Sommerresidenzen der Stars - Teil 1 Hier kann Birgit Steinegger die Post im Pyjama holen

Das Beste liegt so nah: Die Berner Schauspielerin und Komikerin Birgit Steinegger verbringt den Sommer am liebsten in ihrem Haus am Murtensee. Ein besonderes Erbe.

Kanton Freiburg oder doch Småland in Schweden? Im Ferienbijou von Schauspielerin Birgit Steinegger, 69, wähnt man sich schnell an einem Mittsommertag am See: Im Garten tragen die Obstbäume erste Früchte, im Flur des Landhauses liegen weiss-blaue Clogs, ein rotes Dala-Holzpferd schmückt den Gang, schwedische Fähnchen zieren den Kaminsims im Salon.

Doch wer will bei diesem Traumwetter schon im Haus sein? Auf der Veranda lädt die Hausherrin zu «Kaffe och kaka», Schwedisch für Kaffee und Kuchen, ein und hat alles weiss-blau gedeckt. Sie blickt über den Garten und das Schilf am Ufer zum See. «Diese Ruhe hier ist himmlisch.»

«Es war sicher günstig»

Vor zehn Jahren hat die Berner Schauspielerin das Haus am Fusse des Mont Vully von ihren inzwischen verstorbenen Eltern übernommen. Ihre schwedische Mutter Nanny war Musikerin, Vater Hans Félix Steinegger Ökonom und ein bekannter Burgdorfer Fabrikant.

Als er das Haus aus den 50er-Jahren erwarb, gab es am Murtensee noch wenig Tourismus. «Es war sicher günstig», vermutet Birgit Steinegger über ihr geliebtes Erbstück, dessen Highlights der Bootssteg und der weitläufige Garten mit den über 100-jährigen Bäumen sind. Oft werfen Makler Offerten in den Briefkasten. Würde sie verkaufen? «Nie!», kommts wie aus der Pistole geschossen, obwohl sie eigentlich in Bern in einer gemütlichen Wohnung ihren festen Wohnsitz hat.

Birgit Steinegger Zuhause Sommerresidenz
© Lucian Hunziker
Einladend: Auf der Veranda erinnert ein Skansen-Plakat an Kindheitsferien: «Einmal im Jahr gings nach Schweden.»

Steinegger liebt das Haus am Murtensee viel zu sehr, in dem sie schon als Kind die Sommer verbrachte. Sie wird es später ihrer Tochter Mischa, 40, und ihren zwei Enkelkindern vererben. «Wäre schön, sie kämen häufiger.» Öfters hingegen ist Steineggers Freund Ernest Voyame, 71, zu Besuch. «Er kommt morgen», verrät sie über ihre neue Liebe.

«Schön, hier Leute einzuladen»

Es ist das Unaufgeregte, das Laisser-faire, das die Schauspielerin hier so liebt. «Man trinkt ein Gläschen Vully, unterhält sich. Hier kann ich auch im Pyjama die Post holen, und niemand stört sich daran.» Das Haus ist gross, hat etliche Zimmer. «Schön, hier Leute einzuladen», sagt Steinegger und setzt in ihrer offenen Landhausküche Tee auf.

Vom Herd aus kann sie direkt mit ihren Gästen am grossen Esstisch samt Eckbank reden. Ihr Lieblingsplatz im Haus, da findet das Leben statt. Die ehemals dunklen Holzmöbel, Decken und Böden hat Steinegger ganz im skandinavischen Stil hell gestrichen. So wirken die Räume luftig und freundlich.

Ich vermisse meine Eltern

Nur von den alten beigen Sesseln ihrer Eltern konnte sie sich nicht trennen. «Kein topaktuelles Design, aber sehr bequem», so ihr Urteil. Auf dem Kaminsims stehen Erinnerungsfotos, überall im und ums Haus finden sich Skulpturen, die Steineggers Mutter modellierte.

Dankesschreiben von Bundesrat Merz

«Ich vermisse meine Eltern», gesteht sie und rückt versonnen die geerbte Uhr ihres Vaters an ihrem Handgelenk zurecht. An der anderen Seite ziert ein Goldarmband der Mutter ihren Arm. «So sind sie etwas bei mir.» Auch eigene Erinnerungsstücke brachte Steinegger ins Haus: Ihre Preise, Kinderzeichnungen und ein überschwängliches Dankesschreiben von Bundesrat Merz hängen an den Wänden.

Obwohl ich hier lebe, mag ich keinen Fisch

Weiter gehts zum Steg mit der gemütlichen Bank zum Sonnen. «Die Taucherli haben gerade drei Junge und die Schwäne vier», freut sie sich. Ein idealer Ort zum Lesen. Zurzeit studiert sie ein SRF-Hörspiel-Skript, das sie anlässlich ihres baldigen 70. Geburtstags aufnimmt. Sanft schaukelt ein Bötchen im Wasser. «Mit dem fahre ich manchmal zum Einkaufen», erzählt sie. Nur eins würde die Tierfreundin auf dem See nie tun: angeln! «Obwohl ich hier lebe, mag ich keinen Fisch.»

Birgit Steinegger Zuhause Sommerresidenz
© Lucian Hunziker
Lauschig: Auf der Bank am Ende ihres Bootsstegs geniesst sie die Ruhe und kann bis zur anderen Seeseite nach Murten schauen.

«Meine erste Theaterbühne»

Sie erinnert sich, wie ihr Vater einst einen riesigen Wels fing. Sie hatte Mitleid und fütterte ihn in der Badewanne mit Brot. Schliesslich landete der Prachtbursche aber doch in einer Restaurantküche im Ort. «Furchtbar! Aber hier ist Fisch eben eine Delikatesse.»

Eine andere Erinnerung zaubert Steinegger ein breites Lächeln ins Gesicht. In ihrer Kindheit gabs auf der Veranda Hauskonzerte. Doch Violine- und Klavierspiel langweilte die kleine Birgit schnell. «Ich schlich mich dann auf den Estrich und verkleidete mich.» Danach unterhielt sie die Gäste mit Szenen. «Meine erste Theaterbühne», schmunzelt sie heute.

Sehen Sie in der Galerie: Steineggers Top 3 am Murtensee

 
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