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Für die neue SRF-Show «Stadt, Land, Talent» war Stefanie Heinzmann in der ganzen Schweiz als Scouterin unterwegs. Im Interview verrät die Sängerin, wo sie sich zuhause fühlt und erklärt, wie die Beziehung zu ihrem Freund abseits der Öffentlichkeit funktioniert. Sina Albisetti
Stefanie Heinzmann

«Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen»

Sängerin Stefanie Heinzmann geht für die SRF-Show «Stadt, Land, Talent» auf die Suche. Ein Abenteuer, das sie durch die ganze Schweiz führt. Die Walliserin erzählt, wo sie sich zu Hause fühlt, warum sie so offen über ihre Therapien spricht und wie die Beziehung zu ihrem Freund funktioniert.

Den apricotfarbenen Pulli hat Stefanie Heinzmann, 32, am Vortag des eher spontanen Fotoshootings im «Kameha Grand» von ihrem 14-jährigen Gottemeitli bekommen. «Zum Glück, ich hatte nicht viel anderes bei mir», sagt sie lachend. Während der Aufnahmen zur SRF-Castingshow «Stadt, Land, Talent» wohnt die Jury, bestehend aus Stefanie Heinzmann, Jonny Fischer, 41, und Luca Hänni, 26, im Zürcher Hotel. Die drei fuhren als Talentscouts durchs ganze Land und treten mit je neun Talenten in den Liveshows an. Ein neues Format für Stefanie, wenn auch in einer gewohnten Rolle, schliesslich war sie schon Jurymitglied bei «The Voice of Switzerland».

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Stefanie Heinzmann, bei vielen Musikern sind Castingshows verpönt. Weshalb für Sie nicht?

Heikel sind Shows, wo man sich über Menschen lustig macht – und da möchte ich nicht mitmachen. Aber man kann nicht alle Formate in einen Topf werfen. Ich wurde ja selbst in einer Castingshow entdeckt und bin dankbar für die Erfahrung und die Chance, die ich durch solch eine Sendung bekommen habe. Man muss sich bewusst sein, dass diese Shows Unterhaltung sind. Dauerhaft kommt man nur mit Fleiss, Disziplin und Zielstrebigkeit weiter.

Sie waren sehr jung, als Sie in Stefan Raabs «TV total» entdeckt wurden. Wie sehen Sie das rückblickend?

Wenn ich zurückschaue, sehe ich ein 18-jähriges, völlig überfordertes Mädchen. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen. Das war hart, aber ich glaube daran, dass die Dinge so sind, wie sie sein sollen. 15 Jahre später sind Sie eine der wenigen Künstlerinnen aus einem solchen Format, die noch erfolgreich sind und es geschafft haben, den Castingshow-Stempel loszuwerden.

Was haben Sie anders gemacht als andere?

Das hängt stark mit der Person von Stefan Raab zusammen, der in der Musikszene sehr ernst genommen wird. Hinter dem Erfolg steckt zum einen ein grossartiges Team, zum anderen sehr, sehr harte Arbeit. Man hört oft von jungen Künstlern, die verbraten werden, weil alles so schnelllebig ist. Ich habe schon immer versucht, langfristig zu denken. Aber auch das war ein Lernprozess.

«Über die Frisuren von männlichen ­Kollegen hat man sich nie so aus­führlich ausgelassen wie über meine.»

Sie fuhren für «Stadt, Land, Talent» einen Monat lang durch die Schweiz. Welche Ecken unseres Landes haben Sie entdeckt?

Das Muotatal zum Beispiel. Oder Einsiedeln. Wunderschön. Und dann kleine Ortschaften auf dem Land, in die man sonst nie reisen würde. Wenn man so «rumgurkt», wird einem bewusst, dass die Schweiz wahnsinnig schön ist, egal, wo man hinkommt, und egal, wie das Wetter ist.

Sie verbringen viel Zeit im Ausland. Was haben Sie für ein Verhältnis zur Schweiz?

Die Schweiz ist mein Zuhause. Es ist ein unheimliches Privileg, hier zu wohnen.

Wie definieren Sie Heimat?

Früher verband ich den Begriff stark mit dem Wallis. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass Heimat in erster Linie die Menschen sind. Mein Freund, meine Familie, meine Freunde. Ich bin da zu Hause, wo «meine» Menschen sind.

Coronabedingt waren Sie im letzten Jahr mehr daheim als sonst. Wie haben Sie das erlebt?

Es war ein Auf und Ab. Den ersten Lockdown fand ich bis zu einem gewissen Grad spannend. Ich dachte, jetzt sitze ich drei, vier Wochen rum, und danach gehe ich wieder auf Tour. Als dann die ganzen Festivals abgesagt wurden, merkte ich, dass es in meiner Branche ans Eingemachte geht. Ich konnte ja viel machen, war im Studio, schrieb Songs. Aber meine Band und meine Crew waren arbeitslos, das hat mich total runtergezogen. Mich hat recht frustriert, wie mit der Kultur umgegangen wurde. Es wurde weiter konsumiert, aber Hilfe gabs keine. Das fand ich hart.

Eine Schattenseite dieses Geschäfts. Es gibt noch mehr: Druck, Öffentlichkeit, Be- und Verurteiltwerden. Wie begegnen Sie dem?

Mit vielen Therapien! Ich habe im Leben schon so viele gemacht (lacht). Im Ernst: Was von aussen kommt, kann ich nicht beeinflussen, deshalb kommts darauf an, wie ich damit umgehe. Früher habe ich vermehrt Psychotherapien gemacht, heute sind es eher Akupunktur, Energiearbeit, Meditieren. Ich weiss, wer ich bin, wo ich stehe und was ich will. Und ich habe akzeptiert, dass mich nicht alle gern haben und gut finden können. Das ist völlig okay so. Dies ist eine wichtige Erkenntnis.

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Noch muss die Familienplanung hintanstehen. Aber irgendwann hätte Stefanie gern Kinder.

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Waren Sie je mit Sexismus konfrontiert?

Selten. Das liegt vielleicht daran, dass ich die Chefin bin bei meiner Männercrew (lacht). Wir haben aber flache Hierarchien, alles ist sehr familiär und respektvoll. Aber klar, in einer Jury oder bei Interviews bin ich oft die einzige Frau – was nahelegt, dass ich dann wohl auch ein bisschen Quotenfrau bin. Über die Frisuren von männlichen Kollegen hat man sich nie so ausführlich ausgelassen wie über meine, und nach ihrer Familienplanung werden sie auch nie gefragt.

Sie reden sehr offen über gewisse Dinge, etwa dass Sie Mobbing erlebt haben oder eben auch über Ihre Therapien. Warum tun Sie das?

Weil reden hilft. Wir sprechen so viele Themen nicht an, weil wir uns schämen für uns selbst und unsere Schwächen. Ich bin eine Verfechterin davon, dass es diese gar nicht gibt. Jede Schwäche ist irgendwann irgendwie eine Stärke. Wenn ich mir den Arm breche, gehe ich zum Arzt, wenn es mir psychisch nicht gut geht, tue ich das auch. Die Leute denken oft, sich verletzlich zu machen, wenn sie offen über solche Dinge sprechen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Womit will man mich noch verletzen? Ich habe ja alles gesagt.

Bekamen Sie auch negative Reaktionen auf diese Offenheit?

Nur eine. Meine Eltern erhielten einen Brief, in dem stand, sie seien Rabeneltern, weil ich mich mit 17 selbst in die Psychiatrie eingewiesen habe. Ohne Absender. Das ist feige und macht mich total wütend. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, das haben sie nicht verdient.

«Ich hatte auch Beziehungen innerhalb der Branche, da dreht sich dann alles nur um den Job. Das ist mir zu viel.»

Ihren Freund halten Sie auf der anderen Seite strikt aus der Öffentlichkeit heraus. Warum?

Das ist nicht mein Entscheid. Mein Partner arbeitet nicht im Showbusiness, und er möchte nicht in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten. Ich finde das ein Kompliment, denn er sagt mir damit, dass ich ihm als Person genüge und er nicht meinen Job oder meinen Bekanntheitsgrad sucht.

Wie funktioniert eine Beziehung, wenn die eine im Showbusiness ist, der andere nicht?

Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen. Früher war ich oft monatelang unterwegs, jetzt schaue ich, dass ich mindestens einmal pro Woche zu Hause bin. Dann bleibt mein Beruf vor der Tür. Ich hatte auch Beziehungen innerhalb der Branche, da dreht sich dann alles nur um den Job. Das ist mir zu viel. Ich habe gern ein Privatleben, deshalb passts für mich besser so.

Sie sind jetzt 32, an was für einem Punkt im Leben sehen Sie sich?

Ich bin in einer Phase, in der ich unbedingt arbeiten will. Dies so klar zu wissen, fühlt sich gut an. Ich habe einen Kinderwunsch, aber momentan hat dieser noch keinen Platz. Somit wäre die Frage nach der Familienplanung vorerst beantwortet (lacht).

 

«Stadt, Land, Talent» Sa, 18. 9., 25. 9., 2. 10., Livefinal So, 10. 10., jeweils 20.10 Uhr, SRF 1 

Von Sandra Casalini am 11.09.2021
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