Zu Hause beim SVP-Politpaar Stamm Hurter Zwei, die sich nicht allzu ernst nehmen

Sie sind das schillerndste Politpaar der SVP! Wer bei Thomas und Cornelia Stamm Hurter zu Hause der Chef ist, verraten die Schaffhauser in ihrem Maiensäss. 
Stamm Hurter Homestory
© Geri Born

Drei, vier Mal im Jahr zieht es Cornelia Stamm Hurter und Thomas Hurter nach Brigels GR in ihr Maiensäss.

Zuerst rümpft Thomas Hurter, 54, die Nase. Umgeben von Kissen mit chic gekleideten Hunden auf dem Sofa posieren. – «Muss das sein?» Kurz hält er inne, dann sprudelt es aus ihm heraus: «Aber Cornelia, willst du wirklich, dass unser Sofa so berühmt wird wie das geblümte von Bundesrat Cassis?»

«Eh, chomm etz!» – Cornelia Stamm Hurter, 55, wirft ihr Haar zurück und bricht in ein Lachen aus, das wirkt wie der erste Dominostein: Einmal gefallen, trifft es den nächsten. Thomas Hurter muss mitlachen, ob er will oder nicht. Er macht eine wegwerfende Handbewegung, als wolle er sagen: Meine Frau und ihr Kissentick – ich liebe sie trotzdem.

Homestory Stamm Hurter
© Geri Born
Sammeltick: Das Ehepaar Hurter in seinem Maiensäss in Brigels GR. Einen echten Hund haben sie nicht.

Diese Szene verrät schon einiges über das Ehepaar Hurter: Da sitzen zwei, die sich gerne adrett in Szene setzen, sich aber auch nicht allzu ernst nehmen. Bald werden Thomas und Cornelia Hurter zwei der neun wichtigsten politischen Ämter im Kanton Schaffhausen innehaben. Er sitzt seit 2007 für die SVP im Nationalrat. Sie amtet ab 1. April als Regierungsrätin, ebenfalls für die SVP.

Hurters Maiensäss in Brigels

Doch an diesem Wochenende entspannen sie erst mal: in ihrem Maiensäss in Brigels GR. Die Einrichtung könnte aus dem «Schöner Wohnen»-Katalog sein: pompöser Leuchter, lange Tafel, bequeme Stühle, Specksteinofen. Drei, vier Mal im Jahr ist das Paar hier oben. Manchmal kommen auch die Töchter Nora, 21, und Maud, 18, mit – oder sie gehen ohne Eltern. «Danach ist der Vorratskeller meistens leer», sagt Thomas Hurter.

Stamm Hurter Homestory
© Geri Born
Erbstück: Thomas Hurter kam schon als Bub hierher. Seine Eltern haben die Hütte in den 1960er-Jahren gekauft.

Daheim in Schaffhausen meiden die Eltern Beizen, in denen gleichzeitig auch ihre Töchter verkehren. «Wir sind stadtbekannt, das ist ihnen manchmal unangenehm», sagt er. Dabei kommt Thomas Hurter ursprünglich gar nicht aus Schaffhausen, er ist für Cornelia dahin gezogen. Hurter wächst im aargauischen Wyden in einer Gewerblerfamilie auf. Er macht die Ausbildung zum Militärpiloten, später heuert er bei der Swissair an.

Ein Pilot und eine Juristin

Das Grounding 2001 ist auch für ihn persönlich eine Zäsur. Zwar kann er seinen Job behalten, aber die Sicherheit, eine Stelle auf Lebzeiten zu haben, ist schlagartig weg. Darum macht er noch einen MBA im Fernstudium – und steigt in die Politik ein. Nach zwei Jahren im Kantonsrat sitzt er ab 2007 im Nationalrat. Als Pilot arbeitet er nur noch Teilzeit. Seine Frau steht stets in seinem Schatten, obwohl sie viel früher zur Politik fand.

Stamm Hurter Homestory
© Geri Born
Buurezmorge: «Wir gehören nicht zu denen, die bei jedem Essen über Politik sprechen.»

«Als Zweitklässlerin bepflasterte ich meinen Schulthek mit ‹Frauenstimmrecht Ja!›-Klebern, obwohl mein Vater strikt dagegen war», erzählt sie bei einer Tasse Milchkaffee. In einem bürgerlichen Elternhaus aufgewachsen, studiert sie Jura und wird später ans Obergericht berufen. Mit 30 tritt sie der SVP bei – «weil ich mich mit den Werten dieser Partei am besten identifizieren konnte».

Rasch steigt sie zur Vizepräsidentin der SVP Schweiz auf, 2005 zieht sie ins Stadtparlament ein. Dossiers wälzen, Urteile fällen, das wird Stamm Hurter auch weiterhin tun – als Regierungsrätin. «Aber die Juristerei wird mir fehlen.» Ihr Mann schmunzelt. Seine Frau sei Juristin durch und durch, das habe er gleich gemerkt.

Stamm Hurter Homestory
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Er heizt ihr ein! Für den Regierungsrat gibt Cornelia Stamm Hurter die Juristerei auf.

Ihre Lovestory startet mit einem Parkschaden

Wir schreiben das Jahr 1991, in Hallau SH fährt Thomas rückwärts in ein parkiertes Auto. Weil niemand reagiert, macht er den Halter bei der Polizei ausfindig – es ist Cornelia! «Lassen Sie das Auto flicken, und schicken Sie mir die Rechnung», sagt er am Telefon. «Ich will zuerst eine schriftliche Schuldanerkennung», antwortet sie.

Da denkt Thomas: «Was für eine komplizierte Frau!» Gleichzeitig ist er gwundrig. Die beiden verabreden sich zu einem Blind Date. Sie wartet bei der Rathausbrücke in Zürich – bis ein protziger Ami-Schlitten vorfährt. «Ich hoffte so fest, dass nicht Thomas drinsitzt», sagt sie. Doch er ists! Gemeinsam fahren sie an den See – und haben es plötzlich sehr unkompliziert.

1994 heiraten die beiden, danach kommen die Töchter zur Welt. Von Anfang an müssen Cornelia und Thomas Hurter mit ihrer Zeit jonglieren. Als Pilot arbeitet er nach Dienstplan, oft auch nachts und am Wochenende. «Wir können maximal einen Monat im Voraus planen», sagt sie, «ausser während der Session.» Heute ist Thomas etwa zehn Nächte pro Monat zu Hause. «Nicht die Menge der Zeit ist wichtig, sondern wie man sie nutzt», sind sich beide einig.

Stamm Hurter Homestory
© Geri Born

Blaumachen gelingt nicht immer. Oft nimmt Cornelia Stamm Hurter noch Arbeit mit.

Im Maiensäss in Brigels serviert Thomas Hurter Spiegeleier zum Brunch: «Eier und Fleisch, das kann ich», sagt er und verheimlicht nicht, dass seine Frau in der Küche die Chefin ist. Sie wiederum legt Wert darauf, dass sie nicht als sein Anhängsel erscheint, betont stets, wie gerne sie arbeite. Doch ohnehin ist klar: Cornelia Stamm Hurter hält die Familie zusammen.

Und in Gesprächen mit ihrem Mann hat sie oft das letzte Wort. Es sei für ihn «nicht so ein Problem», sagt Thomas Hurter, dass seine Frau als Regierungsrätin nun mehr Aufmerksamkeit bekomme. «Jetzt kann sie sich um die Finanzen und die Sicherheit des Kantons kümmern, das ist doch toll.»

Doppelte politische Macht

Hat ein Politiker-Paar auch doppelte Macht? Die Schaffhauser SP-Nationalrätin Martina Munz sagt, gegen Ämterkumulation in einer Familie spreche nichts. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass es auch zu Einflussnahme hinter den Kulissen kommen könne. «Ich hoffe, dass die Familie Hurter sich dieser Problematik bewusst ist.»

Das Paar nimmt die Kritik gelassen. «Unsere Geschäfte werden sich kaum überschneiden», sagt sie. Er sieht vor allem Vorteile: «Ein intaktes Netzwerk kann schneller Türen öffnen, wenn es etwa darum geht, in der Bundesstadt für die Interessen des Kantons zu weibeln.»

Ob sie künftig auch auf nationalem Parkett für Furore sorgen wird? Sicher ist: Ihr Sofa hat bereits jetzt das Potenzial, zum neuen Liebling der Nation zu werden.

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