Check-up: Fitness So trainieren Frauen richtig!

Dass Frauen anders funktionieren als Männer, ist nichts Neues. Aber haben Sie gewusst, dass dies auch im Sport gilt? Dr. Christiane Leupold, Spezialistin für Frau und Sport, klärt auf.
Wenn frau nach länger Pause wieder mit Sport beginnt, sollte sie das behutsam tun. Wer sich Zeit lässt, findet auch die passende Sportart.
© Getty Images Wenn frau nach länger Pause wieder mit Sport beginnt, sollte sie das behutsam tun. Wer sich Zeit lässt, findet auch die passende Sportart.

Wenn Frauen Sport treiben, hat das meist mehrere Gründe: Sie möchten ihre Fitness erhöhen, ein besseres Körpergefühl haben, ein persönliches Ziel erreichen. Und vielfach sehr wichtig, manchmal sogar der Hauptgrund: Sie möchten unbedingt ihr Gewicht halten oder abnehmen.

Allgemein gilt: Nicht nur Spitzensportler brauchen fachkundige medizinische Betreuung fürs Training, sondern auch Hobbysportler. Frauen und Männer, die nach längerer Pause wieder mit Sport beginnen, brauchen gezielte Aufmerksamkeit und Fachwissen. «Will jemand anfangen, Sport zu treiben, ist es wichtig, die passende Sportart zu finden und diese behutsam und individuell anzugehen», sagt Dr. Christiane Leupold, selbstständige Sportärztin in Breitenbach und an der Hirslanden Klinik Birshof in Münchenstein BL. Wichtig ist, sich nicht zu überanstrengen. Das heisst: Bei Ausdauersportarten sollte man immer mit dem Trainingspartner sprechen können. Zwei- bis dreimal wöchentlich während 20 bis 30 Minuten sind empfehlenswert. Die sportliche Leistung kann nach und nach ohne Risiko gesteigert werden – ein Effekt ist bald spür- und sichtbar.

Sport hat neben den bereits genannten Folgen weitere wichtige und positive Auswirkungen. Regelmässiger Sport schützt vor Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Osteoporose. Somit gewinnt Bewegung mit zunehmendem Alter an Bedeutung für körperliches Wohlbefinden.

Aber Achtung: Zu viel Sport ist ungesund. Wenn Spitzen- und Hobbysportler übertreiben, kann es zu ernsthaften Verletzungen oder Störungen kommen. «Zum einen kann es zu hartnäckigen Verletzungen durch Fehl- oder Überlastung kommen. Zum anderen besteht im Frauensport ein enger Zusammenhang zwischen körperlicher Dauerbelastung und Eierstock-Funktionsstörungen», erklärt die 49-jährige Spezialistin für Frau und Sport. «In ausgeprägten Fällen kann es zu schweren Stoffwechsel- und Hormonstörungen kommen, im Extremfall zum Vollbild der ‹female athlet triad›: Die Frau leidet dann an einer Essstörung, am Ausbleiben der Regelblutung und an Osteoporose.»

Der Körper der Frau unterscheidet sich in seiner Bauart in vielen Punkten vom männlichen. Zum Beispiel ist die frauentypische X-Bein-Stellung unter Belastung anfällig für Knie- und Fussbeschwerden. Eine sorgfältige Untersuchung und fachmännischer Ratschlag, am besten kombiniert mit einer Laufanalyse und Schuhberatung, kann Komplikationen vorbeugen oder bei bestehenden Beschwerden helfen.

Durch Sport können auch ungesunde Fehlentwicklungen entstehen. «Die Pubertät oder Sportdisziplinen mit tiefem Körpergewicht wie zum Beispiel Kunstturnen, hoher Leistungsdruck oder eine eigene verzerrte Körperwahrnehmung können Risikosituationen für ungesunde Fehlentwicklungen sein», erläutert Dr. Leupold. «Die ersten Symptome sind häufig nur Müdigkeit und Schwäche, oder sie äussern sich in einer vermehrten Infekt- oder Verletzungsanfälligkeit. In solchen Fällen ist ein aufmerksames und erfahrenes medizinisches Auge sowie eine sorgfältige körperliche Untersuchung nötig. Zusätzlich sind Stoffwechsel- und Hormonuntersuchungen unverzichtbar.» Ebenso verdienen der Eisenstoffwechsel mit möglichen Mangelzuständen sowie die Beurteilung des Kalzium- und Knochenhaushaltes bei sportlich aktiven Frauen besondere Beachtung. Ab dem 25. Lebensjahr verliert eine Frau pro Jahr bis 0,5 Prozent ihrer Knochendichte. «Bleibt die Menstruation aus, verliert sie pro Jahr ohne Regelblutung sogar bis zu 6 Prozent ihrer Knochenmasse. Die Folge können Überlastungsbrüche, sogenannte Stressfrakturen, zum Beispiel an Fuss oder Hüfte, sein. Sie sind für den Sportmediziner natürlich ein Alarmzeichen», erklärt die Spezialistin.

Eine sportmedizinische Betreuung lohnt sich also auf jeden Fall – auch für Hobbysportlerinnen und (Wieder-)Einsteigerinnen. Denn nur so kann ein mögliches Risiko früh erkannt und rechtzeitig behandelt werden.

Check
Das sollten Sie wissen!

  • Machen Sie einen Gesundheitscheck, wenn Sie nach längerer Pause wieder mit Sport beginnen.
  • Nicht jede Sportart ist für jede Frau geeignet. Ein Facharzt hilft weiter.
  • Langsam beginnen und nach und nach steigern.
  • Sie treiben viel Sport, fühlen sich trotzdem müde und sind oft krank? Konsultieren Sie einen Arzt.
  • Bleiben Sie in Ihrer Freizeit körperlich aktiv, besonders mit zunehmendem Alter.
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