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Appetit-Killer

Wieso haben wir bei Hitze weniger Hunger?

Der Grill ist an, der Tisch steht voll. Eigentlich ein Traumszenario. Wieso uns Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze aktuell aber einen Strich durch unseren Appetit machen? Wir klären auf.

Keinen Hunger dank Hitze

Das Essen segelt langsam von dannen? Macht ausnahmsweise nichts. Zurzeit kriegen wir eh nicht viel runter.

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Die Mode kommt uns derzeit eigentlich wunderbar entgegen: Flatternde Slip Dresses und Babydolls sind die Helden jeder Barbeque-Party, denn der vollgefressene Bauch verschwindet ganz galant darunter. Und dennoch vergeht uns derzeit irgendwie der Appetit. Salate und kühle Drinks kriegen wir runter, an frisch Grilliertes ist vor Sonnenuntergang im Moment aber keines Wegs zu denken. Das Resultat: Das mühevoll angerichtete BBQ-Menü bleibt unberührt, der Food-Waste-Anteil steigt, das Gewissen wird ungewollt schlecht. Die einzigen, die sich wohl über ein solch trauriges Szenario freuen, sind gierige Schmeissfliegen.

Aber wieso ist das eigentlich so? Wie können die Kohlen auf dem Grill gerade entfacht sein und unser Appetit zeitgleich erloschen?

Unser Energiebedarf hängt von der Aussentemperatur ab

Viel können wir für den gezügelten Appetit nicht. Heisst, an dem kulinarischen Trauerspiel lässt sich – zumindest angesichts des aktuellen Thermometerstands – nicht wirklich etwas ändern. Diverse Untersuchungen haben ergeben, dass unser Energieverbrauch von der Aussentemperatur abhängt. In südlicheren Ländern verbrauchen die Menschen circa 10 Prozent weniger Energie am Tag, als die, die im Norden leben. Grund dafür ist unsere Körpertemperatur. Um die konstant auf 37 Grad zu halten, muss sich der Körper (zum Beispiel im Winter) ziemlich anstrengen. Das kostet Kalorien und wir bekommen Hunger. Im Sommer, wenn die Temperaturen draussen nahezu unserer gewünschten Körperwärme entsprechen, hat unser Organismus logischerweise weniger zu tun. Wir verbrauchen nicht mehr so viel Energie und haben als Folge nicht wirklich Lust, zu essen. Harald König, Leiter der Abteilung Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hessen, erklärt der FAZ, dass der Grundbedarf an Energie schon ab 20 Grad sinkt: «Ab 20 Grad Celsius sinkt der grundsätzliche Energiebedarf pro Grad zusätzlicher Wärme um ein halbes Prozent. Das heißt also, wenn das Thermometer auf dreissig Grad Celsius klettert, dann sinkt mein absoluter Bedarf um 5 Prozent.»

Angesichts der aktuellen Hitzewelle ist es also absolut kein Wunder, dass wir uns nicht nach einem Fünf-Gänge-Menü verzehren. Komplett auf Essen verzichten sollten wir selbstverständlich nicht. Um fit und munter durch den Sommer zu kommen, raten wir zu kühler, leicht verdaulicher Kost. Das kann eine hydratisierende Wassermelone sein, Rührei, Glace oder Salat. Esst, wonach euch bei diesen Rekord-Temperaturen ist und tut euch selbst einen Gefallen und spart euch die Mühe für ein aufwendiges Barbecue!

Von Denise Kühn am 26. Juni 2019