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Flucht in die Realität

Kurzurlaub im Off – 5 Tage ohne Instagram

Alle haben davon gehört. Viele haben es getan. Ich habe mich über Weihnachten auch von der App getrennt. Und kann bestätigen: Insta-Detox ist richtig nice. Aber warum war das so dringend notwendig – und wieso bin ich zurück?

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Autorin Vanessa Vodermayer auf ihrem Insta-Profil – aus dem sie ab und an verschwindet. Aus Gründen.

Instagram/vanesssavodermayer

Ich scrolle, like, speichere, tagge, poste – und zwar morgens, abends und tagsüber dazwischen. Mein Instagram-Konsum ist wie bei vielen meiner Generation – stark und manchmal bedenklich. Tendenziell eher Letzteres. Zumindest nach meiner Bildschirmzeit.  

Vor kurzem bin deshalb verreist. Weg von Instagram. Wir lassen mein #NoInsta-Erlebnis Revue passieren und setzen zeitlich gleich vor der Abreise ins Off an. Am Samstag vor Weihnachten kam ich früh aus den Federn, um das Last-Minute-Geschenke-Chaos möglichst stressfrei zu überstehen. Nach dem Frühstück entschied ich mich spontan für einen 10-Minuten-Powernap. Statt auf den Wecker tippte mein Daumen aber auf die Insta-App. Mein Feed führte mich auf das Profil von Gilda Ambrosio, das mich wiederum zu einem Video von deren Freundin brachte und ehe mich versah, riss mich eine Flut an Posts und Stories in die Tiefen von Instagram. Zunächst behielt ich die Kontrolle, dann wars irgendwie, als würde ich wie eine neugierige Taucherin unter Wasser schwimmen, bis mir der Sauerstoff ausging und ich leicht erschöpft zurück an die Oberfläche kam.  

Der Tauchgang dauerte fast eine ganze Stunde

Ich verbat mir danach den Powernap. Also machte ich mich ready für die Stadt, verstaute das Handy in meiner Jackentasche und begab mich auf den Weg ins Vorweihnachts-Getümmel. Im Tram, in der Schlange vor der Kasse, manchmal sogar während dem Gehen, wann immer mich auch nur ein Hauch von Langeweile überkam, verspürte ich den Drang nach Instagram und ich öffnete routiniert die App. Gegen 16:00 Uhr lief ich von der Tramhaltestelle Central in Richtung Bellevue und machte einen Halt auf der Rathausbrücke. Ich griff nach meinem iPhone, um den Moment fotografisch festzuhalten – für Instagram. Aber auch für mich?  

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Lebe ich im Jetzt und nebenbei auf Instagram?

Oder lebe ich auf Instagram und nebenbei im Jetzt? Manchmal mehr das eine, an diesem Samstag wohl eher das andere. 

Ich sehe grundsätzlich keinen Sinn dahinter, mich dem virtuellen Leben zu entziehen. Instagram hat tolle Bildbearbeitungstools und die User auf der Plattform informieren mich über das Weltgeschehen, weisen mich auf tolle Brunchlokale hin, liefern mir Ausstellungstipps und die neusten Musikwerke. Man kriegt mit, wo was wie läuft, ohne dabei grossen Aufwand betreiben zu müssen. Und gerade weil alles so easy und unterhaltend ist, verbringe ich zu viel Zeit auf Instagram und habe wie an diesem Samstag vor Weihnachten das Gefühl, aktiv online und nebenbei offline zu sein. 

Am Abend löschte ich die App

Der kalte Entzug liess mich überraschend ... ja, kalt eben. Mehr sogar: tiefenentspannt. Das Bedürfnis danach, während des Netflixens den Instafeed abzuchecken, war weg. Ich war konzentrierter im Jetzt. Lebte wirklicher den Moment. Als ich vor Heilig Abend mit dem Zug zu meinen Eltern fuhr, beobachtete ich das erste Mal seit Langem bewusst die Menschen um mich, die fast alle aufs Handy starrten und fragte mich, wie lange mein Aufenthalt wohl dauern würde. 

Er dauerte fünf Tage. Am sechsten lud ich Instagram wieder zurück auf meinen Handybildschirm. Aus Langeweile. Ohne schlechtes Gewissen. Es fühlte sich ein bisschen so an, als würde man nach gelungenen Ferien Zuhause ankommen. Entspannt aber froh zurück zu sein. 

Von Vanessa Vodermayer am 09.01.2020
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