Ein Fall für Stutz Karussell im Kopf: Angst macht es nur schlimmer!

Eine Leserin wird immer wieder von Schwindel geplagt und kann ohne Medikamente nicht mehr schlafen. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Was am besten dagegen hilft. Und warum man sich der Angst stellen muss.  
Schwindel Karussell
© iStockphoto

Schwindel betrifft viele Menschen: «Es ist eines der häufigsten Symptome überhaupt.»

Ich bin 70 Jahre alt, schlank und so weit recht fit. Ich mache fast täglich etwas für die Gesundheit, indem ich laufe und Velo fahre. Nun hatte ich im März 2013 einen Drehschwindel. Mein Hausarzt meldete mich zum MRI an. Das Ergebnis lautete: Die Durchblutung zum Kopf ist dem Alter entsprechend nicht mehr sehr gut. Im Frühling 2014 bekam ich wieder Drehschwindel. Darauf ging ich zur Ohrenärztin, zum Herzspezialisten und zum Neurologen. Den Drehschwindel bekam ich mit Übungen von der Ohrenärztin in den Griff. Der Neurologe hat die Hirnströme gemessen und verschrieb mir ein Ginkgo-Präparat. Das Herz war in Ordnung. Aber von diesem Zeitpunkt an ging es mir nie mehr richtig gut, und der diffus-schwindlige Kopf wurde zum ständigen Begleiter. Man probierte es mit beruhigenden und angstlösenden Medikamenten. Im März 2015 meldete mich der Neurologe für ein zweites MRI an. Nun hiess es, dass sich die Durchblutung im Kopf verschlechtert habe. Diese Diagnose macht mir so grosse Angst, dass ich keinen Appetit mehr habe und etwa sechs Kilo abgenommen habe. Können Sie mir helfen?

Das sagt Dr. Samuel Stutz:

Schwindel ist eines der häufigsten Symptome überhaupt. Mehr als jeder zehnte Patient beim Hausarzt klagt darüber. Im Alter sind Gleichgewichtsstörungen besonders häufig. Es gibt ganz verschiedene Ursachen für Schwindelgefühle. Störungen im Innenohr, Störungen im Gehirn selber, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselleiden, psychische Störungen, aber auch eine natürliche Degeneration im Alter. Drei Systeme spielen haargenau zusammen, damit wir unser Gleichgewicht bewahren und steuern können. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen und der Tast- und Tiefensinn, dessen Fühler sich in der Haut, in den Gelenken, Muskeln und Sehnen befinden. Die Schaltzentrale, wo alle Informationen zusammenlaufen, befindet sich im Hirnstamm. Auch wenn wir völlig gesund sind, kann uns hie und da schwindlig werden, ohne dass das eine ernsthafte Ursache hat, besonders bei niedrigem Blutdruck oder während einer Reise. Zum Arzt sollte man, wenn der Schwindel ohne Grund auftritt, wenn die Schwindelattacken gehäuft auftreten oder lange anhalten, wenn sie mit anderen Störungen zusammen auftreten, seien das Kopfschmerzen, Herzrasen, Atemnot, Benommenheit, Ohnmachtsgefühle, Hörstörungen und Ohrgeräusche. Die Vielzahl möglicher Ursachen erfordert oft die Zusammenarbeit von diversen Spezialisten für die Diagnostik und die Therapie. Deshalb gibt es an immer mehr Kliniken Zentren für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Die Behandlung richtet sich wenn immer möglich nach der Ursache. Unerlässlich sind in den meisten Fällen ein Gleichgewichtstraining und möglichst viel Bewegung. Denn unser Gleichgewichtssystem ist zeitlebens lernfähig.

Dr. Samuel Stutz analysiert Schicksale, die unter die Haut gehen.
© ZVG

Dr. Samuel Stutz analysiert Schicksale, die unter die Haut gehen.

Sind Sie ein scheinbar unlösbarer «Fall»? Schreiben Sie an sprechstunde@doktorstutz.ch.

Auch interessant