Peach Weber feiert seinen 65. Geburtstag «Mir ist wurst, was gewisse Leute sagen oder denken»

Ein grosses Einfamilienhaus in Hägglingen AG, überall stehen Gartenzwerge herum, auch in der Wohnung. Hier lebt Peach Weber. Die Zwerge sind seine ständigen Begleiter. So wie die Dächlikappe und das Hawaiihemd. Heute Samstag feiert der Komiker seinen 65. Geburtstag. Und in zehn Jahren, am 15. Oktober 2027, gibt er im ausverkauften Hallenstadion seine Abschiedsvorstellung.
Peach Weber
© Geri Born

Seine Begleiter Peach Weber vor seinem Haus in Hägglingen. «Der Zwerg ist wie der Pilz mein ständiger Begleiter.»

Peach Weber, Sie haben sich hier ein kleines Paradies geschaffen. Gehen Sie darum nicht gerne weg?
Ja! Ich packe nicht gerne Koffer, bin kein Reisefüdli. Ich bin auch nicht derjenige, der ins Schwärmen kommt, weil es an einem Sandstrand drei statt nur eine Palme hat. Und in einem Wellness-Hotel bekäme ich bereits am zweiten Tag ein Burnout, weil ich denken würde: Ich muss mich jetzt erholen, ich muss mich jetzt erholen, gopfridstutz!

Ihr Haus ist gross. Das gibt Arbeit.
Es geht, wenn man es nicht macht. Nicht staubsaugen. Nicht Fenster putzen – dafür brauche ich auch keine Putzfrau.

Fühlen Sie sich manchmal nicht etwas alleine?
Wenn du dein eigener Freund bist, kannst du nie alleine sein. Ich bin stets unterwegs, oft unter Menschen. Da wird es mir manchmal zu viel. Dann mache ich mir hier «einen Klostertag»: Ich nehme das Telefon nicht ab, ich gehe nicht ins Dorf, einfach nichts.

Peach Weber
© Geri Born
Kein Reisefüdli: Komiker Peach Weber ist am liebsten daheim. «Wieso muss ich irgendwohin, wenn ich Ferien habe?»

Singlesein als glücklicher Zustand?
Ich bin jedenfalls nicht auf der Suche. Doch ich war zweimal verheiratet, ich habe eine wunderbare Tochter. Mehr kann man von mir nicht verlangen (lacht). Und Nina besucht mich oft an den Wochenenden.

Haben Sie eine enge Beziehung zu ihr?
Ja, sehr! Ich wurde ja erst mit 43 Vater – und sagte mir: Wenn ich schon ein alter Vater bin, muss ich wenigstens dessen Vorteile nutzen. Deshalb trat ich am Wochenende praktisch nicht mehr auf, was eigentlich keine so gute Idee ist im Showbiz. Aber ich wollte nicht die Kindheit meiner Tochter verpassen. Und da meine Ex-Frau Jeannette am Wochenende oft arbeitete, konnten wir uns so gut organisieren, und Nina hatte auch zwei Pole in der Erziehung. Hätte ich sie alleine erzogen, wäre das eine Katastrophe gewesen.

Weil Sie als Vater zu locker sind?
Als alter Vater habe ich gewisse Grossvater-Privilegien gleich vorbezogen. Und Nina war stets am Wochenende bei mir und hatte frei, bei Jeannette musste sie zur Schule. Dabei war Nina ja ein braves Kind. Umso mehr freute ich mich jeweils, wenn sie bei ihren Freundinnen irgendeinen Blödsinn aufgeschnappt hatte.

Peach Weber mit Tochter
© Geri Born

Peach Weber 2014 mit Tochter Nina, jetzt 22. Ihre Mutter ist Wettermoderatorin Jeannette Eggenschwiler.

Wie kommen Sie auf Ihre Pointen und Gags?
Das weiss ich auch nicht. Ein Fotograf sieht die Welt in Bildern, andere können aus jedem Grümpel etwas basteln, und mir kommt halt oft Unsinniges in den Sinn. Das ist wohl das grösste Kapital, denn es gibt viele lustige Typen, aber nur wenige gute Gag-Schreiber. Ich notiere mir stets, was mir in den Sinn kommt. Und wenn ich dann ein neues Programm schreibe, nehme ich alles hervor und beurteile, ob es lustig ist.

Wann erlebten wir den besten Peach Weber? Jetzt mit «iPeach»?
Keine Ahnung! Ich nehme auch nie etwas von einem alten Programm mit. Sogar meine zweite Zugabe muss etwas Neues sein.

Ich habe eine eigene Einwohnergruppe gegründet und war zwölf Jahre im Einwohnerrat

Also kein «Ich bi de Borkechäfer», «Sun, fun & nothing to do» oder «Überall heds Pilzli draa»?
Dann wäre ja das neue Programm zu wenig gut. Ich höre auch meine alten Sachen nie, ich schaue immer vorwärts. Wenn jemand von mir wissen will, wie das Gedicht mit dem Rehli und dem Seeli gehe, muss ich sagen: Es tut mir leid, ich weiss es auch nicht mehr. Die Leute meinen dann, ich mache einen Witz.

Sie sind ein sehr politischer Mensch.
Doch ich könnte mich nie mit einem Parteiprogramm identifizieren. Ich habe in Wohlen eine eigene Einwohnergruppe gegründet und war zwölf Jahre im Einwohnerrat. Doch einordnen konnte man uns nicht: Wir hatten einen Major, einen Theaterpädagogen, einen Arbeitslosen, einen Fabrikanten und einen, der als Kommunist galt. Wir setzten uns dafür ein, dass in Wohlen alte Gebäude nicht abgerissen und durch wüste Neubauten ersetzt werden. Ist das jetzt links oder rechts?

Sie sind nun auch AHV-Rentner.
Wie haben Sie bei der Altersvorsorge 2020 gestimmt? Ich habe ein Ja in die Urne gelegt im Wissen, dass es auch nicht die perfekte Lösung gewesen wäre. Ich bin nun sehr gespannt, wie rasch eine mehrheitsfähige Reform auf den Tisch kommt.

Peach Weber
© Geri Born
Pétanque: Der Komiker hat eine eigene Bahn im Garten. Hier spielt er mit seinen Kollegen und trinkt auch mal Pastis dazu.

Brauchts eine generelle Erhöhung des Rentenalters? 
Ich glaube gar nicht, dass wir ständig älter werden. Vielmehr wird unsere Lebenserwartung wieder sinken.

Wirklich?
Die jetzige Rentnergeneration hat seit je am meisten Geld. Sie kann Kreuzfahrten machen, Golfferien oder Velotouren mit dem E-Bike. So sinnlose Betätigungen können einen noch etwas am Leben erhalten. Wenn aber bei der nächsten Generation das Renteneinkommen massiv tiefer ist, beeinflusst das auch den Lebenswillen.

Eine interessante These.
Auch in der Medizin muss es einen Leistungsabbau geben. Wir können uns dieses Niveau in zwanzig Jahren nicht mehr leisten. Und was nützt es mir, wenn ich achtzig bin und mit irgendeiner teuren Operation noch ein halbes Jahr lebe, aber im Spital? Ich habe es bei meiner Mutter erlebt. Nach der ersten Chemotherapie fragte der Arzt sie, wie lange sie noch leben wolle. Und mit welcher Lebensqualität. Sie verzichtete auf die zweite Chemo.

Am liebsten habe ich einen vollen Saal, wo der Lehrer neben dem Metzger sitzt

Viele denken: Wenn ich schon so hohe Prämien zahle, will ich auch die bestmögliche Behandlung für mich und meine Angehörigen.
Richtig, dieser Teufelskreis ist schwierig zu durchbrechen. Aber es braucht ein Umdenken.

Wenn Sie so übers Leben und die Welt reden, dürften manche staunen: Peach Weber ist nicht nur einfach ein Komiker.
Mir ist wurst, was gewisse Leute sagen oder denken. Ich weiss, dass Humor ein Hochrisikogeschäft ist. Wenn man Schwein hat, finden es genügend Leute lustig, sodass man davon leben kann. Am liebsten habe ich einen vollen Saal mit normalen Leuten, wo der Lehrer neben dem Metzger sitzt und die Sekretärin des Gemeindeammanns neben der Grossmutter mit dem Enkel. Das ist meine Welt.

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