«Das persönliche Interview» mit Franz Hohler «Das ‹Totemügerli› überlebt mich!»

Sein Stück das «Totemügerli» ist heute längst Schulstoff. Seine Auftritte im «Spielhaus» des Schweizer Fernsehens schrieben TV-Geschichte. Jetzt verrät Kabarettist Franz Hohler, 72, welcher Satz seiner Mutter aus der Kindheit ihm beim Älterwerden oft wieder in den Sinn kommt.
Schriftsteller Franz Hohler bekommt Johann-Peter-Hebel-Preis
© Keystone

Franz Hohler ist in Olten aufgewachsen, seit 1969 mit Ursula Nagel verheiratet und hat zwei Söhne. Er lebt in Zürich Oerlikon. 

«Schweizer Illustrierte»: Was müssten Sie in Ihrem Alltag aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Franz Hohler: Das eigene Auto hab ich vor 35 Jahren abgeschafft, heizen tun wir mit Fernwärme, das Haus ist isoliert, wenn ich fliege, zahle ich Ablass bei Myclimate, meine Taschenlampe leuchtet mit Solarenergie - ja, was denn?

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Ich verbiete mir selbst Früchte aus Neuseeland oder Südafrika. Der Transportweg schadet der Mutter Erde.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Mich schmerzt anderes als der Benzinpreis.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Wieso reduzieren? Meine Arbeit macht mir Freude.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Möglicherweise Anna - wie meine Grossmutter.

Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt?
«Man sollte nie stehen, wenn man sitzen kann, und nie sitzen, wenn man liegen kann.» Das war ein Satz meiner Mutter, der mir beim Älterwerden oft in den Sinn kommt.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt? Was? Wem?
Vorletzte Woche habe ich meinem Vater zu seinem 100. Geburtstag ein Abonnement für kleine Rotweinflaschen gezeichnet, gemalt und geklebt.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Wenn ich zu viel laufe, an den Knien.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Hinter mir die Berge, vor mir das Meer, aber der Bahnhof Oerlikon bleibt.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Gar nicht. Ich bin ein leidenschaftlicher Suppenkoch.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Computer?
Die Parrotspitze im Monte-Rosa-Gebiet, von mir selbst aufgenommen.

Haben Sie einen Organspendeausweis.
Nein. Ich hatte als Kind eine schwere, nie ganz geklärte Krankheit und darf auch kein Blut spenden.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Will ich nicht bestimmen. Vielleicht singt Stephan Eicher «Es isch als gäbs mi nümme meh», oder Tinu Heiniger «S Lied vo de Bärge»...

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Vorstellen kann ich mir alles, aber tun möcht ichs lieber nicht.

Über welche Aussage von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Ich nehme fast an, das «Totemügerli» wird mich überleben.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Mit 22 Jahren das Studium aufzugeben, um Kabarettist und Schriftsteller zu werden. Vielleicht war das auch die dümmste.

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Das Zinalrothorn zu besteigen und eine Oper zu schreiben.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben? Welche keinesfalls?
Am liebsten Kreativität, aber die haben sie schon. Keinesfalls meine Ungeduld.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen? Wie?
Das Design seiner Person sollte man eigentlich nicht an den lieben Gott delegieren.

Welche Bücher, Musik und Filme haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Bücher: Blaise Pascal, «Pensées». Karl Valentin: Gesammelte Werke. Musik: Johann Sebastian Bach, Suiten für Violincello solo.

Was wird man in 100 Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man sie loben, wofür verurteilen?
Vielleicht wird man sie die globaldigitale Epoche nennen. Loben wird man sie für die Solarenergie. Verurteilen wird man sie für die Atomenergie, mit deren strahlenden Abfällen man sich dann herumschlagen muss.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Haben wir nicht schon genug Pillen?

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Wir waren zu zweit, mein Bruder und ich. Es gab Platz für ein Büchergestell mit unseren Büchern und einen Schrank mit unseren Kleidern. An meine Wandseite hängte ich ein selbst gemaltes Bild und ein Foto des Cellisten Pablo Casals.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Selbstverständlich!

Hatten Sie einen Spitznamen?
Als Kantischüler Cerevis Pablo.

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