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  4. Mit «Tatort»-Kommissarin Carol Schuler auf der Langstrasse: «Als Teenagerin kriegte ich eine Polizeivorladung»

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Carol Schuler setzt als Kommissarin Tessa Ott zum dritten «Tatort»-Einsatz in Zürich an. Als die Schauspielerin im eigenen Leben zum ersten Mal mit der Polizei in Kontakt kam, war sie noch jung. Was sie verbrochen hat und weshalb sie sich nicht zwischen Musik und Schauspielerei entscheiden will, erzählt die 35-Jährige im Video. Sina Albisetti
«Tatort»-Kommissarin Carol Schuler

«Als Teenagerin kriegte ich eine Polizeivorladung»

Sie will viel. Sie will alles zusammen. Und oft zu schnell: Schauspielerin und Sängerin Carol Schuler ist stets in Bewegung. Die Winterthurerin gibt privat wie beruflich vollen Einsatz – nun zum dritten Mal als «Tatort»-Kommissarin.

Sie fällt auf. Selbst an der Langstrasse in Zürich. Mit ihrer roten Kappe und in ihrem neusten Lieblingsstück, einer Gepardenjacke, schlendert Carol Schuler durch den Kreis 4, die abgenutzte Ledertasche lässig über die Schulter geworfen. «Seid ihr zufrieden mit den Föteli?», fragt ein Polizist aus seinem Kastenwagen heraus. Seit die 35-jährige Schauspielerin im Zürcher «Tatort» die Kommissarin Tessa Ott verkörpert, verbringt die seit 16 Jahren in Berlin lebende Winterthurerin wieder mehr Zeit in der Schweiz.

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Schuler setzt sich auf die Treppe am Eingang des ehemaligen Hotels Rothaus, liest einen der herumliegenden Flyer: «Worin belügen Sie sich selbst?» – «Wohl darin, dass meine Energie endlos ist», sagt sie. «Ich brauche das Adrenalin, den Rausch – und alles ein bisschen zu schnell. Ich überhole mich auch selber, sage sieben Dinge zu, die zeitlich gar nicht aufgehen.»

Carol Schuler, Schauspielerin, Tatort Kommissarin, SI 10/2022

Der Langstrasse entlang: Carol Schuler wohnt in Berlin, ist aber dank den «Tatort»-Drehs wieder öfter in Zürich.

Geri Born

Carol Schuler ist immer in Bewegung. Stillstand ist ihr fremd. Selbst um Ruhe zu finden – «darin könnte ich mich noch optimieren» –, joggt sie. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr tanzte sie Ballett. «Ich war weniger die Ballerina, eher die Komödiantin. Vom Wesen weniger elegant, mehr expressiv, und entdeckte früh meine Stimme als Instrument.»

Dem Ballett beziehungsweise dem Kindertanztheater ihrer Tante Claudia Corti hat sie ihre erste Bühnenerfahrung zu verdanken. Mit fünf Jahren tritt Carol als Grille das erste Mal im Stück «Pinocchio» auf. «Das war sehr natürlich für mich. Ab da wusste ich, dass ich die Matura fertig mache und an die Schauspielschule gehe.»

Carol Schuler, Schauspielerin, Tatort Kommissarin, SI 10/2022

Tausendsassa: Die Schauspielerin hat in den internationalen Serien «Homeland» und «Skylines» mitgespielt.

Geri Born

Schauspiel und Gesang gehören seither untrennbar zu Carol Schuler, was auch ihre Eltern – ihr Vater ist Ingenieur, ihre Mutter Bewegungspädagogin – früh realisieren und unterstützen. Mit zwölf Jahren dreht sie an Mathias Gnädingers Seite «Lieber Brad» und gewinnt den Schweizer Filmpreis als beste Hauptdarstellerin. «Ich spielte damals intuitiv, wie ich es heute auch oft noch tue», sagt Schuler. «Alle Kinder können spielen. Die Kunst der Schauspielerin ist, sich die kindliche Neugier zu bewahren.»

Diese Neugier führt sie nach einem «grossartigen Austauschjahr mit feinem Essen, zehn Kilo mehr und viel Karaoke» in der japanischen Grossstadt Tottori an die Schauspielschule in Berlin. Seither lebt Carol Schuler dort, aktuell alleine, im Prenzlauer Berg. Bis vor Kurzem gehörte sie dem Ensemble der Schaubühne Berlin an.

Carol Schuler, Schauspielerin, Tatort Kommissarin, SI 10/2022

«Ich rauche, dafür schäme ich mich nicht», sagt Carol Schuler. «Dieses Laster gönn ich mir.»

Geri Born

«Alle Kinder können spielen. Die Kunst der Schauspielerin ist, sich die kindliche Neugier zu bewahren»

Carol Schuler

Carol Schuler steht im Plattenladen Jamarico beim Helvetiaplatz und wühlt begeistert durch die Regale. Besonders der Sound der 60/70er-Jahre, den ihr Vater oft hörte, hat sie geprägt. «Led Zeppelin zum Beispiel geht für mich immer, egal, welche Stimmung ich habe.» Schuler kann es kaum erwarten, bald wieder vermehrt auf der Bühne zu stehen, nachdem während der Pandemie alles ausser Dreharbeiten abgesagt worden ist. Am 5. Mai gibt die Sängerin, die eine Soul-Rock-Stimme hat, im Casinotheater Winterthur ein Konzert in der Reihe «Lieblingslieder». Sie darf einen Abend ganz nach ihrem Gusto gestalten. Ende Jahr arbeitet sie zudem einmal mehr mit Bühnenregie-Star Herbert Fritsch für das Theater Basel zusammen.

Carol Schuler, Schauspielerin, Tatort Kommissarin, SI 10/2022

Am 13. März sind Carol Schuler (SRF 1, 20.05 Uhr) und Anna Pieri Zuercher (r.) wieder im «Tatort»-Einsatz.

SRF/Sava Hlavacek

«Anders als auf Dreh habe ich auf der Bühne mehr Eigenverantwortung. Habe es mehr in der Hand, wie sich der Abend entwickelt», sagt Carol Schuler. Immerhin: Ihre zwei Leidenschaften Schauspiel und Singen kann sie oft kombinieren. So auch erstmals als Tessa Ott. Im dritten Zürcher «Tatort», «Schattenkinder» (So, 13. März, 20.05 Uhr SRF 1), wird sie, die in verschiedenen Bands singt, gesanglich mit einem eigenen Lied zu hören sein. Ein eigenes Album? «Ja, das wärs!» Oder Amy Winehouse in einer Verfilmung verkörpern? «Mit dem Drehbuchautor war ich schon in Kontakt, aber seit zwei Jahren geht hier leider nichts mehr», sagt sie. «Langsam wirds knapp. Amy starb mit 27. Ich werde nicht jünger!»

Carol Schuler Schauspielerin

Musik von Queen, Janis Joplin, Tom Waits und Led Zeppelin passen zu jeder Stimmung von Carol Schuler.

Geri Born

Die Langstrasse wird lebendiger. Im Schmelztiegel der Kulturen ists selten ruhig – passend zu Schuler. «Der Lockdown war für mich ganz gut, weil er mich zwang, etwas zu bremsen.» Die überzeugte Atheistin hat auch eine humanitäre Ader, die in ihrer Familiengeschichte verankert ist. Ihr Grossvater Walter Robert Corti gründete 1946 das Kinderdorf Pestalozzi, wo Carol als Kind oft Zeit verbrachte. «Manchmal frage ich mich, ob ich nicht etwas Sinnvolleres als lustige Filme machen sollte.» Doch dann erinnert sie eine Freundin, die Sozialarbeiterin ist, daran, wie wichtig es für viele Leute ist, auch mal abzuschalten, dem Alltag zu entfliehen, Kraft zu tanken, um am folgenden Tag weitermachen zu können. Schuler: «Jeder muss seinen Platz in der Gesellschaft finden. Ich bin Künstlerin, und wenn ich den Leuten mit meiner Arbeit Energie geben kann, hat dies seine Berechtigung.» Sie weiss insgeheim, auch ihre Energie ist nicht endlos.

Von Aurelia Robles am 13. März 2022 - 17:52 Uhr
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