Carlo Brunner Im Reich des Ländler-Königs

Am 22. April feiert Carlo Brunner seinen 55. Geburtstag. Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne. Zeit für einen Rückblick. Und einen Einblick in sein privates Domizil.

Mit 55 bekommt man eigentlich noch keinen Preis für sein Lebenswerk. «Ich bin aber schon nahe dran», scherzt Carlo Brunner. «Denn nicht selten holt man den an Stöcken ab.» Der Musiker gehört natürlich noch längst nicht zum alten Eisen. Aber an Krücken muss er gehen. Weil er vor drei Monaten am Fuss operiert wurde. «Eigentlich eine ganz alte, sehr langwierige Geschichte», erzählt er. Vor 24 Jahren krachte Carlo Brunner mit dem Auto frontal in eine Mauer. Seither hatte er Schmerzen am rechten Fuss, jetzt endlich liess er sich das Gelenk fixieren. «Am Anfang war ich ja froh, dass ich meinen Fuss überhaupt behalten konnte. Zudem war die Technik noch nicht so weit.» Ob der Musiker je wieder ein schmerzfreies Leben führen kann, wird der nächste Arztbesuch zeigen. Vorerst macht er aus seiner Situation das Beste und geniesst die Vorteile – zum Beispiel, nicht beim Tischdecken helfen zu müssen. «Kochen kann ich ja sowieso nicht», gesteht er lachend. Zum Glück ist seine Liebste, Erika Grab, 54, eine begeisterte Köchin.

Seit zwölf Jahren sind die beiden ein Paar, leben zusammen in dem grossen Haus mit weitläufigem Garten in Schindellegi SZ, das Erika und ihr Ex-Mann vor dreissig Jahren erbauten. Kennengelernt haben sich der Ländler-König und die Immobilienunternehmerin an einem Fanklub-Tag. Ironischerweise ist Erikas Ex-Mann ein grosser Liebhaber von Carlo Brunners Musik. Sie sei aber bereits drei Jahre Single gewesen, als sie Carlo persönlich kennenlernte, betont Erika Grab. Der Ex-Mann habe trotzdem ganz schön gestaunt, als er hörte, dass Carlo jetzt seinen ehemaligen Rasen mähe! Heute ist das Verhältnis übrigens gut, Erikas Sohn Joseph, 28, und die Tochter Sandrina, 25, gehen sowohl bei der Mutter als auch beim Vater ein und aus. Über den bekannten Partner ihrer Mutter haben sich die beiden von Anfang an gefreut. Schliesslich sind auch sie mit seinen Schottisch aufgewachsen (den berühmten «Waldvogel-Schottisch» komponierte Brunner mit gerade mal 17 Jahren).

Tatsächlich können sie stolz sein auf ihren Stiefvater: Aus einer musikalischen Zürcher Familie stammend begeisterte sich Carlo Brunner von klein auf für Ländlermusik. Seine Schwester, Schlager-Star Maja Brunner, hörte damals lieber Rock. Als sie später das Fach wechselte, komponierte und produzierte ihr Bruder ihre Werke. Zusammen gewannen sie 1987 mit dem Titel «Das chunnt eus spanisch vor» den Grand Prix der Volksmusik.

Mit elf Jahren lernte Carlo Klarinette spielen, später kamen Saxofon, Klavier, Akkordeon und Bassgeige dazu. Mit 13 wurde er vom damaligen Ländler-Papst Wysel Gyr entdeckt. Es folgten eine erste Platte und erste Fernsehauftritte. «Damals wurde man so sehr schnell berühmt», erzählt Carlo. «Unsere Musik wurde noch in der Hauptsendezeit im Fernsehen gespielt. Danach kannten einen die Leute auf der Strasse.» Heute gebe es für junge Volksmusikanten kaum mehr eine Plattform, um sich zu präsentieren. «Das ist sehr bedauerlich», so Brunner, der die Alphorn-Bläserin Lisa Stoll entdeckte und Lieder für Oesch’s die Dritten oder Sarah-Jane komponiert.

Er selbst hingegen hätte gern auf die eine oder andere Schlagzeile verzichtet. Zum Beispiel, als der «Blick» vergangenes Jahr vermeldete, der Musiker habe sich bei der Hochzeit seiner Tochter Nadja, 29, nach dem Ja-Wort klammheimlich davongeschlichen. Angeblich habe Erika das so gewollt. «Dieser Bericht machte mich und meine Familie fix und fertig», gesteht Carlo, der sich damals zu den Vorwürfen nicht äussern wollte. Aber was war denn da nun wirklich los? «Meine Tochter hat nicht das beste Verhältnis zu meiner Partnerin. Daher wurde ich ohne Erika an ihre Hochzeit eingeladen. Ich fühlte mich dort nicht wohl ohne sie und entschloss mich eher spontan, das Fest nach der kirchlichen Feier nicht mehr zu besuchen. Ich verabschiedete mich – auch als Beweis dafür, dass ich zu meiner Beziehung mit Erika stehe.» Diese ahnte jedoch nichts vom Liebesbeweis ihres Schatzes – weilte sie doch für ein Wochenende mit ihrer Mutter im Tessin. Mehr will der Vollblut-Musiker gar nicht mehr sagen zu dieser Geschichte. «Der Artikel hat uns alle sehr verletzt, nicht zuletzt auch meine Tochter. Ich möchte mich nicht öffentlich für Privates rechtfertigen müssen. Ich liebe Nadja. Und ich liebe Erika. Das wollte ich ihnen beiden eigentlich zeigen.»

Nun steht also der 55. Geburtstag an. Als Geschenk für seine Fans hat Carlo Brunner dazu bereits eine Doppel-CD herausgegeben. «5 × Carlo Brunner – Die Erste» entstand bereits 1975 und war die erste CD, die in der Schweiz erschien, auf der ein Mann alle Instrumente selbst spielt. Die zweite CD entstand 2010 im gleichen Verfahren. Was er sich zu seinem Geburtstag wünscht? «Dass ich die Krücken bald los bin und endlich keine Schmerzen mehr am Fuss habe.» Und vielleicht gibts ja ein schönes Familienfest – bei dem alle bis zum Schluss bleiben.

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