SI-Autorin Sandra Casalini über ihre Begegnung mit Hanery Amman «Du warst das Herz und die Seele»

Am 30. Dezember verlor «Alperose»-Komponist Hanery Amman mit 65 den Kampf gegen den Lungenkrebs. SI-Autorin Sandra Casalini erinnert sich an einen humorvollen Menschen, der mit Musik mehr sagen konnte als mit tausend Worten.
Hanery Amman Porträt
© Kurt Reichenbach

«Ich kämpfe weiter», sagte Hanery Amman vor gut zwei Monaten, von Krebs und Chemo gezeichnet. Jetzt hat er den Kampf verloren.

Mensch, Hanery, ich hab wirklich gedacht, du ziehst das noch durch. Ich hab so gehofft, du kriegst es noch fertig, dein Instrumentalalbum mit Klaviermusik, das dein persönlichstes werden sollte. Und ich hätte dir so gewünscht, dass es dir endlich, endlich all das beschert, was du schon lange verdient hast: Ruhm und Ehre, Applaus und stehende Ovationen und alles, wovon man als Musiker träumt. 

Es hat nicht sein sollen. Dabei bist du noch vor ein paar Wochen in dein Stammlokal, den «Anker» in Interlaken, geplatzt, als ob du von einer Party kämst und nicht direkt von der Chemo. Tage zuvor hatte ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich einen todkranken Mann um ein Interview bitten sollte. Dabei kannte ich dich eigentlich gut genug, um zu wissen: Ich frage, du sagst Ja oder Nein. Bei dir hat man immer gewusst, woran man ist. 

Im Saal des «Ankers» hast du dich an den Flügel gesetzt und gespielt. Und mit diesen Tasten hast du mehr gesagt als in unserem Gespräch vorher, so kitschig das klingen mag. In diesen Tönen lag alles, was man mit Worten gar nicht ausdrücken kann: Melancholie, Trauer, Wut, Hoffnung, Mut, Dankbarkeit.

Hanery Amman am Flügel
© Kurt Reichenbach

Tasten-Gott: Hanery Amman und SI-Autorin Sandra Casalini Anfang November 2017 im «Anker» Interlaken, Hanerys zweitem Zuhause.

Polo Hofer und Hanery Amman waren das perfekte Team

Das war schon so, als du mit Polo Hofer, †72, und eurer Band Rumpelstilz die Schweizer Musikwelt revolutioniert hast. Polo, der Texter, war die Worte, die Stimme und das Gesicht eurer Musik. Du, der Komponist, warst das Herz und die Seele. Das hat eigentlich ganz gut gepasst, denn so wart ihr auch als Menschen. Polo, der geistreiche Geschichtenerzähler, der die Aufmerksamkeit genoss. Hanery, die zurückhaltende Seele von einem Menschen. Trotzdem hat es dich hin und wieder – zu Recht – geärgert, dass Polo dir ständig vor der Sonne stand. 

Hanery Amman im Studio
© Remo Naegeli

Hanerys Welt: Musik war sein Leben. Ein neues Mundart-Album hat er noch fertig gemacht.

Nicht, weil du im kleinen Kreis ein genauso eloquenter Unterhalter sein konntest wie er. Man musste nur in deine stahlblauen Augen schauen, um deinen Schalk und den feinen Humor zu sehen. Es ging dir mehr um die Würdigung deiner Arbeit: Deine Musik und seine Texte haben sich ergänzt. Sie machten Polo zum Pionier des Mundartrock – und dich zum Mann dahinter. 

Hanery Amman verhielt sich zurückhaltend

Dass es zum Krach und zum Bruch kommen musste, war fast unvermeidlich. Dass ihr euch wieder versöhnt habt, spricht für euch beide und für eure tiefe Verbindung seit Kindertagen. Als Polo vor fünf Monaten dem Krebs erlag, hättest du reden können, über ihn und über dich – und deine Leistung. Du hast dich trotz Dutzender Medienanfragen mit einem kurzen Statement auf deiner Homepage begnügt. Das zeigt deine Grösse als Musiker, als Freund und als Mensch.

Retro-Bild 20170103_Hanery Amman
© Keystone

Die Schweizer Mundartrock-Gruppe Rumpelstilz spielte am 12. Dezember 1967 ein Konzert vor Gefangenen in der Strafanstalt Lenzburg AG. Bei dieser Gelegenheit stand Amman mit Rene Schafer, 64, (Gitarre), Sämi Jungen (Bass), Polo Hofer, †72, (Sänger), und Küre Güdel (Schlagzeug) auf der Bühne (v.l.).

«Und das, Hanery, macht dich unsterblich»

‹Der Tod wird ein Abschliessen auf allen Ebenen sein. Dann, wenn ich bereit bin, das Leben loszulassen.› Deine Worte in unserem letzten Interview. Dass du vor dem letzten grossen Applaus bereit dazu warst, zeigt einmal mehr: Du hast für die Leidenschaft gelebt, nicht fürs Rampenlicht. Und das, Hanery, macht dich unsterblich. Ich verneige mich vor dir und deinem Werk und hoffe, die ganze Schweiz tut das mit mir.

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