Lungenkrebs Durchbruch in der Therapie von Lungenkrebs

Noch immer ist Rauchen der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs. Der Tumor ist heimtückisch, denn er entwickelt sich über Jahre ohne Symptome. Die Immuntherapie läutet eine neue Ära in der Behandlung von Lungenkrebs ein. Die Mediziner sind sich einig: Die Immunonkologie wird die Krebstherapie völlig verändern.
Frau Zigarette rauchen
© Keystone

Falsch verstandene Emanzipation: Der Anteil der Frauen, die rauchen, nimmt zu. In der Schweiz erkranken jährlich 1440 Frauen an Lungenkrebs.

 

 

Lungenkrebs ist weltweit die häufigste krebsbedingte Todesursache. Es sterben mehr Menschen an Lungenkrebs als an Brustkrebs, Dickdarmkrebs, Pankreasund Prostatakrebs zusammen. Im Jahr 2012 wurde bei fast zwei Millionen Menschen Lungenkrebs diagnostiziert. Männer waren doppelt so häufig betroffen wie Frauen, wobei der Anteil der Frauen ständig zunimmt. In der Schweiz erkranken circa 2460 Männer und 1440 Frauen jährlich neu an Lungenkrebs.

Das Lungenkarzinom ist äusserst heimtückisch. Es entwickelt sich meistens völlig unbemerkt über Jahre. Zudem breitet es sich über das Lymphsystem aus und macht Metastasen in Leber, Knochen und Gehirn. Bis heute fehlt eine wirklich effektive Therapie. Die niedrigen Fünf-JahresÜberlebensraten von weniger als zehn Prozent sprechen für sich.

Jetzt keimt zum ersten Mal Hoffnung auf. Anlass dazu sind die neusten Ergebnisse zur Immuntherapie. Sie läutet eine neue Ära in der Krebstherapie ein, und zwar bei verschiedenen Krebsarten, die bisher einer Behandlung kaum zugänglich waren. Nicht nur beim Melanom, sondern auch bei anderen aggressiven Krebsarten wie Lungen-, Blasen- oder Nierenkrebs oder bei Tumoren des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs gibt es vielversprechende Daten.

Der erste grosse Erfolg war die Zulassung eines immunologisch aktiven Eiweisses zur Behandlung von metastasierendem Hautkrebs. Heute ist dieses Protein fester Bestandteil im Therapiearsenal, das beim Melanom eingesetzt wird. Der Wirkstoff verändert die Signalsysteme im Körper so, dass die Krebszellen vom Immunsystem als fremd erkannt und vernichtet werden. Erst durch die Aufklärung der Tarnmechanismen der Tumorzellen ist diese Therapie überhaupt möglich geworden. Die Ergebnisse sind so ermutigend, dass die Immunonkologie heute als die neue Säule in der Krebstherapie angesehen wird.

Auch am diesjährigen Krebskongress in Chicago mit über 25 000 Teilnehmern wurde die Immunonkologie als Revolution gefeiert. Die Immuntherapie wird die Krebstherapie völlig verändern, waren sich die führenden Experten einig. Resultate von mehreren klinischen Studien zeigen eine vielversprechende neue Rolle für die Immuntherapie bei Patienten mit einem weiten Spektrum von häufigen Tumorerkrankungen, darunter auch Lungenkrebs. Die USExpertin Lynn Schuchter beispielsweise sagte: «Das Forschungsfeld wird mit jedem Jahr aufregender. Mit den neuen Studien verlassen wir schnell die Ära, in der die Immuntherapie nur als Durchbruch beim Melanom angesehen wurde.»

Neben der Bekämpfung von Krankheitserregern ist das Immunsystem fähig, bösartig veränderte Zellen zu erkennen und zu beseitigen. Allerdings entgehen viele Krebszellen der Vernichtung, indem sie sich geschickt tarnen und die angreifenden Immunzellen blockieren. Doch diese Blockade lässt sich mit bestimmen Antikörpern wieder lösen. Und genau das macht man mit den neuen Immuntherapien gegen Haut- und Lungenkrebs. Genauer: Die immunologisch wirksamen Medikamente blockieren sogenannte Checkpoints auf den Immunzellen. Bei diesen Checkpoints handelt es sich um Signalmoleküle, welche die körpereigenen Abwehrzellen besänftigen. Werden diese Signalmoleküle durch immuntherapeutische Wirkstoffe ausgeschaltet, kann das Immunsystem die Krebszellen wieder wirksam bekämpfen.

Es gibt noch einen Trick, mit dem Krebszellen der Zerstörung durch das Immunsystem entgehen. Bösartige Zellen können die Bildung von bestimmten regulatorischen mmunzellen fördern. Diese Immunzellen sind für den Körper sehr wichtig, denn sie erkennen körpereigene sowie bestimmte der Umwelt entstammende Substanzen als ungefährlich, sodass der Organismus keine Antikörper gegen diese Stoffe bildet. So verhindern sie die Entstehung von Autoimmunerkrankungen und Allergien. Bei Patienten mit Lungenkrebs oder Melanom allerdings können diese Zellen auch Immunreaktionen unterdrücken, die gegen den Tumor gerichtet sind. Hier setzt die Immuntherapie an, indem sie die Bildung dieser Immunzellen eindämmt und damit gleichzeitig die Immunreaktion gegen den Tumor fördert und unterstützt.

Eine weitere Entwicklung macht Hoffnung, dass in Zukunft weniger Menschen an Lungenkrebs sterben. Bei starken Rauchern und Ex-Rauchern treten 20 Prozent weniger Todesfälle wegen Lungenkrebs auf, wenn sie sich einer Reihenuntersuchung mittels einer speziellen Computer-Tomografie unterziehen. Das zeigte eine gross angelegte US-Untersuchung mit über 53 000 Rauchern und Ex-Rauchern im Alter von 55 bis 74 Jahren.

Und nicht zu vergessen: Am stärksten senken lässt sich die Mortalität durch Lungenkrebs, wenn noch weniger Menschen rauchen würden. Die wirksamste Massnahme dazu sind eine markante Erhöhung der Zigarettenpreise und eine Ausweitung der Rauchverbote im öffentlichen Raum.

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