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Es ist doch nur Blut

Wieso Frauen keine Binden oder Tampons mehr benutzen

Free Bleeding ist weltweit auf dem Vormarsch. Doch was hat es mit der Bewegung auf sich und wie funktioniert das freie Menstruieren eigentlich genau?

Free Bleeding

Beim Free Bleeding werden weder Tampons noch Binden benutzt.

Getty

Wir verstecken unseren Tampon, wenn wir zur Toilette gehen, stecken uns die Dinger heimlich zu, als würden wir mit Drogen dealen und versuchen es uns nicht anmerken zu lassen, wenn wir kaum einen klaren Gedanken fassen können, weil wir von Unterleibsschmerzen gequält werden. Unsere Periode ist noch immer ein Tabu. Wenn «das da unten» blutet, wird es unter den Tisch gekehrt. In der Werbung wird Menstruationsblut mit einer klaren, blauen Flüssigkeit simuliert. Von der Realität könnte das nicht weiter entfernt sein. Für einen natürlicheren Zugang zum Thema plädieren seit ein paar Jahren die so genannten Freibluterinnen. Als Vorreiterin der Bewegung gilt Kiran Gandhi, welche 2015 während des London Marathon frei blutete. Seither machen sich auch andere Frauen gegen das Stigma stark.

So ging etwa das Bild von Stephanie (Steph) Góngora um die Welt. In einem komplett weissen Outfit praktizierte sie während ihrer Periode Yoga und präsentierte stolz den roten Fleck, der sich auf ihrer Leggings bildete. Ihre Message: Beruhigt euch alle mal! Dass Frauen einmal im Monat bluten, ist einer der natürlichsten Vorgänge der Welt und schlichtweg eine Tatsache. Tatsache ist allerdings auch, dass wir trotz Mens zur Arbeit gehen müssen oder Sport treiben wollen. Und das bitte, ohne ständig unsere Klamotten zu versauen oder uns Sorgen darüber machen zu müssen, ob wir gerade einen Blutspur auf dem Bürostuhl hinterlassen haben. Und trotzdem: Was als feministisches Statement begann, wird längst nicht mehr nur mit vorgehaltener Hand diskutiert. Blogs, Webseiten und Zeitungen widmen sich dem Thema. In Selbsttests werden die Vor- und Nachteile abgewogen. «Positiv war aber ohne Frage, dass ich mich so in Einklang mit meinem Körper fühlte, wie lange nicht mehr. Es schien, als könnte ich meine Menstruation wie nie zuvor spüren. Krämpfe waren nicht mehr nur Krämpfe; sie waren ein Beweis dafür, dass mein Körper hart arbeitet und mir zeigt, welche Wunder er da jeden Tag vollbringt», schreibt zum Beispiel die 32-jährige Sarah in einem Artikel für Blonde.

Der Gedanke hinter dem Free Bleeding ist nämlich relativ simpel: Während der Menstruation sollen keine Hilfsmittel verwendet werden – weder Binden oder Tampons, noch Menstruationstassen oder Periodenunterhosen. Das bedeutet jedoch nicht, dass den Frauen deshalb ständig Blut die Beine hinuntertropft, denn es wird in Intervallen ausgeschieden. Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, wann der nächste Schwall einsetzt, so die Idee. Geht man dann rechtzeitig zur Toilette, enstpannt den Beckenboden und macht Wippbewegungen, lässt sich das Menstruationsblut lösen. Eine leichte Massage des Unterbauchs kann den Vorgang unterstützen. Vor allem bei Frauen mit einer starken Monatsblutung kann anfangs noch etwas daneben gehen. Am Ende soll Free Bleeding aber nichts anderes als Übungssache sein.

Heisst das, dass wir jetzt alle unsere Tampons verbrennen und unsere Menstruationstassen aus dem Fenster schmeissen müssen? Ganz bestimmt nicht. Wie wir bluten wollen, ist unsere ganz persönliche Entscheidung. Aber schön wäre es doch, wenn wir nicht einfach aus Anstand oder Scham darüber schweigen würden. Und was hilft, wenn uns trotzdem mal die Worte fehlen? Emojis, genau. Noch diesen Frühling sollen wir eins für unsere Periode bekommen. Vorangetrieben wurde das Vorhaben von der britischen Frauenrechtsorganisation Plan International. «Jahrelang haben wir nicht über die Periode gesprochen, was einen negativen Effekt auf Mädchen hat. Sie trauen sich nicht über das Thema zu reden, was auch zu gesundheitlichen Problemen führen kann», sagt Vertreterin Lucy Russell gegenüber Cosmopolitan. «Ein Emoji kann dieses Problem nicht lösen, aber es wird uns dabei helfen, die Wahrnehmung zu ändern. Period Shaming hört dann auf, wenn wir darüber reden.» Word!

Von Marlies Seifert am 21. Februar 2019