Panikstörung Bieten Sie der Angst die Stirn!

Schwitzen, Herzrasen und Zittern. Wer eine Panikattacke erleidet, hat manchmal sogar Angst, dass er stirbt. Dabei haben die Symptome keine körperlichen Ursachen. Eine Leserin beschreibt ihr Leiden und fragt verzweifelt, was sie dagegen tun kann.
Panik

Sofort handeln: Wer an Panikattacken leidet, sollte sich schnell an eine Fachperson wenden.

Seit längerer Zeit bekomme ich immer bedrohliche Attacken. Es beginnt wie eine innere Explosion. Dann werde ich ganz nervös, aufgeregt und bleich im Gesicht. Ich fange an zu zittern und kann nicht mehr klar denken. Es fühlt sich an, als hätte ich eine Unterzuckerung. Zufällig habe ich auch gemerkt, dass mein Blutdruck steigt. Diese Attacken bekomme ich immer, wenn ich psychisch im Stress bin und mit meinem Selbstwertgefühl zu kämpfen habe. Ich überlege dann jeweils, ob ich bei der Arbeit einen Fehler gemacht habe. Der Arzt sagte mir, dass ich AdrenalinSchübe habe. Er gab mir einen Beta-blocker. Zu Beginn habe ich gut auf das Medikament angesprochen. In letzter Zeit muss ich aber immer mehr nehmen. Sind das wirklich Adrenalin-Schübe, und weshalb habe ich diese? Und was kann ich gegen mein Problem machen? Ich habe einen Beruf, wo das enorm stört.

Das sagt Dr. Samuel Stutz:

«Finger weg von Medis und Alkohol»
Das Beispiel zeigt zuerst einmal zwei Dinge. Einerseits die völlig unzureichende Aufklärung der Patientin. Sie glaubt nach dem Gespräch mit dem Arzt an «Adrenalin-Schübe». Von einer Panikattacke hat sie ganz offensichtlich noch nie etwas gehört, auch nicht, was sie bedeuten, woher sie kommen und wie man sie wirksam behandeln kann. Für die Zukunft der betroffenen Frau ist die unterlassene Aufklärung eine schwere Hypothek. Mag sein, dass der Arzt der Patientin ein paar Informationen gab. Tatsache ist aber, dass sie nicht bei der Patientin ankamen. Es ist Sache des Arztes, das mit gezielten Rückfragen sicherzustellen.

Zweiter kritischer Punkt: Die Gefahr von Allgemeinmedizinern, die Patienten nicht an entsprechende Fachpersonen zu verweisen. Die Patienten wurde weder eingehend auf körperliche Ursachen abgeklärt, noch wurden eingehende Abklärungen über ihren psychischen Zustand gemacht. Stattdessen erhält sie einfach Medikamente, die zwar am Anfang die Symptome lindern können, das Problem aber nicht lösen. Das ist nicht nur sehr nachteilig für die Patientin, sondern verursacht auch völlig unnötige Kosten. Es ist deshalb wichtig, dass die Patienten ihre Rechte einfordern und sich nicht vom Arzt einfach mit einem Rezept für ein Medikament abspeisen lassen. Und nun zu den Panikattacken selber. Panikattacken sind relativ häufig. Rund fünf Prozent der Frauen und zwei Prozent der Männer leiden zeitlebens daran. Meistens entwickelt sich eine Panikstörung im jungen Erwachsenenalter. In der Regel kommen die Attacken plötzlich, wie aus dem Nichts. Die Betroffenen haben keine Erklärung dafür, was passiert. Oft gehen Sie von Arzt zu Arzt – man spricht deshalb von Doctor-Hopping –, wenn sich nicht jemand die Mühe macht, sie genau aufzuklären. Häufig treten Panikstörungen während oder nach belastenden Lebensabschnitten auf. Die Betroffenen stehen meistens unter einer grossen Anspannung, die sie selbst aber oft nicht wahrnehmen. Eine Panikstörung verschwindet kaum von selber. Viele Patienten nehmen regelmässig beruhigende Medikamente oder Alkohol, um die Angst zu bekämpfen. So kommt es zusätzlich zur Panikstörung noch zu einer Alkohol- oder Medikamentensucht. Die besten Heilungschancen bietet die Verhaltenstherapie. Hilfreich ist zudem, mit den Ängsten einen bewussten Dialog zu führen. Das hilft, der Bedrohung Angesicht in Angesicht zu begegnen und ihr mehr und mehr die Stirn zu bieten, statt ihr hilflos ausgeliefert zu sein und ihr zu gehorchen. Sobald man nämlich der Bedrohung einen Namen gibt und sie direkt anspricht, verliert sie einen grossen Teil ihrer Macht.

 
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