Marc Trauffer geniesst die Zeit mit seinen Kindern «Mit ihnen lebe ich lieber das reale Leben»

Er ist Mundart-Star und Chef einer Traditionsfirma. Die wichtigste Rolle von Marc Trauffer ist aber die als Vater von zwei Teenagern. Und die beiden kümmert es herzlich wenig, dass ihr Papa erfolgreich und berühmt ist.
Marc Trauffer mit Kindern
© Adrian Bretscher

Glücks-Trio: Trauffers beim Raclette in der Hütte eines Freundes. «Mir ist wichtig, am Leben meiner Kinder teilzunehmen», sagt Marc.

Härdöpfel zum Raclette? Geht gar nicht», findet Marc Trauffer, 38. Für den Mundart-Star muss der geschmolzene Käse stilecht auf eine Brotscheibe fliessen. «Ach was!», findet seine Tochter Lani, 13, und schiebt sich eine Kartoffel in den Mund.

Klar, ihren Papa würde sie «auch gernhaben, wenn er nicht berühmt wäre». Aber als Teenager-Vater ist man per Definition uncool. Egal, wie man sein Raclette isst. Und egal, wie lange man in der Hitparade war. Bei Marc Trauffer waren das 159 Wochen mit dem Album «Alpentainer» und 103 Wochen mit «Heiterefahne». Am Stück.

Marc Trauffer mit Kindern
© Adrian Bretscher
Auf dem Weg nach oben: Marc, Lars und Lani Trauffer (v. l.) beim Schneeschuhlaufen hoch über Brienz BE.

Lani und ihren Bruder Lars, 15, beeindrucken diese Zahlen nicht. Für die beiden ist Marc Trauffer einfach ihr Vater. Und sie geniessen die Zeit mit ihm – auch wenn sie es ungern zugeben. Und auch wenn nicht immer die pure Harmonie herrscht.

Musik, Fans und ständig unterwegs

«Echt, Mann. Bei dem Wetter geht kein Mensch Schneeschuh laufen!», motzt Lars. Aber Trauffers sind eben nicht «kein Mensch» – und das Wochenendprogramm wird durchgezogen, trotz Nebel.

Das Trio bahnt sich seinen Weg zur Hütte eines Freundes oberhalb ihres Wohnortes Hofstetten BE. Beim wohlverdienten Raclette plaudern Vater und Kids über alles, was sie bewegt. Momente, die für Marc Trauffer Gold wert sind.

Marc Trauffer mit Kindern
© Adrian Bretscher
Angekommen: Lars und Lani freuen sich aufs Wochenende mit ihrem Papa.

Vor vier Jahren schlug das Album «Alpentainer» ein wie eine Bombe. Und Trauffers Karriere als Mundart-Musiker ging durch die Decke. Seither lebt er das Leben eines Rockstars: Musik, Fans und ständig unterwegs. Dabei sieht er diesen Teil seines Lebens immer noch als «zeitintensives Hobby».

Hauptberuflich leitet Marc Trauffer die Trauffer Holzspielwaren AG, die seit Generationen die berühmten Holzkühe zum Spielen herstellt. Da bleibt nicht viel Zeit fürs Privatleben. Und das gehört zu hundert Prozent seinen Kindern.

«Der Zug, auf dem ich momentan bin, ist extrem schnell»

Gerade ist die Beziehung von Marc und seiner Freundin Samantha Gerundo, 29, in die Brüche gegangen. Vier Jahre lang war die Speditionskauffrau die Frau an seiner Seite, auch als stellvertretende Geschäftsführerin seiner Firma. Nun haben sich ihre Wege getrennt, beruflich und privat.

Marc Trauffer mit Freundin Samantha Gerundo
© David Biedert

Marc Trauffer und Samantha Gerundo bei der 43. Prix-Walo-Gala im Frühling 2017. Nun gaben die beiden ihre Trennung bekannt.

«Der Zug, auf dem ich momentan bin, ist extrem schnell. Das ist nicht einfach für mein Umfeld», sagt Trauffer. Dabei hat er es trotz allem geschafft, seinen Kindern ein stabiles Familienleben zu bieten.

Immer am Donnerstag beim Papi

Als Lars und Lani klein waren, haben sich Trauffer und die Mutter der beiden scheiden lassen. Noch heute haben Marc und seine Jugendliebe Barbara ein sehr gutes Verhältnis, wohnen Dorf an Dorf, und die Kinder pendeln zwischen Vater und Mutter. Immer am Donnerstag sind sie beim Papi, und wenn er Zeit hat, bleiben sie übers Wochenende. Zu Konzerten oder TV-Auftritten nimmt Trauffer seine Kids nur selten mit. «Das ist eine Scheinwelt. Mit ihnen lebe ich lieber das reale Leben.»

 
Marc Trauffer mit Kindern
© Adrian Bretscher

Ein Herz und eine Seele: Lars und Lani pendeln von klein auf zwischen ihren Eltern. Marc Trauffer: «Sie sind die Konstante im Leben des anderen.»

Zum Beispiel beim Raclette in der Hütte hoch über dem Brienzersee. Zeit zum Durchatmen, bevor das neue Album «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» herauskommt und es auf Tour geht. Dann steht Trauffer vor Tausenden jubelnden Fans auf der Bühne. «Da kann man schon mal das Gefühl haben, man sei echt ä geile Siech», gibt er zu. Umso wichtiger sind die Leute, die ihn immer wieder erden. Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Und vor allem Lars und Lani.

«Die nächsten zwanzig Jahre bin sicher noch ich am Drücker»

Lars schliesst im Sommer die Schule ab. Die Lehrstelle als Sanitärinstallateur hat er – zum Stolz des Papas – bereits auf sicher. Und: Er kann sich durchaus vorstellen, irgendwann mal den Familienbetrieb, die Trauffer Holzspielwaren AG, zu übernehmen. Aber das hat noch Zeit, findet sein Vater. «Die nächsten zwanzig Jahre bin sicher noch ich am Drücker.»

Lani geht in die zweite Sek, denkt im Moment an eine Karriere als Innenarchitektin oder Innendekorateurin. Ihr Vater findet, sie soll tun, was ihr Spass macht. «Aber ich fänds noch cool, wenn sie Wirtschaft studiert.»

Ein strenger Vater

In einem sind sich die drei Trauffers einig: Marc ist ein strenger Vater. Und das ist gut so. «Es gibt Regeln, und die müssen eingehalten werden», sagt Marc. Ganz wichtig: Wenn im Hause Trauffer zum Essen gerufen wird, setzt man sich an den Tisch. Sofort. Ohne Murren. Und ohne Handy.

Abseits vom Esstisch ist Trauffer hingegen durchaus bereit, sich von seinen Kindern noch das eine oder andere beibringen zu lassen. Zum Beispiel, als kürzlich online ein sogenannter Shitstorm über ihn losbrach, weil sein Song «Geissenpeter» über das verführerische Heidi angeblich sexistisch sei.

Marc Trauffer
© Adrian Bretscher

Hütten-Ämtli: Trauffer holt Holz zum Heizen. Starallüren sind ihm auch bei Auftritten fremd.

«Haters gibts immer»

Die kritischen Kommentare im Internet beunruhigten Trauffer mehr als seine Kids. «Ich dachte, ich müsste mit ihnen reden, fragte sie, wie sie damit klarkommen, dass ihr Vater so angegriffen wird.» Die Teenager reagierten mit Schulterzucken: «Haters – also solche, die blöde Kommentare hinterlassen – gibts immer. Solange du auf Youtube mehr Likes als Dislikes hast, ist alles in Ordnung, Papa!» Auf gut Deutsch: Solange mehr Leute Marcs Videoclip zu «Geissenpeter» mögen als hassen und dies online kundtun, gibts keinen Grund zur Sorge.

So ist denn auch für die Trauffer-Kids der Papi einfach der Papi. Lani nervts, wenn Klassenkameraden fragen, ob ihr Vater reich sei. Aber grundsätzlich, sagen beide, reden sie mit ihren Gspändli nicht über ihren berühmten Papa. In einem Teenager-Leben gibt es Spannenderes.

Marc Trauffer mit Kindern
© Adrian Bretscher
Spass im Schnee: Lars trifft den Vater voll in den Rücken. Lani formt schon den nächsten Schneeball.

Genau die richtige Einstellung, findet Marc Trauffer. «Was gerade passiert, ist unglaublich, und ich geniesse es extrem.» Vergangenes Jahr hat er sich ein «Scherenschnitt-Tattoo» auf den Unterarm stechen lassen, für ihn ein Zeichen der Verbindung zwischen Volkskultur und Moderne. Um sich später daran zu erinnern, dass er mal ganz oben war.

«Vorbei ist vorbei»

Denn ewig, so ist sich der bodenständige Berner sicher, hält der musikalische Höhenflug nicht an. «Irgendwann ist das vorbei, und es wird eine neue Sau durchs Dorf gejagt», meint er lachend. Dann wird er den Rückzug antreten. So langsam, wie er aufgestiegen ist. Oder auch von heute auf morgen. Angst macht ihm der Gedanke nicht. «Vorbei ist vorbei.»

Dann bleibt die Erinnerung. An eine geile Zeit. Und der Blick nach vorn. Mit der Trauffer Holzspielwaren AG, die vom Schnitzerdorf Brienz noch nach ganz Europa erfolgreich expandieren kann. Und vor allem mit Lars und Lani, die ihren Weg gehen werden. In Papas Fussstapfen – oder auch nicht. Im Moment ist das egal. Denn was zählt, ist jetzt. Die warme Hütte, das Zusammensein. Das Raclette, das aufs Brot tropft. Oder auf die Härdöpfel. Je nach Geschmack.

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