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Ein Sprung ins Candy-Cotton-Land

Darum ist die Seoul Fashion Week die coolste von allen

Der Mode-Monat in den grossen Metropolen ist um, doch Asien zieht nach – und setzt noch einen drauf. Die Seoul Fashion Weekist bunt, laut und anders. Und gerade deswegen so spannend.

SEOUL, SOUTH KOREA - MARCH 22: Guest seen at the Hera Seoul Fashion Week 2019 F/W at Dongdaemun Design Plaza at Dongdaemun Design Plaza on March 22, 2019 in Seoul, South Korea. (Photo by Hanna Lassen/Getty Images)

Die Besucher der Seoul Fashion Week feiern sich selbst – aber nehmen sich dabei nicht zu ernst.

HANNA LASSEN

Teure Designertaschen, Logos über Logos, Looks, die zwar schön sind, aber vor allem eins: eintönig. An den Fashion Weeks in New York, Paris, Mailand oder London scheinen sich die Influencer, Redaktoren und Einkäufer untereinander abgesprochen zu haben. Wer nicht ohnehin vom Designer selbst eingekleidet wird, passt sich an, trägt, was auf den Street-Style-Bildern bisher gut performt hat. Entschuldigung, aber: gähn.

Wer sich jetzt selbst dabei erwischt, wie ihm langsam aber sicher die Augen zufallen, dem sei ein Blick nach Fernost empfohlen. Von eintönigen Looks und von Designern vorgegebenen Outfits ist die Seoul Fashion Week meilenweit entfernt. Stattdessen machen die Besucher was sie wollen – und das ist ziemlich spannend anzusehen. Aus diesen drei Gründen ist die Seoul Fashion Week die coolste von allen.

In dieser Saison sind alle Street-Style-Stars verrückt nach Beige. Alle, bis auf die in Seoul. Denn hier gilt: Mehr ist mehr und zwar vor allem in Sachen Farbe. Ob Pastellgrün oder Knallpink, Blau, Gelb, Rot – gemixt wird was ge- und auffällt. Denn sind wir mal ehrlich, so schön monochrome Looks in gedeckten Tönen auch wirken mögen: Unserem Auge tut ein wenig bunt ab und an ganz gut. Das gilt natürlich nicht nur für die Fashion Week in Seoul, sondern auch für unsere Looks im echten Leben. Schliesslich kommt der Frühling mit grossen Schritten auf uns zu.

Pullover und Jacke? Pffff. Die Street-Style-Stars in Seoul folgen nicht nur in Sachen Farbe der oben schon erwähnten Devise «the more the merrier». Wer an knalligen Tönen spart, gleicht das Outfit mit möglichst vielen Lagen wieder aus – alle anderen freuen sich, dass sie auf diese Weise noch eine Nuance mehr in ihre Looks einbauen können. Perfektes Anschauungsmaterial für alle, die mal etwas Neues ausprobieren wollen, ohne gleich die ganze Garderobe upzudaten. Und für Frühlingstage, die sich nicht so ganz entscheiden können, ob sie nun mild und sonnig, regnerisch oder eisig kalt sein sollen.

Während wir vor dem Spitzenschneiden beim Coiffeur schon in Schnappatmung verfallen, haben die Modeprofis in Seoul vor gar nichts angst: Farben, Schnitte, Dreadlocks – Hauptsache auf dem Kopf geht es nicht langweilig zu. Das Praktische an Haaren ist schliesslich: Sie wachsen nach, nichts ist für immer. Wer jetzt Lust bekommen hat, aber nicht ganz so radikal an die Sache rangehen möchte: Perlen oder Blüten sorgen im Haar für Abwechslung, ohne dass zum Farbtopf oder zur Schere gegriffen werden muss.

Von Malin Mueller am 28.03.2019