Die CVP-Bundesrätin erklärt ihren Rücktritt Doris Leuthard: «Meine Familie ist zu kurz gekommen»

Nun ist es offiziell: Auch Doris Leuthard tritt zurück. Die CVPlerin verlässt den Bundesrat auf Ende des Jahres - und will sich danach Neuem, aber vor allem ihrer Familie und ihrem Mann widmen.

Spekuliert wurde es schon lange, seit heute Donnerstagvormittag ist nun klar: Doris Leuthard, 55, tritt nach zwölf Jahren als Bundesrätin auf Ende Jahr zurück. Die CVP-Bundesrätin folgt damit ihrem Kollegen Johann Schneider-Ammann, 66, der bereits am Dienstag seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte. Somit wird im Bundeshaus gleich doppelt nach Nachfolgern gesucht. 

Leuthard will sich um Familie kümmern

Bei der Pressekonferenz spielte Leuthard auf die vielen Gerüchte an, die sich um ihren möglichen Rücktritt rankten und von «verlässlichen Quellen» bestätigt wurden. «Doch bei solch einem persönlichen Entscheid ist die einzig verlässliche Quelle die betroffene Person.»

Doris Leuthard
© Keystone

Doris Leuthard freut sich im Dezember 2016 gemeinsam mit ihrem Mann Roland Hausin über ihre Wahl als Bundespräsidentin.

Auf das Leben nach dem Bundesrat freut sich die Aargauerin - vor allem darauf, dass «ich nicht jede Woche zweimal den Koffer packen muss», sagte sie. Doch im Zentrum stehen vor allem die persönlichen Beziehungen: «Ich freue mich darauf, mehr Zeit für meinen Mann und meine Familie zu haben. Mein Ehemann, meine Mutter und meine Brüder sind in all den Jahren zu kurz gekommen», erzählte eine sichtlich gerührte Leuthard vor den Medien.

Freude trotz Amtsmüdigkeit

Leuthard spricht von einer «gewissen Amtsmüdigkeit», die sie in den über zwölf Jahren im Amt erfasst habe, «weil Themen immer wieder aufkommen, die im Laufe der zwölf Jahre zu einer gewissen Genügsamkeit geführt haben.» Dennoch habe sie seit ihrer Wahl im Juni 2006 versucht zu gestalten anstatt zu verwalten.

Die Rücktrittserklärung nimmt Leuthard sichtlich mit. Mit zittriger Stimme sagt sie: «Es ist ein Wechsel, der ist immer auch mit Emotionen verbunden. Wechsel sind auch immer loslassen, Neues wagen.» Sie habe ihre Arbeit immer sehr gerne gemacht - und hoffe, man sei mit dieser zufrieden. 

Die grosse Freiheit ist ja eben, dass man frei ist

In beruflicher Hinsicht ist noch nicht klar, womit sich die Aargauerin beschäftigen wird: «Ich lass das auf mich zukommen, ich habe viele Interessen.» Sie schaue, was sich ihr anbiete, was sie interessiere. «Die grosse Freiheit ist ja eben, dass man frei ist. Aber ein Wunsch ist schon, nicht mehr so eine dichte Agenda zu haben», erklärte die CVP-Bundesrätin. Sie wolle sich sicher auch etwas Gemeinnützigem widmen. 

Rücktritt eigentlich für Freitag geplant

Ihren Rücktritt habe die Aargauerin eigentlich erst morgen Freitag bekanntgeben wollen. Doch die wilden Spekulationen liessen sie dazu bewegen, ihren Abgang bereits heute Donnerstag zu verkünden. Das störte Leuthard aber nicht gross: «Ein Tag in einer bundesrätlichen Karriere ist kein grosses Detail», scherzte die scheidende Bundesrätin. 

Johann Schneider-Ammann Medienkonferenz zu seinem Rücktritt als Bundesrat 25.09.2018 Bern
© Keystone

Nach acht Jahren im Bundesrat hat auch Leuthards Kollege Johann Schneider-Ammann genug: Der FDPler tritt auf Ende Jahr zurück.

Der Doppelrücktritt von Leuthard und demjenigen des FDP-Bundesrats Johann Schneider-Ammann am vergangenen Dienstag sei derweil nicht abgesprochen gewesen. Leuthard habe mit einem Rücktritt ihres Kollegen zum Ende der Legislatur 2019 gerechnet, wie dies Schneider-Ammann stets geplant und auch angekündigt hatte. 

Der Suche nach Bundesrats-Nachfolgern steht Leuthard optimistisch gegenüber: «Man wird Frauen und Männer finden, die die Qualität haben, Bundesrat zu sein», sagte sie. Leuthard freue sich auf die verbleibenden drei Monate in ihrer Funktion als Bundesrätin: «Ich werde mich nicht zurücklehnen - das würde nicht zu meinem Temperament passen.»

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