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77 Bombay Street feiern ihr Comeback

Nochmal ab ins kalte Wasser!

Fünf Jahre lang war es still um 77 Bombay Street. Jeder der Buchli-Brüder ging seinen eigenen Weg. Jetzt will es das Quartett wieder wissen. Und startet dort, wo vor zehn Jahren seine Karriere begann: zu Hause.

77 Bombay Street

Keine Angst vor kalten Füssen: Simri, Matt, Joe und Esra (v. l.) in einem der Dorfbrunnen von Scharans.

Geri Born

Die Jagdtrophäen, die früher an der Wand im Wohnzimmer des Elternhauses der Buchli-Brüder in Scharans GR hingen, mussten etwas anderem Platz machen: zwei Platin-Auszeichnungen sowie einer in Gold. So hängen die Geweihe heute am Tor der mit allerhand Krimskrams vollgestopften Scheune.

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82 Wochen in den Charts

Zehn Jahre ist es her, seit 77 Bombay Street von dem gut 800-Seelen-Dorf aus die Schweiz eroberten. 82 Wochen lang hielt sich das Überflieger-Album «Up in the Sky» in der Hitparade. Auch die Nachfolger «Oko Town» und «Seven Mountains» schafften es an die Spitze der Charts. Das Quartett räumte zwei Swiss Music Awards und einen Prix Walo ab, tourte durch ganz Europa. Dann wurde es still um Matt, Joe, Esra und Simri Buchli.

77 Bombay Street

Auslüften: Mutter Margrit Buchli hat die typischen Band-Uniformen geschneidert.

Geri Born

«Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr gestimmt hat», erzählt Matt, 39. Mit dem Erfolg steigt der Druck. Und je länger, je mehr auch das Bedürfnis nach etwas Eigenem, etwas ausserhalb der Familie. «Unsere individuellen Bedürfnisse hatten bis anhin keine grosse Rolle gespielt. Aber ich merkte plötzlich, dass ich mal wissen wollte, ob ich auch noch etwas anderes kann als Musik machen», so Simri, 31.

Strassenmusik in Australien

Musik machen die Buchli-Geschwister – ausser den vier Bandmitgliedern gibt es noch Schwester Astrid, 39, und die Zwillinge Seth und Sem, 33, – seit sie denken können. Zwei Jahre lang lebten sie in Australien als Swiss Family Singers von der Strassenmusik. Eine eigene Band war da nur die logische Konsequenz.

77 Bombay Street

Die Eltern freuen sich, dass ihre Söhne jede Woche im Proberaum im Elternhaus vorbeischauen. Zwischendurch gibts Zvieri.

Geri Born

Als Mutter Margrit, 69, vor gut fünf Jahren eine Krebsdiagnose erhält, die sich zwar im Nachhinein als falsch herausstellt, fragen sich die jungen Männer: Was ist eigentlich wichtig? Und lohnt es sich, wenn sich jeder mal auf sich selbst konzentriert? So geht jeder seinen eigenen Weg. Matt schliesst sein Studium als Lebensmittelingenieur ab, Joe, 37, und Simri führen einen Klub und ein Hostel, Esra, 35, organisiert die Schlagerparade Chur. Alle ausser Esra sind heute Familienväter. «Vielleicht sind wir ja wirklich erwachsen geworden in den letzten fünf Jahren», meint Matt lachend.

Mami Margrit schneidert die Uniformen

Der älteste der Buchli-Brüder ist es, der auf die anderen zugeht und fragt: «Vermisst ihr es auch? Songs schreiben? Die Bühne?» So kommt es, dass heute wieder zwei-, dreimal pro Woche im Elternhaus in Scharans – das in der Zwischenzeit übrigens abgerissen und neu gebaut wurde – geprobt wird. Sehr zur Freude von Mami Margrit, die ihre «Buben» dann jeweils wieder «richtig bekochen und verwöhnen kann».

Margrit Buchli hat auch ihren «alten» Job bei 77 Bombay Street wieder zurück: Sie schneidert die legendären Uniformen ihrer Söhne. Fürs Comeback haben sich die vier allerdings für Westen statt Jacken entschieden. «Darin schwitzt man auf der Bühne nicht ganz so fest», meint Simri. Natürlich sind Margrit und Meinrad Buchli, 76, die grössten Fans der Band. «Sie tauchen auch einfach mal unangekündigt an einem Konzert auf. Plötzlich stehen sie in unserer Garderobe», erzählt Esra lachend. Auch die Kinder der vier Musiker mögen den Sound ihrer Papas – sogar Matts 14-jähriger Sohn. «Er findets cool, auch wenn er sonst andere Musik hört. Aber wahnsinnig speziell ist es für ihn nicht, er ist damit aufgewachsen, dass sein Vater auf der Bühne steht.»

77 Bombay Street

Die Buchli-Brüder in ihrem Elternhaus in Scharans. Das ursrprüngliche Haus wurde abgerissen und durch ein neues ersetzt.

Geri Born

Am 15. Oktober erscheint das Comeback-Album «Start Over». Ob 77 Bombay Street jetzt anders klingen als vorher? «Ich denke, wir sind ruhiger und gefühlvoller, aber immer noch wir», sagt Matt. Das Bedürfnis, an den immensen Erfolg von damals anzuknüpfen, sei nicht unbedingt vorhanden. Joe: «Wir haben andere Prioritäten, möchten mit eigenen Familien nicht mehr wochenlang im Ausland touren.» Man wolle einfach mal schauen, was kommt, wo der Weg hinführt und vor allem geniessen – etwas, was in der Anfangsphase zu kurz gekommen sei. «Und», flachst Esra, «wenn wir wählen können, treten wir heute lieber um 19 statt um 22 Uhr auf.» Grosses Gelächter. 77 Bombay Street sind erwachsen geworden – zumindest fast.

Von Sandra Casalini am 10.10.2021
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