Warum braucht Zürich eine Fashion Week, und was macht sie anders?
Tamy Glauser: Zürich ist längst eine Modestadt – man muss sich nur auf der Strasse umschauen. Hier gibt es unglaublich viel Talent, Kreativität und Know-how. Was oft fehlt, ist eine ernst zu nehmende Plattform. Viele müssen ins Ausland gehen, um in der Mode wirklich sichtbar zu werden. Hier setzt die ZFW an: Wir machen kein reines Society- oder Cüpli-Event. Im Zentrum stehen die Kollektionen, die Designs und die Visionen. Mit dem Kongresshaus Zürich als Austragungsort bekommt die Plattform auch räumlich die Relevanz, die sie verdient.
Sie stehen für Diversität und Haltung. Wie hat sich das in die ZFW-Castings übersetzt?
Diversität ist für mich kein Trend und kein Marketing-Tool. Sie ist meine Realität – und die lebe ich jeden Tag. Ich bin «mixed race», lesbisch und nichtbinär. Das prägt meinen Blick automatisch. Ich caste nicht nach Checklisten oder Alibikriterien. Ich konzentriere mich auf Ausstrahlung, Persönlichkeit und Präsenz.
Wie politisch darf Mode sein?
Das ist sie immer – auch wenn man so tut, als wäre sie es nicht. Menschen kommunizieren nicht nur mit Sprache, sondern auch mit Kleidung. Mode darf laut und unbequem sein. Sie darf Fragen stellen. Der Laufsteg ist nicht nur Show, er ist auch Statement. Und ich will lieber echte Reaktionen als höfliches Klatschen.
Was würden Sie Ihrem 20-jährigen Ich raten?
Hör auf, dich kleiner zu machen, damit andere sich nicht unwohl fühlen. Du hast genau so viel Recht zu existieren wie alle anderen auch. Also nimm dir deinen Platz, liebe Tamy.
