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  4. Greta Thunberg: Warum die Generation VSCO-Girl unsere Zukunft ist

Girl Power geht in die nächste Runde

Greta Thunbergs Generation ist die letzte Hoffnung

Sie werden belächelt, als wütend und naiv abgestempelt. Sogar ein ironisch-alberner Name wurde ihnen aufgezwungen. Warum die Welt endlich anfangen sollte, die Generation der «VSCO-Girls» ernst zu nehmen? Ganz einfach: Diese Mädchen holen das all das nach, wobei wir über Jahrzehnte hinweg versagt haben.

greta thunberg

Die Schwedin Greta Thungberg, 16, legte auf dem aktuellen UN-Klimagipfel einen Gänsehaut-Auftritt hin. 

Getty Images

Seit geraumer Zeit neigt der Mensch dazu, jede Generation mit einem bestimmten Stereotypen zu versehen. Generation X (zwischen 1960 bis 1980 geboren): egoistisch, desinteressiert und entscheidungsschwach. Generation Y (zwischen 1981 und 1996 geboren): unabhängig, Technik-besessen und austauschbar. Generation Z (nach 1996 geboren): arbeitsscheu, strukturlos und wütend. Es wirkt fast so, als sei der reifende Homo Sapiens, der alte Nichtsnutz, per se zum Scheitern verurteilt – alle scheinen seit Jahrzehnten alles falsch zu machen.

Die Mädchen der neuen, jungen Z-Generation hat es aktuell besonders hart getroffen, denn ihnen hat man ein besonders freundliches Label auf die noch so glatte Stirn geklebt – «VSCO-Girls» schimpft man sie. Als Erklärung für alle unwissenden X- und Y’ler: Der Ausdruck, der sich von der mobilen Bildbearbeitungs-App VSCO ableitet, beschreibt eine beliebige Austauschbarkeit aller Mädchen, die um die Jahrtausendwende auf die Welt kamen. Neben ihrer aktiven Selbstdarstellung in den sozialen Medien zeichnen sich die Girls vor allem durch ihren 90s-Surfer-Style, die ums Handgelenk gespannten Scrunchies und – wichtig – nachhaltigen Trinkflaschen aus. Ja, offensichtlich hatte die Menschheit wirklich nichts Besseres zu tun, als über einen möglichst hirnrissigen Begriff für heranwachsende Mädchen nachzudenken.

Während wir, die wir vor 1996 geboren sind, mit der Erschaffung von Teenie-Sterotypen die wirklich wichtigen Dinge aus dem Auge verlieren, feilen die vermeintlich dümmlichen, egozentrischen VSCO-Girls aktuell an etwas Brenzligerem – der Rettung der Welt. So gerade geschehen beim UN-Klimagipfel in New York. Neben den politischen Bekundungen der ganz Grossen trat auch die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg auf die Bühne. In der wohl bewegendsten Rede, die der Gipfel je gesehen hat, haute die junge Greta verdammt nochmal auf den Tisch:

«Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum.»

Im weiteren Verlauf ihrer Gänsehaut-Rede macht Greta ihre vorherigen Generationen und vor allem die «leeren Worte» der Politiker verantwortlich: «Wie könnt ihr es wagen, zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weitermacht wie bisher - nur mit ein paar technischen Lösungsansätzen? Ihr seid immer noch nicht reif genug, zu sagen, wie es wirklich ist. Ihr lasst uns im Stich. Alle kommenden Generationen haben euch im Blick, und wenn ihr euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden euch nie vergeben! Wir werden euch das nicht durchgehen lassen!»

Die Schwedin, die nach eigener Aussage «eigentlich in der Schule sein sollte», opfert ihre rare Jugend also der Klimapolitik. Gemeinsam mit dem Rest ihrer auf Nachhaltigkeit bedachten und aus Metallröhli trinkenden Generation kämpft sie mühevoll gegen eine profitgeile Plastik-Gesellschaft an, die niemand geringeres als wir erschaffen haben. Statt jeweils an den negativen, stereotypischen Merkmalen einer Altersgruppe festzuhalten, sollten wir damit anfangen, uns beschämt an den Kopf zu fassen und den meinungsstarken Nachwuchs zu unterstützen. Denn der Klimawandel und der Verfall des Ökosystems betrifft uns alle. Sich generationsbedingt der Verantwortung zu entziehen, geht in einer Welt voll ständig alles dokumentierender VSCO-Girls schlicht und einfach eh nicht mehr. Denn neben ihren Bildern bearbeiten sie vor allem eins mit Leidenschaft: unser Weltbild. Touché.

Von Denise Kühn am 24. September 2019