Nachruf von SI-Chefreporter André Häfliger Adieu, mein lieber Freund Spidi!

Mit nur 51 Jahren schied Clown Spidi freiwillig aus dem Leben. Dabei hat er erst vor kurzem noch mit unserem Chefreporter in Luzern gelacht und über Gott und die Welt gesprochen. Ein persönlicher Nachruf auf den Knie-Clown von André Häfliger.

Mein lieber Spidi! Aus heiterem Himmel hat auch mich die Nachricht deines Todes getroffen. Noch immer bin ich wie gelähmt. Tief erschüttert habe ich um dich geweint. Dabei haben wir doch noch vor kurzem in Luzern gelacht miteinander, gemütlich bei einer Zigarette ein kühles Bierchen getrunken und über Gott und die Welt gesprochen. Ich kann es nicht glauben, dass du jetzt nicht mehr unter uns bist.

Die Sorgen des Alltags vergessen, zurücklehnen, geniessen. Dazu hast du auch mich immer eingeladen. Mit einer herzlichen Umarmung.

Tausend Mal habe ich das schöne Gefühl erlebt. Habe dich beim Knie-Eingang auf deinem legendären Podest mit dem Geld unten im abgeschlossenen Fach gesehen. Das schöne Knie-Magazin hast du in die Luft gehalten. «Programm, Programm», hast du mit deiner tiefen Stimme gerufen. Jedem Zirkusgast ist es wie mir ergangen: Wir sehen Spidi, wir sind angekommen in der schönen Zirkuswelt – lass uns eintauchen in sie!

Clown Knie Spidi Leben
© André Häfliger
So kannte man ihn: Clown Spidi mit dem Knie-Magazin.


Die Sorgen des Alltags vergessen, zurücklehnen, geniessen. Dazu hast du auch mich immer eingeladen. Mit einer herzlichen Umarmung. Was haben wir erlebt zusammen! In jeder Pause haben wir uns die neusten Geschichten erzählt. Ab und zu hast du mir gesagt, dich würden Hüftschmerzen plagen.

Aber weisst du noch: In der Saison, als Franco Knie senior mit Prinzessin Stéphanie von Monaco liiert war, die dich ja verehrt hat, war ich als Berichterstatter 86 Mal bei euch. Etwa nach meinem fünfzigsten Besuch kam Zirkusdirektor Fredy Knie, dessen tolles Pferdebuch du bis zum letzten Tag am Schluss der Vorstellung zum Kauf angepriesen hast, in der Pause zu uns beiden. Schmunzelnd sagte er zu mir: «Hey, willst du einen Wohnwagen von uns?»

Du wirst deine Gründe gehabt haben, weshalb Du mit 51 Jahren freiwillig von uns gegangen bist.

Es hat dich fast vom Stuhl gehauen vor Lachen. Und jetzt sind wir alle tief traurig. Wir drücken der ganzen Zirkusfamilie unser herzlichstes Beileid aus und schicken ganz viel Kraft. Wir können es nicht fassen. Wie du dich aufs 100-jährige Knie-Jubiläum nächstes Jahr freust, hast du mir in Luzern noch gesagt. Du seist dann 25 Jahre dabei: «Ist ja auch ein kleines Jubiläum!»

Das dürfen wir nun nicht mehr erleben, mein lieber Freund. Du wirst deine Gründe gehabt haben, weshalb du mit 51 Jahren freiwillig von uns gegangen bist. Wie mein lieber Bruder Marco, mit 53. Umarme ihn auch für mich – wo immer ihr jetzt auch seid. Lach mit ihm, erzähl ihm deine köstlichen Witze, deine herrlichen Geschichten, sag ihm deine treffenden Meinungen über das, was hier bei uns auf der Welt geschieht!

Und drück ihm deine Hand auf die Schulter, wie du es bei mir immer gemacht hast beim Abschied. Mit den Worten: «Machs guet, min liebe Fründ. Uf bald, hebder Sorg!» Adieu, lieber Spidi, ich werde Dich nie vergessen! 

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