«The Chedi» in Andermatt UR Asia-Chefs am Herd, mit dem iPad ins Bett

Wie gut ist «The Chedi» wirklich? GaultMillau-Chef Urs Heller checkte in Andermatt ein. Er war von der Herzlichkeit des Teams und dem Talent der (asiatischen) Küche ziemlich verblüfft.
asiatische Köche des Resorts «The Chedi»
© Marcus Gyger

Executive Chef Mansour Memarian will eine sehr authentische Küche. Also holte er die Asiaten Jason, Nyi Nyi und Toshit in den Schnee von Andermatt. 

Ärgerlich ist nur die Anfahrt. Ein Herr, der weder Uniform trägt noch sich vorstellt, stoppt den Wagen, fragt nach dem Namen, blättert umständlich in einer Liste, betätigt dann doch noch einen Schalter, auf dass sich schliesslich ein mächtiges Tor öffnet, das verdächtig an den Knast im letzten «Tatort» erinnert. Der Voiturier will den Namen ein zweites Mal wissen, der junge Mann an der Reception gleich nochmals; «five star» ist anders. Aber nach diesem Fehlstart gehts steil bergauf. Receptionist Nicolas, ein freundlicher Walliser, zeigt auf dem Weg zur Suite die Schönheiten von Samih Sawiris’ 300-Millionen-Hotel. Der erste Eindruck: überwältigend.

Grösser, länger, raffinierter! «Chedi»-Stararchitekten wie Jean-Michel Gathy haben einen genialen Trick. Bei ihnen ist alles etwas höher (Lobby, Zimmer) oder länger (Pool, 35 Meter, unter Glas) als üblich. In Andermatt sinds bereits in den Zimmern knapp 4 Meter, in den Gesellschaftsräumen 4,30 bis 5,20 Meter. Entsprechend der Wow-Effekt bei den Gästen. Zimmer (mindestens 52 Quadratmeter, ab CHF 800.–) und Suiten wirken grosszügig. Edelste Materialien, moderne Bäder (Wasserfall-Dusche), Cheminée, modernste Technik. Ohne iPad geht hier keiner ins Bett. Über das kleine Gerät steuert man das Licht, das TV-Gerät, die Temperatur, lässt am Morgen die Jalousien wieder hochfahren und lädt gleichzeitig ein paar Tageszeitungen runter. In den Suiten fehlt auch ein gut dotierter Wein-Kühlschrank nicht! Achillesferse sind die 198 (!) Cheminées im Haus; aus «Sicherheitsgründen» (technisches Problem) lodert in den 106 Zimmern noch keines. Umstritten sind die WC im Zimmer. Wer sitzt hier schon gerne «ausgestellt» hinter einer Glastüre?

Didier Cuche, Lindsey Vonn, Bode Miller. Das Skigebiet von Andermatt ist (wie sagt man dem höflich?) zurzeit noch reichlich rustikal. Die Ausbaupläne (Verbund mit Sedrun bis 2016) sind immerhin vielversprechend. Und der Weg auf Ski oder Brett ist für «Chedi»-Gäste komfortabel. Man trifft sich im «Living Room» und wartet in breiten Ledersesseln, bis der «Ski-Butler» die sorgfältig präparierte Ausrüstung und die vorgewärmten (!) Schuhe bringt. Auf Wunsch schleppt der Butler die Ski noch zur Talstation. Attraktion im «Living Room». Alle Weltcup-Stars, die auf Head berühmt geworden sind, lieferten ein paar Siegerski nach Andermatt, schwungvoll unterschrieben: Didier Cuche, Lindsey Vonn, Bode Miller, Ted Ligety, Beat Feuz, Aksel Svindal & Co. Lokalmatador und Olympiasieger Bernhard Russi fehlt in diesem «Museum». Der fuhr früher Rossignol und Kneissl. Und heute Völkl.

Asien im «Tal der Bären». Im «Chedi» wird immer und überall gegessen. An den endlosen, hervorragenden Frühstücksbuffets. An der Bar und in der Lobby. Auf den bequemen Chill-out-Liegen am spektakulären Pool. Und natürlich auch in den beiden Restaurants. Asiatische Küche ist überraschend Trumpf im «Chedi», auch in «The Restaurant». In vier verschiedenen Showküchen wird vor den Augen der Gäste hantiert. Wer an den beiden acht Meter langen «Chef’s Tables» Platz nimmt, sieht beispielsweise den asiatischen Köchen direkt in den Wok. Die machen einen Super-Job. Wundervolle «Ravioli» vom nordchinesischen Dim-Sum-Master Jason, grossartig dosiertes rotes Thai-Curry mit Riesencrevetten von Wok-König Nyi Nyi, indische Küche von Toshit. Das Credo des weit gereisten deutsch-iranischen Küchenchefs Mansour Memarian? Nur eine authentische Küche ist eine gute Küche. Also stehen für «East»-Gerichte Jungs aus Asien am Herd, hantieren erst noch mit den besten Produkten. «West»-Gerichte gibts auch: ein tolles Gänseleber-Millefeuille (der «signature dish» des Chefs), Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti, Cordon bleu vom Urserntaler Kalb. Fondue? Fehlanzeige. Der Concierge empfiehlt im Dorf den «Ochsen», Bernhard Russis ziemlich bodenständige Stammbeiz.

«The Japanese Restaurant». Kulinarisches Herzstück ist das japanische Restaurant mit zwei tollen ChefsChefMatoba und Chef Ichikana arbeiten Schulter an Schulter. «Ichi» hat auch die Lizenz als Fugu-Koch, aber dieser bei falscher Behandlung lebensbedrohende Fisch kommt sicherheitshalber nur in Japan auf den Tisch. Im «Chedi» setzt man auf Sushi und Tempura. Den besten Eindruck kriegt man mit dem «Chef’s Tasting Menu» (CHF 130.–). Restaurantmanager Joël Egger führt charmant, dezent und sehr fachkundig durch die vielen Gänge. Die Preise in allen Restaurants und auf der Weinkarte sind enorm gastfreundlich; teuer sind in «The Chedi» nur die Zimmer (und der Spa). Sympathisch: General Manager Alain Bachmann hat 150 vorwiegend junge, freundliche Mitarbeiter angeheuert, erstaunliche 40 Prozent sind Urner oder Schweizer. Passt zum lässig-luxuriösen Lifestyle, der die GHM-Hotels und die «Chedi» dieser Welt auszeichnet. 

Info: www.GHMhotels.com

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