelenk. «Das ist ein Feuerlöscher! Manche Patienten sehen wir danach nicht mehr, andere kommen nach drei, vier Monaten und klagen erneut über Schmerzen.» Mit der Hyaluronsäure-Injektion ins Kniegelenk steht ein Puffermaterial, eine Art Gelenkschmiere, zur Verfügung. «Es ist kein immunkompetentes Material wie ACP, sondern speichert Wasser, wodurch der Knorpel etwas aufgepolstert wird.

Die Medikamente NSAR, die nicht steroidalen Antirheumatika wie Voltaren, Brufen und andere, sind eher für besondere Gelegenheiten wie eine Bergwanderung oder ein Golfspiel. Es sind keine Medikamente für den täglichen Gebrauch. Auf Dauer schädigen NSAR die Nieren oder verursachen Irritationen im Magen. Nahrungsergänzungsmittel wie Chondroitin- und Glukosaminsulfate wirken entzündungshemmend, taugen aber nicht unbedingt für den Knorpelaufbau. Laut einer Studie des Universitätsspitals Zürich kommt es bei diesen Mitteln auf die Kombination und die Dosis an.

Salben, Gele oder Sprays sind etwas für oberflächliche Reizungen, dringen die Substanzen doch nur begrenzt in die Tiefe. Der schmerzlindernde Effekt könnte von der Massage herrühren. Was man bei diesen Therapien beachten muss, ist der Placebo-Effekt. «Placebo-Effekt tönt so negativ, aber eigentlich ist er ein natürlicher Schutzmechanismus, der nicht unterschätzt werden sollte», gibt Petrich Munzinger zu bedenken. Eine weitere Therapie-Option aus der Komplementärmedizin sind pflanzliche Mittel, im Speziellen Teufelskralle, oder die Akupunktur.

Bei den operativen Verfahren gibt es je nach Diagnose verschiedene Möglichkeiten wie Transplantation von körpereigenen Knochen-Knorpelzylindern oder die relativ aufwendige Knorpeltransplantation. «Die gezüchteten Knorpelzellen verwandeln sich meist in Faserzellen, es entsteht also kein schöner Knorpel, sondern eher Faserknorpel. Das Ganze ist nicht so stabil und weniger belastbar. Aber für jüngere Patienten mit umschriebenen Knorpeldefekten eignet sich diese Methode durchaus», erklärt Petrich Munzinger. Vielleicht liegt die Zukunft im 3-D-Drucker, mit dem einst Knorpel angefertigt werden kann.

Sicher ist: Bewegung ist auch für ein Arthrose-Knie gut. Es muss nicht mehr Joggen sein, dafür Walking, Velofahren, Aquajogging, auch Skifahren auf einfachen Pisten. Sportarten, die mit Stössen oder schnellen Richtungswechseln verbunden sind, sollte man meiden.

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