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Der ganz normale Wahnsinn

Wie mir Netflix und Co. bei der Erziehung helfen

Erziehung funktioniert manchmal anders als gedacht. Die vielgepriesenen Gespräche am Esstisch kann man zum Beispiel knicken. Sie funktionieren nie. Unsere Familienbloggerin setzt stattdessen auf Netflix und Co.

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Sandra Casalini Blog der ganz normale Wahnsinn

Gemeinsam Netflix, Youtube oder Tiktok schauen funktioniert bei unserer Familienbloggerin viel besser als erzwungene Gespräche am Esstisch.

Lucia Hunziker

Neulich komme ich nach Hause, und sehe meine Tochter zu meinem grossen Erstaunen Formel 1 schauen. Ausgerechnet sie, die nicht mal die Autoprüfung machen will, weil sie Autofahren doof findet. Als ich meinem Erstaunen Ausdruck verleihe, meint sie «Es geht gar nichts so richtig ums Autofahren. Schau, der hat immer seinen Hund dabei. Und der andere, der jetzt für seinen Götti fährt, der tödlich verunglückt ist. So traurig.» «Formula 1 – Drive to survive» heisst die Netflix-Serie, die meine Tochter derzeit so fasziniert. Und ich muss sagen, sie ist wirklich gut gemacht. Auch wenns mich jetzt nicht ganz so «reinzieht» wie sie, schaue ich mit.

Der Hund von Lewis Hamilton

Denn ihre liebsten Serien mit ihnen zu schauen, ist einer der einfachsten Wege, um mit Teenies zu «bonden» – man zeigt dabei Interesse für ihre Interessen, das schätzen sie. Und man erfährt einiges über sie, was einem sonst verborgen bliebe. So sind Gespräche über Inhalte und Gründe, warum man sich interessiert, oft lehrreich und spannend, für beide Seiten. Gut, bei der Formel 1 gehts glaubs vor allem um den herzigen Charles Leclerc und den noch herzigeren Hund von Lewis Hamilton, da hält sich der Lerneffekt in Grenzen. Aber ein gewisser Unterhaltungswert ist ja auch was.

«Ich habe beim Schauen von «Stranger Things» schon mehr über meine Tochter erfahren, als bei Diskussionen beim Abendessen, von denen man sich ja immer so viel erhofft, die aber selten was bringen.»

Zudem muss ich gestehen, dass ich durch und mit meiner Tochter schon echt cooles Zeug entdeckt habe. Jedenfalls liebt nicht nur der Teenie in mir (der wohl zweifellos noch da ist) Serien wie «Stranger Things» oder «Wednesday». Bei allem Gruselzeugs greifen die nämlich auch immer wieder Themen auf, die extrem viel mit den Lebenswelten der heutigen Teenies zu tun haben, zum Beispiel Freundschaft, Ausgrenzung, Mobbing. Ich habe beim Schauen von «Stranger Things» schon mehr über meine Tochter erfahren, als bei Diskussionen beim Abendessen, von denen man sich ja immer so viel erhofft, die aber selten was bringen.

Man muss Interesse an ihren Interessen zeigen

Für die seltsamen Animes meines Sohnes kann ich mich leider nicht richtig erwärmen – und er regt sich furchtbar auf, wenn ich doofe Fragen stelle, weil ich nicht drauskomme. Wir schauen dafür gemeinsam Youtube oder Tiktok, und freuen uns, dass wir über den gleichen Nonsens lachen können. Das ist ja auch schon mal was.

Vor allem aber ist es so – und das gilt ja ganz generell, nicht nur für die eigenen Kinder: Man kann nicht erwarten, dass Menschen sich einem öffnen, wenn man keinerlei Interesse an ihren Interessen und ihrem Alltag zeigt. So muss man halt auch hin und wieder Formel-1-Geschichten über sich ergehen lassen. Aber meine Tochter ist mir das Wert.

Von SC am 4. Februar 2023 - 18:02 Uhr