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Von der Schönheitskönigin zur LGBTQI-Ikone

Dominique schreibt das Missen-Märchen neu

Sie war einst die Prinzessin mit einem Hauch Modernität. Heute steht Dominique Rinderknecht für einen neuen Zeitgeist: Sie liebt, wen sie will – nach Tamy Glauser hat nun ein Mann ihr Herz erobert. Dass sie damit in Ungnade fällt, ist ungerecht.

Miss Schweiz 2013, Dominique Rinderknecht, fotografiert 2017.

Von der Schönheitskönigin zur Kämpferin für gleiche Rechte: Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht.

Ellin Anderegg

Es war einmal ein Königreich, das wählte – schon länger ists her – jedes Jahr eine Prinzessin. Schön musste sie sein. Und in der einen oder anderen Art und Weise das Land repräsentieren. Sie durfte ruhig ein bisschen modern sein. Aber nicht zu sehr. So wie das Königreich selbst halt.

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2013 wird Dominique Rinderknecht, heute 31, die Krone aufgesetzt. Sie bietet genau das richtige Mass an Modernität für die Schweiz. Urban, stylish, ein bisschen frech. Aber auch nett, bodenständig, mit einem langjährigen Partner an der Seite. Ihr Miss-Schweiz-Jahr meistert sie skandalfrei, bleibt auch nach ihrem Amtsjahr beliebt und erfolgreich. Ende gut, alles gut.

Dominique Rinderknecht Miss Schweiz 2013

2013 wird die Zürcherin Miss Schweiz. Sie gilt als hip und urban, steht für eine moderne Schweiz. 

Thomas Buchwalder

Als die Ex-Miss sich im September 2016 nach über sechs gemeinsamen Jahren von Goek Gürsoy, 39, trennt – man habe sich auseinandergelebt –, ist die Schweiz zwar erstaunt. Schade. Aber kann passieren. Zwei Monate später platzt die Bombe. Sie ist «es bitzeli verliebt», gibt Dominique zu Proto- koll. In eine Frau. Nicht in irgendeine, sondern in Tamy Glauser, 36, die sich bereits einen Namen als internationales Topmodel gemacht hat, für Frauen- und Männerkleider.

Die frisch gewählte Miss Schweiz 2013, Dominique Rinderknecht mit ihrem Freund Goek Gürsoy beim Frühstück im Renaissance Zürich Tower Hotel.

Sechs Jahre lang ist der Gastronom Goek Gürsoy der Mann an ihrer Seite. 2016 trennt sich das Traumpaar.

Thomas Buchwalder

«Was ist denn hier passiert?», fragt sich das Land. Ist die ehemalige Miss Schweiz plötzlich lesbisch? Bisexuell, sagt Dominique und fügt nonchalant hinzu, sie sei schon immer auf Männer und Frauen gestanden – «mich hat halt noch nie jemand danach gefragt».

Aushängeschilder der LGBTQI+-Szene

Fortan gehen die beiden als Tamynique durchs Leben. Bald schon gelten sie als das bekannteste Frauenpaar der Schweiz, werden zu wichtigen Gesichtern für die heimische LGBTQI+-Szene. Und viele, die vorher knapp etwas mit Begriffen wie lesbisch (L), schwul (G für das englische Gay) oder bisexuell (B) anfangen konnten, sind plötzlich mit Worten konfrontiert wie transsexuell (T) – man nimmt sich anders wahr als sein biologisches Geschlecht, queer (Q) – alles, was geschlechtertechnisch von der Norm abweicht, oder intersexuell (I) – wer biologisch kein eindeutiges Geschlecht hat. Und es gibt noch sehr viel mehr in diesem Spektrum, dafür steht das Plus.

Tamy Glauser, Dominique Rinderknecht

Vier Jahre lang sind Dominique und das Model Tamy Glauser das be-kannteste Frauenpaar der Schweiz.

Getty Images for ZFF

Zu dieser Zeit macht Dominique Rinderknecht die Erfahrung, dass das Land, das sie einst zur Prinzessin machte, keine allzu grossen Abweichungen von dem goutiert, was als normal gilt. Sie verliert diverse Modeljobs, weil sie öffentlich eine Frau liebt.

Dominique ist pansexuell - sie liebt Menschen, nicht Geschlechter

Im November 2020 trennen sich Tamynique nach vier Jahren. Natürlich haben es alle schon immer gewusst. Von heute auf morgen bisexuell – das geht doch nicht. Pansexuell sei sie, erklärt Dominique. Sie fühlt sich zu Menschen hingezogen, egal, welchem Geschlecht sie angehören. Um nach der Trennung etwas Abstand zu gewinnen, reist sie nach Südafrika. Vergangene Woche kehrt sie zurück – und lässt mal wieder eine Bombe platzen. Der südafrikanische Musiker Drew Gage hat sie so begeistert, dass sie sich nach kürzester Zeit verlobt hat, mit einem Mann.

Dominique Rinderknecht und ihr Verlobte

Domidrew? «Du hast dich von Anfang an richtig angefühlt», schreibt Dominique auf einem Post auf Instagram. 

Instagram/Dominique Rinderknecht

Die Kommentare in den sozialen Medien lassen nicht lange auf sich warten: «Da ist man zwischendurch mal etwas lesbisch und dann, zack, mit einem Mann verlobt.» – «Modelesbisch und mediengeil!» Tatsächlich zeigt aber gerade ihre «Rückkehr» zum männlichen Geschlecht das, wofür Dominique Rinderknecht sich einsetzt: Liebe ist Liebe ist Liebe. Und Gefühle kennen keine Grenzen.

Vielleicht brauchen wir echten Fortschritt

Zweimal pro Woche passieren in der Schweiz laut Schätzungen homophobe Hassdelikte. Die Quote der Suizidversuche ist bei queeren jungen Menschen über fünfmal so hoch wie bei heterosexuellen. Diese Zahlen sind eines echten Königreichs unwürdig.

Vielleicht brauchen wir ein bisschen mehr als einen Hauch Modernität. Vielleicht brauchen wir echten Fortschritt. Und eine Prinzessin, die das Ende des Märchens neu schreibt: «Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute. Wen, ist total egal.»

Dominique Rinderknecht

Schwerst verliebt! Drew Gage heisst der Mann, der in Südafrika Dominiques Herz im Sturm erobert hat. 

Instagram/dominique_rinderknecht
Von Sandra Casalini am 05.06.2021
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