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Rückenschmerzen ade?

So gesund ist Stehen am Arbeitsplatz wirklich

Ihr seid ständig verspannt und wünscht euch nach einem Tag vor dem Computer nichts sehnlicher als eine Massage? Dann geht es euch wahrscheinlich so wie ganz vielen Bürogummis. Stehpulte sollen gegen unsere Kartoffelsack-Position helfen. Doch ist Stehen am Arbeitsplatz wirklich gesünder? Wir verraten es euch.

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Ständiges Sitzen ist Gift für den Körper. Heisst die Lösung deswegen arbeiten im Stehen? Ja, aber nur, wenn ihr ein paar wichtige Dinge dabei beachtet.

Getty Images

Habt ihr schon mal was von Bürokrankheiten gehört? Nein? Falls ihr in einem Büro arbeitet und den ganzen Tag vor dem Monitor hockt, seid ihr vielleicht sogar davon betroffen, ohne es zu wissen. Schon längst sind es nämlich nicht mehr nur Strassenbauer & Co., die durch ihren Beruf unter körperlichen Beschwerden leiden. Auch der Büroalltag kann unserem Körper schaden, insbesondere unserem Rücken. Ein möglicher Schuldiger ist dabei relativ schnell gefunden: Der Bürostuhl. Vertieft in unsere Arbeit fallen wir oft in eine gekrümmte und starre Haltung, die zu Verspannungen, Muskelbeschwerden und Rückenschmerzen führt. Forscher konnten sogar beweisen, dass zu viel Sitzen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt.

Es ist also nicht verwunderlich, dass der Stehschreibtisch der neue Liebling in der Diskussion um gesunde Büroarbeitsplätze ist. Anfangs nur in Hipster-Büros zu finden, setzen heute zahlreiche Unternehmen auf Stehtische (die Style-Redaktion inklusive). Denn arbeiten im Stehen soll den Blutzucker senken, Rückenschmerzen verhindern und die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessern. Wer also bei der Arbeit steht, hilft seinem Kreislauf, entlastet Nacken und Rücken und steigert sogar seine Denkleistungen. Wir können uns besser auf neue Situationen einstellen, lösen Probleme effizienter und arbeiten sogar produktiver – und das um ganze 46 Prozent, wie texanische Forscher 2016 in einer Studie mit Call-Center-Mitarbeitern beweisen konnten. Auch für unseren Geist soll die Arbeitsweise Gutes tun. Arbeiten im Stehen soll nämlich Stress mildern und die Fähigkeit verbessern, kognitive Aufgaben zu bewältigen.

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«Gut, dann stehe ich halt einfach auf. Problem gelöst», denkt ihr euch jetzt. Tja, wenn es doch so einfach wäre. Denn den ganzen Tag über zu stehen, ist wiederum nicht gerade empfehlenswert. Im Gegenteil! Laut einer kanadischen Studie von 2017 könnte Stehen sogar noch schädlicher sein als Sitzen. Denn wer falsch steht, entlastet den Rücken nicht, sondern verlagert das verkrampfte Sitzen nur in eine stehende Position. Hinzu können Probleme mit den Knien, Füssen und Gelenken kommen, die beim Stehen stärker belastet werden.

Was sollen wir also tun? Optimal ist – ihr ahnt es wahrscheinlich schon – eine Kombination aus beidem. Wie lange man aber genau sitzen oder stehen soll, da scheiden sich die Geister. Gemäss einer Studie aus Kanada braucht eine erwachsene Person 60 bis 75 Minuten moderate, körperliche Aktivität pro Tag. Damit wäre ein normaler Büroalltag von acht Stunden wieder ausgleichen. Aber keine Angst, das heisst nicht, dass ihr jetzt jeden Tag für mindestens eine Stunde ins Gym springen müsst. Die Studie empfiehlt nämlich, diese Zeit in den Arbeitsalltag einzubauen. Dazu zählt bereits, mit dem Velo zum Arbeitsplatz zu fahren, eine Station früher aus Bus oder Tram auszusteigen, um den restlichen Weg zum Büro zu laufen, die Treppe statt den Lift zu nehmen oder in der Mittagspause eine Runde um den Block zu drehen.

Falls ihr aber nun zu den glücklichen Bürogummis gehört, die an einem verstellbaren Pult arbeiten dürfen, dann solltet ihr Folgendes beachten:

Reeegel Nr. 1:

Wenn ihr euch entscheidet, stehend zu arbeiten, achtet darauf, dass ihr gerade steht und keinen krummen Rücken macht oder euch gar nach vorne lehnt. Eure Schultern solltet ihr dabei locker und entspannt halten und nicht nach oben ziehen, sonst verspannt der Nacken.

Regel Nr. 2:

Die geht raus an alle High-Heels-Liebhaberinnen. Ja, ihr wisst, was jetzt kommt: Denn Stehen in den hohen Hacken ist ein absolutes No-Go! Eure Füsse sollten es nämlich bequem und dazu ausreichend Stabilität haben. Eurem Rücken zuliebe solltet ihr also lieber mal mit Sneakers oder Ballerinas ins Büro gehen.

Regel Nr. 3:

Okay, Regel Nummer 1 und 2 habt ihr brav befolgt? Dann heisst es jetzt «Position halten und still gestanden»? Auf keinen Fall! Denn eure Position solltet ihr nutzen, um euch regelmässig zu bewegen. Heisst: zwischendurch ein paar Schritte gehen, Arme und Beine mal ausschütteln oder das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagern. So verkrampfen unsere Muskeln nicht und eine monotone Belastung ist ausgeschlossen.

Von Nadine Schrick am 15.11.2019
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