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  4. Weihnachtszauber im Landhaus: Kuhns magische Festtage
Zu Besuch bei Albrik und Barbara Kuhn

Dieses Ehepaar versüsst die dunkle Jahreszeit

Bei ihnen geht einem das Herz auf. Ihr Landhaus im aargauischen Kallern haben der ehemalige Konditormeister Albrik Kuhn und seine Frau Barbara auch dieses Jahr festlich geschmückt. Hereinspaziert in ihr fantastisches Reich!

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<p>Das Ehepaar Albrik und Barbara Kuhn vor seinem Landhaus (r.) in Kallern. Aus dem beheizten Schlag in der Garage güxelt eine der 30 Pfautauben auf Barbara Kuhns Austin Mini hinunter.</p>

Das Ehepaar Albrik und Barbara Kuhn vor seinem Landhaus (r.) in Kallern. Aus dem beheizten Schlag in der Garage güxelt eine der 30 Pfautauben auf Barbara Kuhns Austin Mini hinunter.

Kurt Reichenbach

Es duftet nach frischem Lebkuchen, die Zimtsternen, Badener Chräbeli und Anisplätzchen auf den Blechen – auch sie eine Spezialität des Hausherrn – liegen für das Backen parat. Im Cheminée prasselt das Feuer um ein paar Buchenholzscheite, den Kamin ziert eine liebevoll geschmückte Girlande, an der Wand hängen alte Backformen. «Die hat schon mein Grossvater benutzt», sagt Albrik Kuhn (75). An der Kochinsel bereitet er das Znacht vor: Apfelküchlein mit Preiselbeersauce. Seine Frau Barbara (73) strahlt. «Ich werde täglich von Albrik bekocht.»

<p>Das Herzstück des Hauses, die Küche. «Albrik kocht fürs Leben gern mit seinen Kupferpfannen. Und meisterhaft gut!»</p>

Das Herzstück des Hauses, die Küche. «Albrik kocht fürs Leben gern mit seinen Kupferpfannen. Und meisterhaft gut!»

Kurt Reichenbach

Die beiden stehen in der Wohnküche ihres Landhauses. Auf dem Esstisch brennen zwei Kerzen, neben fein drapierten Stoffservietten liegen Grittibänzen, Albrik Kuhn hat sie am Vormittag gebacken. «Wir haben es gern gemütlich», sagt der Hausherr, seine Augen funkeln. «Die Küche ist unser Lieblingsort, hier verbringen wir ganze Abende.» Vor allem vor und an Weihnachten. «Auf diese Zeit freuen wir uns wie kleine Kinder. Weihnachten hat etwas Magisches.»

Schon Ende Oktober hängt Albrik Kuhn jeweils draussen im grossen Garten Lichterketten auf – ab dann funkeln nachts Hunderte Lämpchen. «Damit das Christkindli seinen Weg findet», sagt er und schmunzelt. 1983, drei Jahre nach ihrer Hochzeit, haben seine Frau und er das zweigeschossige Landhaus bauen lassen, mit Blick hinunter auf das Reusstal und die Klosterkirche Muri. Die acht Zimmer haben sie nach ihrem Geschmack eingerichtet und dekoriert – mit Möbeln und Tausenden von Einrichtungsgegenständen. Gefunden haben sie diese auf Flohmärkten und in Antiquitätenläden. An vielen Wänden hängen Fotos der zwei Töchter und der drei Enkelkinder. Überall verströmen Kerzen und Lämpchen warmes Licht. Und überall im Haus liegt Schoggi. «Albrik verputzt täglich eine Tafel.»

<p>Im Treppenhaus vom Parterre zum oberen Stock hat das Paar Kochherde und Öfen en miniature aufgereiht. «Wir sind passionierte Sammler.»</p>

Im Treppenhaus vom Parterre zum oberen Stock hat das Paar Kochherde und Öfen en miniature aufgereiht. «Wir sind passionierte Sammler.»

Kurt Reichenbach

Auf Zeitreise

Als Bub habe er Architekt werden wollen, erzählt Albrik Kuhn, während er nach dem Znacht in der Stube den Christbaum schmückt. Im Hintergrund läuft Radio Central, «Jingle Bells». Schon in seiner Kindheit sei er kreativ gewesen, das mache ihn glücklich. «In unserem Haus erzählt alles eine Geschichte, das ist kein seelenloser Plunder.»

Vieles erinnere ihn an früher. «Bei uns ist es ein bisschen wie auf einer Zeitreise.» Seine Frau nickt: «Wir lieben es, so zu wohnen! Wir haben Freude an unserem Daheim, es ist kein Museum.»

<p>Überall Licht. «Wir haben keine Ahnung, wie viel höher die Stromrechnung in den Wintermonaten ist.»</p>

Überall Licht. «Wir haben keine Ahnung, wie viel höher die Stromrechnung in den Wintermonaten ist.»

Kurt Reichenbach

Ein Grossteil der Dekorationen ist das ganze Jahr im Haus. «Doch nach Weihnachten wechseln wir die roten Tischtücher mit weissen», die Farben werden etwas neutraler. «Vor Ostern gestalte ich vieles in Hellgrün und Pink», sagt Barbara Kuhn. «Ich liebe diese Kombination!» Nicht ganz so sehr am Herzen liegt den beiden eine andere Frühjahrstätigkeit, das Abstauben.

<p>Schlafen unter dem Dach. Das 150 Jahre alte Ehebett aus Eisen und Messing war ein Hochzeitsgeschenk.</p>

Schlafen unter dem Dach. Das 150 Jahre alte Ehebett aus Eisen und Messing war ein Hochzeitsgeschenk.

Kurt Reichenbach

Das Paar geniesst das Leben in seinem Reich, umgeben von kleinen und grossen Trouvaillen – es sind ihre Schätze. «Seit unserer Pensionierung vor zehn Jahren erst richtig.» 35 Jahre lang hat das Ehepaar im nahen Wohlen die Feinbäckerei Konditorei-Confiserie Kuhn geführt, in der vierten Generation – die Konditorlehre hatte Albrik bei Sprüngli in Zürich gemacht. Hunderte von extravaganten Torten hat er damals kreiert, sie waren weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. Noch heute fertigt er eine spezielle Torte an, wenn eins der Grosskinder Geburtstag hat.

<p>In der heimeligen Stube. Alles ist ­arrangiert und fein säuberlich dekoriert. Auch die Nachbildungen der Torten, die Albrik Kuhn früher einmal kreierte.</p>

In der heimeligen Stube. Alles ist arrangiert und fein säuberlich dekoriert. Auch die Nachbildungen der Torten, die Albrik Kuhn früher einmal kreierte.

Kurt Reichenbach

Die Kuhns haben es gern gesellig. Regelmässig laden sie Gäste in ihr Haus, bewirten diese fürstlich. Begonnen hat es mit «Gschwellti»- und «Chäs»-Abenden, mittlerweile veranstalten sie während der Adventszeit Weihnachtscafés mit Albriks «gluschtigen» Guetsli und Torten sowie andere Anlässe (Info: www.mode-kuhn.ch). Dabei zeigt Barbara Kuhn auch gern ihr «Kleidergeschäft» mit Strickmode der norwegischen Marke Oleana. Doch die Weihnachtstage verbringen die beiden gern privat, getreu ihrer Familientradition. Mit den Töchtern und den Enkeln, alle mit einer Laterne in der Hand, pilgern sie zu einer einsamen Kapelle in der Gegend und singen in dieser «unser gesamtes Weihnachtsliederbuch durch, oft ein bisschen schräg». Vor dem Gotteshaus gibt es besinnliche Gespräche bei Albriks Christstollen und Rumpunsch.

<p>Der Hausherr ist stolz auf seine selbst gemachten Guetsli. Der Schriftzug prangte an seiner Konditorei-Confiserie. Nun schmückt er den Laubengang zum offenen Wintergarten.</p>

Der Hausherr ist stolz auf seine selbst gemachten Guetsli. Der Schriftzug prangte an seiner Konditorei-Confiserie. Nun schmückt er den Laubengang zum offenen Wintergarten.

Kurt Reichenbach

Den Weihnachtsabend, «unser Höhepunkt des Jahres, das Fest der Liebe», feiert die Familie Kuhn dann im Landhaus: mit einem feinen Fondue bourguignonne. Dann liest Grosspapi Albrik den Enkeln beim Cheminéefeuer die Weihnachtsgeschichte vor, später werden rund um den prall dekorierten Christbaum Geschenkli ausgepackt. Wer weiss, vielleicht hat das Christkind den Weg ins Märchenschloss der Kuhns gefunden.

Thomas Kutschera
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Von Thomas Kutschera am 22. Dezember 2025 - 06:00 Uhr