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  3. Sängerin Caroline Chevin hat in der alten Heimat neue Wurzeln geschlagen

Caroline Chevin drei Jahre nach ihrer Rückkehr in die Schweiz:

«Ich habe neue Wurzeln geschlagen»

Im TV-Format «Sing meinen Song» besticht Sängerin Caroline Chevin mit Stimmkraft und Energie. Sie zeigt, dass sie nach dem tragischen Verlust ihres Mannes ­wieder angekommen ist – in ihrer Heimat und bei sich selbst.

Haare & Make-up: Patrick Kästli

Endlich zu Hause! Caroline Chevin auf ihrem Balkon in Weggis LU. Sie ist in der Gemeinde aufgewachsen.

Geri Born

Einfach den Tag geniessen. Abschalten. Den Blumen auf dem Balkon beim Wachsen zusehen. Die grandiose Aussicht auf Berge und Vierwaldstättersee bewundern. Durchatmen. So sehen die gedanklichen Notizen von Caroline Chevin (47) aus, die dem neuen Album «Note to Self» («Notiz an mich selbst») den Namen verleihen.

Durchatmen und geniessen. Dass sie dies mittlerweile gut kann, hat viel mit Weggis LU zu tun. Hier ist die Sängerin aufgewachsen, hier ist sie jetzt angekommen. In ihrer Heimat. Auch bei sich selbst. «Ich habe neue Wurzeln geschlagen.»

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Die Trauer wird nie ganz verschwinden

Drei Jahre ist es her, dass Chevin mit ihrem heute sechsjährigen Sohn Kian aus Neuseeland zurückkehrt, wo sie zuvor fünf Jahre gelebt hat. Die Rückkehr ist nicht einfach. Monate zuvor zerspringt Carolines Welt «in tausend Stücke», als ihr Mann sich im August 2018 das Leben nimmt. Den neuseeländischen TV-Moderator Greg Boyed hatte sie in den Ferien kennengelernt, es war Liebe auf den ersten Blick, die Heirat und der gemeinsame Sohn folgten auf dem Fuss. Überschattet wurde die Liebe von Beginn an von Gregs Depressionen. «Wenn man es nicht erlebt hat, kann man sich kaum vorstellen, wie es ist, jemanden zu lieben, der es einfach nicht schafft, glücklich zu sein», sagt Caroline.

Heute schaut sie mit grosser Dankbarkeit auf die gemeinsame Zeit mit Greg zurück. Auch wenn die Trauer nie verschwinden wird. Vor allem im März um Gregs Geburtstag herum – sie bäckt dann stets mit Kian einen Rüebelikuchen – und um seinen Todestag. «Natürlich würde ich gern die Meilensteine unseres Sohnes mit ihm teilen.»

Haare & Make-up: Patrick Kästli

Platten und Koffer sind Erbstücke ihres Grossvaters. Er lebte und arbeitete in Japan, wo Carolines Mutter aufwuchs.

Geri Born

Wichtig sei ihr, dass Kians Papa in dessen Alltag präsent ist. «Aber ich achte auch darauf, dass er nicht auf einem Podest steht.» So fallen Sätze wie «Jetzt hast du dreingeschaut wie dein Dad.» Oder: «Das hätte deinem Dad gefallen.» Fragt Kian, wird ehrlich geantwortet, auch wenn es um Gregs Tod geht. Fragen ihn seine Gspänli, antwortet der Erstklässler mittlerweile genauso ehrlich, erzählt zum Beispiel, dass sein Papa im Himmel sei. Zu Schulanlässen begleitet die beiden jeweils Carolines Mutter. «So hat er – wie alle anderen Kinder – zwei Leute dabei.» Eines will Caroline Chevin auf keinen Fall: Kian soll nicht «das arme Kind mit dem toten Vater» sein. Genau wie sie nicht «die arme Frau, die ihren Mann verloren hat», sein will.

«Jeder Mensch hat seinen Rucksack zu tragen. Ich habe nicht das Gefühl, meiner sei schwerer als der von anderen.»

Aber Caroline merkt auch, wie sehr der Schicksalsschlag sie und Kian geprägt hat. «Wir leiden beide unter Verlustängsten.» So sei es nicht einfach gewesen, Kian zu eröffnen, dass seine Mum zum Dreh des TV-Knallers «Sing meinen Song» für zehn Tage nach Gran Canaria fliegt und er nicht mitkommen kann. «In seinem Blick lag der pure Horror.» Um ihm den Abschied zu erleichtern, hat Caroline ihrem Sohn einen Kalender gebastelt, aus dem er jeden Tag ein «Gschenkli» fischen darf, bis sein Mami zurück ist.

Haare & Make-up: Patrick Kästli

Caroline ist oft mit dem Velo unterwegs. Star-Status? «Ach was. Hier in Weggis kennt eh jeder jede und jeden.»

Geri Born

Ob sie bei «Sing meinen Song» mitmachen möchte, musste sich Caroline Chevin nicht zweimal überlegen. «Es ist ein tolles Format und eine grosse Herausforderung, sich mit dem nötigen Respekt an die Lieder anderer Künstler heranzutrauen. Es war Wahnsinn zu sehen, was die anderen aus meinen Songs gemacht hatten», so die Swiss- Music-Award-Gewinnerin. Ihre private Geschichte vor den TV-Kameras zu erzählen, sei hingegen gar nicht so schwierig gewesen. «Jeder hat seinen Rucksack zu tragen, und ich habe nicht das Gefühl, dass meiner schwerer ist als der von anderen.» Eine Einstellung, vor der auch Chevins Musikerkolleginnen und -kollegen den Hut ziehen. So bezeichnet Volksmusikstar Melanie Oesch sie als «Wahnsinnsmenschen mit riesigem Talent».

Zurück nach Neuseeland

Endlich darf nun Caroline Chevin ihr Talent und ihre scheinbar endlose Energie wieder auf der Bühne aus- leben – darauf freut sie sich nach der «Trockenzeit» während Corona besonders (Daten und Tickets ihrer Tour hier). Ganz oben auf ihrer privaten «Bucket List» steht ein Besuch mit Kian in Neuseeland. «Er soll nach all der Zeit seine Grosseltern und seine ältere Halbschwester wiedersehen.» Es sei essenziell, dass ihr Sohn auch diesen Teil von sich kenne. Für sie selbst ist diese Reise ebenfalls wichtig: «Ich lebe zwar im Hier und Jetzt. Aber meine Geschichte dort wird immer ein Teil von mir sein.»

Haare & Make-up: Patrick Kästli

«Feel-good-Album» nennt Caroline Chevin ihr neustes Werk «Note to Self». Es erscheint am 22. April.

Geri Born
Von Sandra Casalini am 16. April 2022 - 06:09 Uhr
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