1. Home
  2. Style
  3. Fashion
  4. Der BH, der gewinnt
Sanfter Halt

Claudia Glass entwickelt den BH, der gewinnt

Aus einer persönlichen Lücke wird eine internationale Auszeichnung: Swijin setzt mit funktionaler Innovation neue Massstäbe im Sport.

Artikel teilen

Claudia Glass hat mit ihrer Sport-BH Entwicklung beim Entrepreneurship World Cup in Riad den ersten Platz gemacht.

Claudia Glass hat mit ihrer Sport-BH Entwicklung beim Entrepreneurship World Cup in Riad den ersten Platz gemacht.

zVg

Am Anfang steht kein Businessplan, sondern ein Ärgernis. Claudia Glass, 53, läuft, schwimmt, trainiert und merkt immer wieder: Der Sport-BH hält entweder oder er ist bequem. Beides zusammen? Kaum zu finden. Also entwickelt sie ihr eigenes Set. Aus dieser pragmatischen Lösung entsteht Swijin. Für Glass wird dabei klar: «Das Problem war nicht mein Körper. Das Problem war, dass noch niemand das optimal für die weibliche Physiognomie geeignete Equipment entwickelt hatte.»
Das Startup aus Thalwil denkt Sport-BHs nicht als modisches Beiwerk, sondern als technisches Kernprodukt. Im Zentrum steht eine Frage, die der globale Sportmarkt lange vernachlässigt hat: Wie lassen sich maximale Unterstützung und Bewegungsfreiheit verbinden? Branchenweit fliessen nur rund sechs Prozent der Forschungs- und Entwicklungsbudgets grosser Sportmarken in frauenspezifische Produkte. Eine Umfrage unter Schweizer Profisportlerinnen bestätigt früh, was Glass selbst erlebt: Kein Modell löst alle Probleme zugleich. Druckstellen, mangelnder Halt, eingeschränkte Beweglichkeit gehören zum Trainingsalltag. Swijin reagiert nicht mit Marketing, sondern mit Entwicklung.

Das Model Freeli macht alle Bewegungen mit und fühlt sich dabei beinahe wie unsichtbar an.

Das Model Freeli macht alle Bewegungen mit und fühlt sich dabei beinahe wie unsichtbar an.

zVg

Drei Jahre arbeitet das Team gemeinsam mit der Empa, Textilingenieurinnen, Sportphysiologen und Athletinnen an einer technischen Lösung. Das Resultat ist ein doppellagiger Sport-BH aus schnell trocknenden Hochleistungsfasern, der sich durch Wärme und Bewegung dem Körper anpasst. Die nahtlose Verarbeitung reduziert Reibung, die Konstruktion stabilisiert, ohne einzuengen. Swijin positioniert sich klar im Performance-Segment – nicht als Lifestyle-Label, sondern als funktionale Alternative. Der Name leitet sich vom japanischen «Suijin», der Göttin des reinen Wassers, ab – eine Referenz an den fliessenden Übergang zwischen Land und Wasser. Glass bringt die strukturelle Lücke auf den Punkt:

Ganz ohne Hardware – für maximalen Komfort, das Modell Schnuggi.

Ganz ohne Hardware – für maximalen Komfort, das Modell Schnuggi.

zVg

«Der weibliche Körper wurde lange als Nische behandelt – nicht als Hochleistungsrealität.»

Die Produkte finden ihren Weg in den Spitzensport. Swijin stattet unter anderem die Frauenteams des FC Paris, des FC Basel und des FC Aarau sowie Schweizer Profi-Triathletinnen und Ruderinnen aus. Die Marke wächst über Leistung, nicht über Inszenierung. Dann folgt Ende 2025 die internationale Bühne: Beim Finale des Entrepreneurship World Cup in Riad setzt sich Swijin in der Early-Stage-Kategorie gegen Hunderttausende Bewerbungen durch. Neben 250’000 US-Dollar Preisgeld bringt der Sieg vor allem globale Aufmerksamkeit.
Der Erfolg ist mehr als ein Startup-Moment. Er zeigt: Innovation im Sport bedeutet nicht nur schneller, höher, weiter – sondern präziser, spezifischer und längst überfällig.

Von Valeska Jansen am 26. März 2026 - 07:30 Uhr