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Schauspielerin Iris Berben

«Das Tessin ist mein Sehnsuchtsort»

Sie ist eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen unserer Zeit. Nicht ­einmal die Pandemie konnte Iris Berben aufhalten. Jetzt gönnt sie sich ­endlich wieder ein paar freie Tage an einem ihrer liebsten Orte: in Ascona.

Iris Berben, deutsche Schauspielerin im Giardino Ascona 2021

«Ich habe vom Leben so viel geschenkt bekommen. Es wäre vermessen, wenn ich mich beschweren würde.»

Amanda Nikolic

Es ist in gewisser Art und Weise ein Nachhausekommen, wenn Iris Berben, 70, die Lobby des Hotels Giardino in Ascona betritt. «Ich kenne viele beim Namen und schätze die Menschen, die hier arbeiten, die Verbindung von Lässigkeit und Zuverlässigkeit», sagt die deutsche Schauspielerin.

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Iris Berben, deutsche Schauspielerin im Giardino Ascona 2021

Iris Berben mag den Glamour der roten Teppiche. Privat gibt sie sich aber lieber ganz natürlich.

Amanda Nikolic

Iris Berben kommt direkt vom Filmfestival in Cannes. Es habe eine Art aufgeregte Nervosität geherrscht, erzählt sie über die erste Ausgabe des glamourösen Festivals seit dem Ausbruch der Pandemie. Sie selbst sorgte mit einem modischen Statement für Furore: «Plus forts ensemble» («stärker zusammen») stand in schwarzen Lettern auf dem weissen Kleid, das sie zusammen mit der iranisch-deutschen Designerin Nobi Talai entworfen hat. Die Aussage gelte für vieles, von der politischen Situation über Gleichstellung bis zur Bekämpfung der Pandemie. Corona ist auch an ihr nicht spurlos vorbeigegangen, selbst wenn sie in der Zeit für drei Produktionen vor der Kamera stand. «Aber das macht einen ja nicht froh, wenn man weiss, dass viele Kolleginnen und Kollegen gerade nicht arbeiten können.» Trotzdem mag Iris Berben dem vergangenen Jahr auch etwas Positives abgewinnen: «Ich denke, unsere Blicke wurden geschärft. Es ist nicht alles selbstverständlich. Wir schätzen die Dinge mehr.»

Iris Berben, deutsche Schauspielerin im Giardino Ascona 2021

Nachdenklich: «Dass ein grosser Teil meiner Branche immer noch brachliegt, tut mir sehr weh.»

Amanda Nikolic

Für ihre kleinen Auszeiten in der Schweiz war Iris Berben allerdings schon immer dankbar. «Dafür hätte ich kein Virus gebraucht», meint sie und lacht – was sie mehr mit den Augen als mit dem Mund tut. Sie hat das Tessin, ein Ferienort ihrer Kindheit, vor einigen Jahren wiederentdeckt. Hergebracht hat sie – die übrigens von sich selbst sagt, dass sie keinen Sport treibt – ihre Liebe zu Ayurveda. Die ganzheitlichen Kuren bestehen aus typengerechter Ernährung, Massage- und Reinigungstechniken sowie Yoga- und Achtsamkeitslehren. Das Ziel ist, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren, Giftstoffe auszuscheiden und Körper und Geist in Balance zu bringen. «Für mich sind die meisten dieser Kuren allerdings zu dogmatisch», sagt Berben.

«Man denkt manchmal, die Zeit sei hier stehen geblieben. Und hofft, es bleibt so»

Iris Berben

Freunde empfahlen ihr das «Giardino». «Hier muss ich nicht eine ganze Ayurveda-Kur von A bis Z machen, sondern kann mir die Teile herauspicken, die für mich passen, und mir auch mal ein Glas Wein gönnen.» Dazwischen geht sie auf Entdeckungstour, mal mit dem Velo, mal mit dem Auto oder dem Boot. «Die Landschaft vom Lago Maggiore aus zu betrachten, ist wundervoll.»

Iris Berben, deutsche Schauspielerin im Giardino Ascona 2021

Die Schauspielerin liebt Bücher. Sie hat auch selbst schon welche geschrieben und hält oft Lesungen.

Amanda Nikolic

An Land entdeckt sie «kleine Ortschaften, enge Gassen – man denkt manchmal, die Zeit sei hier stehen geblieben. Und hofft, es bleibt so.» Alles andere wäre schade. Denn: «Das Tessin ist mein Sehnsuchtsort.» Dass ihre Auszeit relativ kurz ausfällt, stört Iris Berben nicht. Ein paar Tage reichen ihr, um die Batterien wieder aufzuladen.

Iris Berben, deutsche Schauspielerin im Giardino Ascona 2021

Voller Tatendrang! «Vielleicht lässt die Kraft einmal nach. Die Lust nicht», so die dreifache Grossmutter.

Amanda Nikolic

Kaum jemand im deutschen Filmgeschäft ist so produktiv wie sie. Allein 2020 war Iris Berben in fünf Filmen und in der Serie «Unter Freunden stirbt man nicht» zu sehen. Entsprechend lang ist die Liste der Preise, die sie in ihrer Karriere entgegennehmen durfte. Auf ihr stehen unter anderen drei Goldene Kameras, drei Bambis, das Bundesverdienstkreuz und eine Rose d’Or.

Die letzte Auszeichnung, die sie erhielt, war das Goldene Auge des Zurich Film Festival für ihr Lebenswerk, welches sie vergangenes Jahr Corona-bedingt zwei Wochen vor dem Festival in Zürich abholte. Nächsten Herbst, kurz nach ihrem 71. Geburtstag, steht sie bereits wieder vor der Kamera. Sie könne sich vorstellen, dass irgendwann die Kraft dafür nachlasse. «Aber niemals die Lust. Was für ein Glück hat man, etwas machen zu können, das Teil der eigenen Lebensform ist? Meine Neugier auf Menschen, andere Lebensstile, die habe ich privat auch. Es geht nicht ohne.»

«Was für ein Glück, etwas machen zu können, das Teil der eigenen Lebensform ist»

Iris Berben

So haben ihr während der Pandemie denn vor allem zwei Dinge gefehlt: das Reisen und die Spontanität. «Nach einem Dreh einfach mal zwei, drei Tage irgendwo hinfahren und die Seele baumeln lassen. So wie jetzt hier. Ich bin keine Planerin», so Berben, die mit ihrem Lebenspartner Heiko Kiesow, 60, in Berlin wohnt. Sie hoffe, dies sei nun wieder vermehrt möglich. Und noch eine Hoffnung nimmt sie mit aus Corona-Zeiten: dass die Relevanz der Kultur gesehen wird. «Keine Frage, dass man erst mal an die Menschen denken musste, die Tag für Tag das Rad am Laufen hielten. Aber Filme, Bücher, Musik sind nicht einfach Luxus, sondern eine Sprache, die uns alle verbindet. Es tat sehr weh zu sehen, dass hier zuerst gespart wurde, dass so viel brachlag, auch wenn ich selbst das Privileg hatte, arbeiten zu können.»

Iris Berben, deutsche Schauspielerin im Giardino Ascona 2021

Sonne tanken, bevor es zurück an die Arbeit geht. Berben spannt auch oft mit ihrem Sohn, Filmproduzent Oliver, zusammen.

Amanda Nikolic

Iris Berben spricht leise, ruhig, aber eindringlich. Als wollte sie jedem Wort ein besonderes Gewicht verleihen. «Sie ist purer Rock ’n’ Roll», schrieb die «Frankfurter Allgemeine» zu Berbens 70. Geburtstag über die Frau, die in ihrer Jugend aus nicht weniger als drei Internaten flog. Das mutet angesichts ihrer Offenheit und ihrer bedachten Wortwahl zwar seltsam an, hat aber durchaus was. So wie der Rock ’n’ Roll lässt sich auch Iris Berben nicht in eine Schublade stecken. Und der ewigen Frage nach dem Altern kann sie genauso wenig abgewinnen wie einer klassischen Ayurveda-Kur. Zum Glück. Sonst hätte es sie nicht ins Tessin verschlagen. Das wäre schade.

Von Sandra Casalini am 24.07.2021
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