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Orthosom-was?

Dieses Schlafproblem verdanken wir einer App

Mit möglichst wenig Schlaf auskommen? So 2010. Unsere Generation prahlt lieber mit der acht Stunden langen, qualitativ hochwertigen Ruhephase, dank der sie Nacht für Nacht «rechargen» kann. Das sagt zumindest ihr Sleeptracker. Der jetzt zum Problem wird …

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Gut geschlafen? Das verrät uns längst nicht mehr unser Körper, sondern unser Smartphone. 

Getty Images/Westend61

Wir tracken unsere Schritte, unsere Periode und was wir über den Tag so essen. Klar, dass wir auch vor dem Schlaf nicht Halt machen. Der ist schliesslich bekanntermassen der Schlüssel zum Glück und für die Generation Y eine der wenigen Möglichkeiten, dem beinahe schon vorprogrammierten Burnout zuvorzukommen. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn unser Fitness-Armband nicht Nacht für Nacht überwachen würde, wie viel und wie gut wir ruhen. Und wenn wir uns auch nach acht Stunden Bettruhe noch gerädert fühlen? Äh, sorry, wenn die Fitness-Armband-Smartphone-App sagt, wir haben gut geschlafen, dann ist das auch so. Okay?

Die Jagd nach dem perfekten Schlaf

Ihr ahnt es vielleicht schon – ganz gesund ist die abendliche Nähe zu unserem Handy nicht. Und Spoiler: Es liegt weder am Blaulicht zu später Stunde, noch an den beruhigenden Geräuschen, die unser Smartphone Nacht für Nacht abspielt, um uns ins Land der Träume zu befördern. Auch wenn das alles nicht gerade förderlich ist; der wahre Grund für schlaflose Nächte könnte die Sleeptracking-App selbst sein. Sie ist verantwortlich für Orthosomnie – das obsessive Bedürfnis nach dem perfekten Schlaf. 

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Schlaflosigkeit 2.0

Klingt stressig? Genau das ist es auch. Ähnlich wie es einige Leute durchdrehen lässt, wenn sie am Tag nicht auf ihre 10’000 Schritte kommen oder ihre maximale Kalorienmenge überschreiten, löst ein Ergebnis von unzureichendem, zu kurzem oder zu unruhigem Schlaf einen inneren Druck aus. Den Drang danach, sich zu verbessern und die Nachtruhe zu perfektionieren. Das Problem: Während man die Schrittzahl und die Nahrungsaufnahme noch mehr oder weniger selbst regulieren kann, funktioniert das mit dem Schlaf nicht so einfach. Der krankhafte Drang genau das zu erreichen, führt deshalb häufig zum Gegenteil: Der Stress hält uns wach und es fällt uns immer schwerer, abzuschalten. 

Gerade Personen, die ihre Schlafgewohnheiten überwachen, obwohl sie bisher keine Probleme dabei hatten, einzuschlafen, sollten die Apps deshalb schleunigst wieder vom Smartphone schmeissen und stattdessen auf ihren Körper hören. Bei ernsthafter Schlaflosigkeit sind die unzuverlässigen Programme ohnehin nur ein weiterer Stressfaktor, der im schlimmsten Fall sogar Angstneurosen auslösen kann. Professionelle Hilfe gibts hier nicht von einer App, sondern nur im Gespräch mit einem Arzt. 

Von Malin Mueller am 27.08.2019
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