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Zum Tod von Bruno Ganz

Das Leben des grossen Schauspielers

Er spielte Faust, Heidis Grossvater und Adolf Hitler, er gewann unzählige Preise und war «krankhaft schüchtern». Nun hat die Schweiz diesen grossartigen Schauspieler verloren. Bruno Ganz ist im Alter von 77 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. 

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Bruno Ganz' Palmarès kann sich sehen lassen.  Keystone

Grosse Trauer um Bruno Ganz. Der Schweizer Schauspieler ist am 15. Februar 2019 in seinem Wohnsitz in Zürich gestorben. Ganz starb an Darmkrebs. 

Der Tod kommt nicht überraschend. Mitte Juli 2018 sagte Bruno Ganz sein Engagement an den Salzburger Festspielen ab - aus gesundheitlichen Gründen. Ihm sei nach einer Untersuchung geraten worden, sich sofort in ärztliche Behandlung zu begeben. Er folgte dem Rat, zumal er auch bei den Proben gemerkt habe, dass er seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen kann», wie Ganz' Agentin Patricia Baumbauer sagte. Der Schweizer habe deshalb seine Rolle als Sprecher in «Die Zauberflöte» seinem Kollegen Klaus Maria Brandauer übergeben. Zwei Wochen später wurde bekannt, woran der Schweizer Schauspieler erkrankt war: Krebs. Ärzte hatten ein Karzinom in seinem Darm entdeckt und sofort mit der Chemotherapie begonnen. 

«Zurückgeblieben» und «krankhaft schüchtern»

Am 22. März 1941 als Sohn eines Fabrikarbeiters und einer Italienerin geboren wächst Bruno Ganz in Zürich-Seebach in bescheidenen Verhältnissen auf. Er gilt als «krankhaft schüchtern», wie er selbst über sich sagt. Ein Lehrer bezeichnet ihn als «zurückgeblieben». Dennoch weiss er schon früh, dass er Schauspieler werden möchte, einen kurzen Auftritt im Konformationsunterricht empfindet er als «berauschend». Kurz vor der Matura verlässt Ganz die Schule und taucht mit 19 Jahren in die Schauspielwelt ein - im Film «Der Herr mit der schwarzen Melone» spielt er einen Kammerdiener. Zwei Jahre später folgt sein erstes Bühnenengagement in Göttingen. Während andere Schauspieler entweder auf der Bühne oder vor der Kamera daheim und erfolgreich sind, kann Ganz im Film und im Theater glänzen. Gekrönt wird seine damalige Karriere zehn Jahre später, als er 1973 für seine Rolle des Arztes in Thomas Bernhards «Der Ignorant und der Wahnsinnige» als Schauspieler des Jahres ausgezeichnet.

Weitere Preise folgen - darunter der Deutsche, Europäische und Schweizer Filmpreis. Er erhält das Bundesverdienstkreuz, wird zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt und bekommt das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst verliehen. Den Swiss Award darf er zweimal entgegen nehmen - in der Sparte Kultur und für sein Lebenswerk. Hinzukommen die Goldene Kamera für sein Lebenswerk, der Prix Walo und der Bambi für seine Rolle des Adolf Hitler in «Der Untergang». 1996 wird Ganz zudem im Wiener Burgtheater der hoch angesehene Iffland-Ring verliehen - ein nach dem im 18. Jahrhundert lebenden Schauspieler August Wilhelm Iffland benannter Ring, der jeweils testamentarisch vom letzten Träger an einen seiner Meinung nach bedeutenden Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit überreicht wird. Über die Auszeichnung sagt Ganz einst: «Dieser Ring hat mich stabilisiert. Ich bin seither nie mehr in solche Selbstzweifel und andere Löcher versunken wie früher.»

Hitler, Faust und Alphöhi

Ganz kann viele Höhepunkte in seiner Karriere feiern. Einer davon ist die Rolle von Goethes «Faust» in der Inszenierung des Regisseurs Peter Stein, der das Meisterwerk 2000 in voller Länge auf die Bühne bringt. Bei der Welturaufführung des 21-stündigen Stücks fehlt Ganz zwar wegen einer Verletzung, die er sich während der Proben zugezogen hatte, doch kann er wenig später zum Ensemble dazustossen. 

(Bruno Ganz zu sehen ab 4:18min)

Für Aufsehen und Bewunderung sorgt Bruno Ganz' Darstellung von Adolf Hitler in «Der Untergang». «Kleine Zeitung» schreibt über die Rolle: «Den Nazi-Diktator gab er so verstörend, so unheimlich und doch so lebensecht und nachvollziehbar, dass seitdem Hitler-Darsteller unwillkürlich an Ganz' Spiel gemessen werden.» Ganz selbst habe es umgehauen «wie sehr ich Hitler ähnlich sah». «Wenn ich ein Deutscher wäre, könnte es gut sein, dass ich das nicht spielen würde.»

Weitere Rollen, die Bruno Ganz spielte: 

  • Ganz als Graf in «Marquise von O...» (1976)
  • Ganz als Kellner in «Pane e Tulipani» (2000)
  • Ganz als Alpöhi in «Heidi» (2015)
  • Ganz als Bundespräsident «Kater» in «Der grosse Kater» (2010)

Dem Tod nahe

Aus Bruno Ganz' Privatleben sickert nicht viel an die Öffentlichkeit. Interviews mit Boulevardmedien meidet er vorwiegend. Einmal aber spricht er in der «Bild am Sonntag» über seine Alkoholsucht. Er sei bei den Anonymen Alkoholikern gewesen. Dem Alkohol schwört er nur dank eines Schlüsselmoments ab: «Ich bin volltrunken gegen einen Laternenpfahl gelaufen und habe mir dabei so den Kopf angeschlagen, dass eine Arterie verletzt wurde. Ich wäre verblutet, wenn ich nicht gefunden worden wäre.» 

Bruno Ganz hat einmal geheiratet - aus dieser Ehe, die 1965 geschlossen wurde, entsteht Sohn Daniel, der im Alter von sechs Jahren vollständig erblindetDie Beziehung zu Ehefrau Sabine geht zwar in die Brüche, scheiden lassen sie sich aber nicht.

Romy Schneider machte am Telefon Schluss

In den 70er-Jahren, das gibt er allerdings erst viel später bekannt, ist Ganz mit Schauspielerin Romy Schneider zusammen. «Ich glaube, unsere Geschichte hat ungefähr ein Jahr gedauert», erinnert er sich einmal. Die Beziehung sei «ruckhaft» gewesen. «Entweder sie war das kleine Kind, das sich anschmiegte, einfach nur Schutz suchte und in Ruhe gelassen werden wollte. Oder sie erklärte sich als die von aller Welt Verfolgte, die trotz ihres Starstatus, ihres grossen Könnens nicht wirklich anerkannt wurde.» Es ist schliesslich Schneider, die Schluss macht - per Telefon. Fotografin Ruth Waltz ist die letzte Frau, mit der Bruno Ganz bis zu seinem Tod liiert ist. 

Ob er an ein Leben nach dem Tod glaube?, wurde er wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag gefragt. «Nein, null. Oder vielleicht doch? Zurzeit neige ich dazu, die allerprimitivste materialistische Variante zu bevorzugen: dass alles abbricht. Schluss. Punkt. Alles geht kaputt. Aber es bleiben Spuren. Menschen denken noch eine Weile an einen, Filme werden gesehen, Bücher werden gelesen, Briefe. Irgendwann ist auch das vorbei.» Mag er in diesem Punkt Unrecht behalten. 

Von Yasmin Rosner am 16. Februar 2019