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Food & Beverage

Alle lieben «Huberta»

Frühlingshaft frischer Wind in Zürich-Albisrieden: Mirjam Eberle, 44, und Nina Wild, 32, haben ein Restaurant konzipiert, das man einfach lieben muss.

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Die Quartierbeiz der Zukunft ist weiblich: Nina Wild (l.) und Mirjam Eberle wirten seit Mitte Februar in Zürich-Albisrieden.

Die Quartierbeiz der Zukunft ist weiblich: Nina Wild (l.) und Mirjam Eberle wirten seit Mitte Februar in Zürich-Albisrieden.

zVg

Eigentlich wollte ich nie ein Restaurant eröffnen – aber dann bin ich doch schwach geworden», sagt Mirjam Eberle. Die Gründe für den Sinneswandel: Das Lokal, das sie seit 17 Jahren vom Wohnzimmer aus sieht, wurde frei, und ihre Freundin Nina Wild war ebenfalls sofort Feuer und Flamme für das Wagnis. Seit Mitte Februar empfängt das «Huberta» nun Gäste. «Der Name war schnell gefunden, unser Lokal liegt gleich neben der Tramhaltestelle Hubertus, und wir sind ein hundert Prozent weibliches Team», erklärt Nina. Eineinhalb Jahre Kopf- und Handarbeit stecken im Herzensprojekt. Mirjam und Nina bemalten die Wände rosa, ärgerten sich mit dem elektronischen Zahlungssystem herum, suchten nach den passenden Lieferanten, sangen und lachten beim Vorproduzieren in der Küche. Das kulinarische Programm im «Huberta» hat eine Schweizer DNA, erlaubt sich aber auch ein paar exotische Akzente. Den Pouletschenkel zum Beispiel marinieren die zwei Köchinnen mit Zitronengras, ehe sie ihn goldbraun ausbacken. «Ich liebe Pouletschenkel und kann nicht verstehen, wie jemand Pouletbrust vorziehen kann», sagt Mirjam, die am liebsten mit unterschätzten Fleischstücken arbeitet. Und mit Gemüse. 50 Prozent der Gerichte sind vegetarisch oder vegan. Doktrinär kommt das Essen dennoch nicht rüber.
Dafür sind die beiden Chefinnen viel zu entspannt. «Ich geniesse es sehr, in dieser positiven Atmosphäre zu arbeiten. Bis jetzt sind wir uns kein einziges Mal in die Haare geraten», betont Nina. «Das kommt schon noch», feixt Mirjam. In Zürich-Albisrieden stösst die neue Quartierbeiz natürlich auf reges Interesse. Viele Passantinnen und Passanten versuchen, von draussen einen Blick zu erhaschen, oder kommen herein, um sich alles aus der Nähe anzusehen. Neben den rosa Wänden sticht vor allem die mit unzähligen grünen Mosaiksteinchen besetzte Bar ins Auge. Darauf stehen die Kaffeemaschine, ein Blumenstrauss und eine Lampe, die einer Gans nachempfunden ist. «Hat die Gans eigentlich schon einen Namen?», fragt Nina. «Natürlich, Gans N’Roses», entgegnet ihre Geschäftspartnerin. Dass das «Huberta» ein demokratisches Lokal ist, merkt man nicht zuletzt an den Preisen: Der teuerste Hauptgang – Hackbraten mit Kartoffelstock, Rüebli und Rosmarinjus – bleibt unter der 40-Franken-Schallmauer; der günstigste – Knöpfli mit Apfelmus, Brösmeli und Zwiebelconfit – kostet 26 Franken. «Wir wollen ein Treffpunkt für alle sein», sagt Mirjam. «Auch für die älteren Menschen im Quartier. Wenn ein 20-Jähriger neben einer 80-Jährigen sitzt, erfüllt die Quartierbeiz ihren kulturellen Auftrag.» Bis es draussen verlässlich warm wird und das «Huberta»-Team seine Gäste auch auf der Terrasse hinter dem Haus bewirten kann, dauert es noch. In der Küche hat der Frühling aber schon Einzug gehalten. Etwa in Gestalt von gebratenen Radieschen mit Bohnen-Zitronen-Hummus und Knoblauch-Chiliöl. Das Hummus ist schön cremig und schmeckt dank der Zitrone angenehm frisch, die Radieschen kommen mitsamt Kraut auf den Teller, das Öl rundet alles mit kitzelnder Schärfe ab. «Alles, was wir servieren, ist hausgemacht und soll nach dem schmecken, was es ist», sagt Nina. Wie Mirjam liebt sie beim Kochen das Geradlinige, das von der Saison und der eigenen kulinarischen Sozialisation Inspirierte. So ist die erste «Huberta»-Karte mit diversen potenziellen Lieblingsgerichten gespickt: von Rotkohl mit Schlesischen Knödeln, Kartoffelstroh, Weissweinsauce und Trauben über Ribeye vom Bierschwein mit Salsa verde, gebratenem Chicorée und Knoblauchbrot bis zur klassischen «Belle Hélène», pochierter Birne mit Schoggicreme und Meringue-Bröseln.

Alexander Kühn
Alex Kühnliebt bodenständiges Essen genauso wie filigrane Fine-Dining-Kreationen. Er ist rundum zufrieden, dass er in seinem Beruf stets hungrig und neugierig sein muss.Mehr erfahren
Von Alex Kühn am 5. April 2026 - 12:00 Uhr