Nach über 60 Jahren verliert Ernst Ostertag seine Liebe Schwulenaktivist Röbi Rapp stirbt mit 88 Jahren

Über 60 Jahre waren Ernst Ostertag und Röbi Rapp ein Paar, ein Leben lang kämpften sie für ihre Liebe. Ihre Geschichte bewegte im Film «Der Kreis» die Welt. Jetzt ist Röbi Rapp 88-jährig verstorben.

Jahrzehntelang musste Röbi Rapp, gelernter Coiffeur und Gelegenheitsschauspieler, ein Doppelleben führen. 1956 lernte er in Zürich seine grosse Liebe Ernst Ostertag kennen. Beide waren damals 26 Jahre alt. Es folgten Jahre der Verfolgung und des Versteckens. Bis sie ihre Beziehung offen Leben können, ist es ein steiniger Weg. 

2014 bewegte ihre Geschichte die Welt. Im Film «Der Kreis», der auch in der Vorauswahl der «Oscars» war, werden die ersten Jahre ihrer Beziehung erzählt. Schon zuvor aber wagten Rapp und Ostertag den Schritt in die Öffentlichkeit, kämpften jahrelang für die Rechte der Schwulen. 2003 waren sie dann die ersten, die ihre Partnerschaft im Kanton Zürich eintragen liessen.

Röbi Rapp Ernst Ostertag
© Keystone

Die Krönung ihrer Liebe und ihres Kampfes: Röbi Rapp (links) und Ernst Ostertag lassen am 1. Juli 2003 in Zürich ihre Partnerschaft eintragen.

In einer Dreierbeziehung

Vor vier Jahren besuchte die «Schweizer Illustrierte» die beiden in ihrem Zuhause in Zürich. Schon am Abziehbild einer Regenbogenflagge - ein internationales schwul-lesbisches Symbol - am Briefkasten war damals zu erkennen: Hier wohnen Homosexuelle. Eine Offenheit, die im krassen Gegensatz zum Leben von Ernst Ostertag und Röbi Rapp von früher stand. 

Nicht das Einzige, was sich in all den Jahren verändert hat. Denn seit 2003 lebten die beiden in einer Dreierbeziehung mit Giovanni Lanni, 45. «Wir verstehen uns sehr gut, haben gleiche Interessen», sagte Rapp damals. Und ja, es werde mehr als nur gekuschelt.

Röbi Rapp, Giovanni Lanni und Ernst Ostertag Homosexualität Schweiz Geschichte
© Thomas Buchwalder

Röbi Rapp und Ernst Ostertag im Jahr 2014 mit Giovanni Lanni, mit dem sie eine Dreierbeziehung führten.

Mithilfe einer Freitodbegleitung gestorben

Schon damals war auch der Tod ein Thema. 2013 wäre Röbi Rapp fast an einem Herzinfakt gestorben. Sein Partner Ernst Ostertag, praktizierender Buddhist, sah es gelassen: «Ich hoffe nichts und fürchte nichts.» Der Tod sei für ihn selbstverständlich. Genauso wie es die Liebe zwischen zwei Menschen sein sollte.

Nun ist Röbi Rapp am vergangenen Sonntag 88-jährig gestorben. Er sei «nach einer Phase schwerer Krankheit mit Hilfe einer Freitodbegleitung friedlich im Beisein seiner Liebsten eingeschlafen», schreibt das «Mannschaft Magazin».

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