Die The-Cranberries-Kollegen sprechen Klartext So dramatisch war Dolores O'Riordans Leben wirklich

Der Tod von The-Cranberries-Frontfrau Dolores O'Riordan schockte im Januar die Musikwelt. Nun haben ihre ehemaligen Bandkollegen über die letzten Tage der Sängerin gesprochen - und offenbart, wie schlecht es ihr wirklich ging.
The Cranberries Dolores O'Riordan 2017
© Keystone

Dolores O’Riordan starb am 15. Januar mit nur 46 Jahren.

Am 15. Januar 2018 stand die Welt für alle The-Cranberries-Fans still: Frontfrau Dolores O'Riordan starb im Alter von nur 46 Jahren in einem Hotel in London, wo sie einen Interviewtermin hatte wahrnehmen wollen. Die Todesursache war lange unbekannt, ein Mysterium. Eine Untersuchung zeigte schliesslich, dass die Irin mit hohem Alkoholpegel im Blut in der Badewanne ertrunken war.

«Schwer zu glauben»

Noch am 14. Januar habe die Sängerin ihren Bandkollegen eine Mail mit neuen Songs geschickt. Zu derselben Zeit habe sie einem Freund eine Mitteilung gemacht, dass die neuen Aufnahmen «verdammt gut» tönen würden. Das erzählen die Bandkollegen Fergal Lawler, 47, Noel, 46, und Mike Hogan, 45, im Interview mit «The Guardian», das in dem Hotel stattfand, in welchem O'Riordan ihren Tod fand: das Park Lane Hilton. «Es ist schwer zu glauben, dass ich sie in einem solch banalen Raum zum letzten Mal gesehen habe», sagt Noel Hogan. 

Grandioser Aufstieg, schneller Fall

Die Band lernte sich in den 80er-Jahren beim Breakdancen kennen. Dolores O'Riordan war zu diesem Zeitpunkt 19 und «unglaublich schüchtern und ruhig», erzählen die Bandkollegen. «Doch wenn sie sang», sagt Noel Hogan, «habe ich mich gewundert, wie und weshalb es möglich ist, dass sie noch in keiner Band war.»

Der Erfolg kam schnell: Mit «Linger» und «Zombie» startete die Band durch, wurde international bekannt, lebte das Leben von wahren Rockstars. Doch dann begann O'Riordan, gegen Depressionen und Magersucht anzukämpfen. 1999 war sie die fünftreichste Frau der britischen Inseln - doch die Berühmtheit nagte an ihren Nerven. 

Video: Der Überhit «Zombie» machte die Band weltberühmt

Die Probleme wurde sie nie wieder ganz los: 2015 wurde eine bipolare Störung diagnostiziert. Die Band wusste davon kaum etwas: «Sie hat nur in den letzten paar Jahren darüber gesprochen, psychische Probleme zu haben. Denn sie kannte sich selbst nicht», sagt Fergal Lawler. Er führt aus: «Sie ging zu einigen verschiedenen Therapeuten und realisierte, was ihr zu schaffen machte, und begann, dagegen vorzugehen.»

Letztes Album der Cranberries

Der Tod ihrer Frontfrau motivierte The Cranberries, ihr fast beendetes Album, die 25-Jahr-Jubiläumsedition von «Everybody Else Is Doing It, So Why Can't We?», fertigzustellen. Ablenkung tat gut. Und die Arbeit, so erzählen die Bandmitglieder, sei gar nicht anders gewesen: Denn die drei hätten immer tagsüber ihre Aufnahmen gemacht, während Dolores O'Riordan nachts ganz alleine im Studio gewesen sei.  

Um sich von ihren Problemen abzulenken, habe sich O'Riordan vor ihrem Tod in die Arbeit gestürzt, erzählt Noel Hogan. «Es passierte unglaublich viel in ihrem Leben, und sie hatte einen richtigen Lauf beim Schreiben.» Für die Worte sei immer O'Riordan zuständig gewesen. Das neue Album sei vom Text her enorm stark - auch, weil es der Sägerin schlecht ging: «Sie hat immer gesagt, dass sie es schwierig finde, Songs zu schreiben, wenn sie glücklich war. Sie meinte: ‹Macht mein Leben zu einer Misere und das Schreiben ist einfacher›.»

The Cranberries
© Instagram/thecranberries

Ohne O'Riordan im Studio: Fergal Lawler, Mike und Noel Hogan (von links).

Das Album werde das letzte der Cranberries sein, erzählt Noel Hogan: «Es gibt keinen Grund, weiterzumachen.» Bei den Fotoshootings zu ihrer neuen Platte sei es schwierig, eine gute Pose zu finden: «Mit Dolores war es so einfach, Bilder zu machen. Man wusste immer, was zu tun war: Wir mussten einfach alle hinter sie stehen.» 

Galerie: Von diesen Stars mussten wir 2018 Abschied nehmen

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