«Lüthi und Blanc»-Schauspieler Isabelle von Siebenthal & Hans Schenker Neues Glück in Nizza

Für Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker sind die turbulenten Jahre passé. Als Hoteliers im Berner Oberland sind die Schauspieler zwar gescheitert, doch nun haben sie in Nizza ihr Glück gefunden.
Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker
© Remo Nägeli

Zu Hause: Die Wohnung in Nizza kauften Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker vor 15 Jahren, am Anfang ihrer Beziehung.

Entspannt schlendern Isabelle von Siebenthal, 60, und Hans Schenker, 65, die Promenade des Anglais in ihrer Wahlheimat Nizza entlang, machen danach einen Abstecher auf den lokalen Flohmarkt. «Wir suchen noch einen grossen Tisch», meint sie.

Vor gut drei Monaten hat das Schauspielerpaar seinen Wohnsitz nach Südfrankreich verlegt und lebt jetzt in seiner ehemaligen Ferienwohnung direkt am Hafen. Die letzten beiden Jahre lebten Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker in Berlin, wo er ein Engagement am Theater hatte.

Als der Intendant wechselte, entschlossen sie sich, mit Sack und Pack an die Côte d’Azur zu ziehen. «Hier ist einfach alles ein bisschen entspannter», findet Isabelle von Siebenthal. Etwas, was sie gut brauchen kann, nach dem ganzen Trubel, der hinter dem Ehepaar liegt.

Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker
© Remo Nägeli
Sammelleidenschaft: Fast jede Woche besuchen die beiden den charmanten Flohmarkt von Nizza.

Vor knapp sieben Jahren übernahmen sie als Pächter das Hotel & Restaurant Wildhorn in Lauenen BE. Dass dieser lang gehegte Traum ausgerechnet in der Heimat von Isabelle von Siebenthal wahr wurde, freute sie umso mehr. Noch ahnte damals aber niemand, dass aus dem Traum ein Albtraum werden würde – der «berühmteste Dorfstreit der Schweiz». 

Die beiden, die sich als Hauptdarsteller der SRF-Serie «Lüthi und Blanc» kennen und lieben gelernt haben, führten das Restaurant irgendwann nicht mehr nach dem Gusto der Einheimischen, es kam zu Streit und Provokationen auf beiden Seiten. Eine Soap-Opera, die in den Medien genüsslich ausgeschlachtet wurde. 

Hans ist Künstler. Ich kann ihm nicht seine Kunst verbieten

Der Streit in ihrer alten Heimat belastete vor allem Isabelle sehr. Hans betrachtet das Ganze rückblickend als eine Art Lovestory: «Lauenen und wir – wir haben uns ineinander verliebt. Wir konnten einfach gegenseitig die Erwartungen nicht erfüllen.» Isabelle sieht das nüchterner: «Ich habe noch nie eine solche Niederlage erlebt!» 

Hans Schenker hat die Zeit als Hotelier nun in einem Roman verarbeitet. «Gott spuckt die Lauen aus» erschien kurz vor Weihnachten im Buchhandel. Bei der Story handle es sich um Fiktion, sagt Schenker. «Ich erzähle nicht unsere eigene Geschichte. Aber es beinhaltet natürlich meine Gedanken und Gefühle über unsere Jahre in Lauenen.» 

REMO NÄGELI

Teatime: Das Paar geniesst das Leben. Er schreibt, sie kümmert sich um die gemeinsame Firma.

Die schwierige Zeit strapazierte auch die Ehe des Schauspielerpaars. «Wir haben noch nie so oft gestritten wie damals», gesteht Isabelle von Siebenthal. «Und oft auch wegen der unterschiedlichen Ansichten, wie wir mit der Situation umgehen sollen.» Dabei wirft sie Hans weder seine Provokationen vor – zum Beispiel die Videos, in denen er als «Schenker der Henker» sarkastisch die Geschehnisse kommentierte – noch das aktuelle Buch. «Hans ist Künstler. Ich kann ihm seine Kunst nicht verbieten, egal, ob er nun spielt oder schreibt.» 

Ihre grösste Kritik betrifft denn auch nicht ihren Mann. Sie selbst habe sich gar nie richtig zum Streit geäussert. «Man hat einfach immer angenommen, dass Hans’ Meinung auch die meine ist. Als ob ich keine eigene hätte, hat man mich auf die Rolle seiner Ehefrau reduziert. Das ist beleidigend.» Das gelte auch für Schenkers erstes Buch «Der Publikumsliebling», in dem er damals zum Rundumschlag gegen die Schweizer Showszene ausgeholt hatte.

Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker
© Remo Nägeli
Strandbummel: Nach fünf Jahren in Lauenen und zwei in Berlin zog das Ehepaar vor Kurzem ganz an die Côte d’Azur.

Seither ist nicht nur er Persona non grata im Schweizer Film und Fernsehen, sondern auch sie – obwohl sie gar nichts gemacht habe. «Was solls?», meint Isabelle schulterzuckend. «So viele Rollen hätte es in den letzten Jahren für mich nicht gegeben.» Zumal sie nach jahrelangen Drehs für deutsche TV-Serien gar nicht mehr vor der Kamera stehen mochte.

Das ist jetzt anders. Sie hat wieder Lust zu spielen, macht auch ab und zu ein Casting. Aber alles recht zurückhaltend: «Ich habe während Jahren 18 Stunden pro Tag gearbeitet. Ich darf es mir erlauben, mal etwas kürzerzutreten.»

Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker
© Remo Nägeli
Schöne Aussicht: Auf ihrem Balkon direkt am Hafen diskutieren Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker neue Projekte. 

Nicht dass die beiden «arbeitslos» wären. Hans Schenker ist momentan vor allem als Autor tätig, schreibt im Auftrag von Theatern Bühnenstücke. Ende 2018 feiert sein «Fidel Gastro – Fideles aus der Gastronomie» im Theater am Käfigturm in Bern Premiere. Isabelle kümmert sich um die gemeinsame Produktionsfirma Kunst-Rasen. 

Vor allem aber geniessen sie ihr Leben in Nizza. Das Glas Wein auf dem kleinen Balkon mit atemraubendem Ausblick über den Hafen und aufs offene Meer. Die «Moules et Frites» im Restaurant um die Ecke. Den Bummel über den Flohmarkt. Sie haben sich alles verdient.

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