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Pralle Konten für Gerechtigkeit

Macht Weinsteins Fall die MeToo-Debatte hinfällig?

Losgetreten von den Belästigungs- und Vergewaltigungsbeschuldigungen gegen den US-amerikanischen Filmproduzenten, kämpfen Frauen seit knapp zwei Jahren mutiger und lauter denn je um mehr Gerechtigkeit. Das Urteil im Weinstein-Fall macht allerdings deutlich: Hat alles nichts gebracht. Ein Tritt in die Magengrube jeder Frau.

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Auf dem roten Teppich einer Premiere in Hollywood macht das Model deutlich: Mit der neuesten Vereinbarung im Harvey-Weinstein-Fall ist sie ganz und gar nicht zufrieden – zurecht. 

FilmMagic

25 Millionen Dollar. Das ist die Geldsumme, die die schrecklichen Erfahrungen von über 30 Frauen ungeschehen machen soll: Die sexuelle Belästigung oder gar Vergewaltigung von einem der mächtigsten Männer Hollywoods – Harvey Weinstein. Zig Schauspielerinnen und Ex-Angestellte waren im Zuge der MeToo-Debatte vor zwei Jahren rechtlich gegen den 67-Jährigen vorgegangen. Mit dem Ergebnis einer Geldstrafe? Wenn es nach Weinstein gehen würde, ja. Der streitet die zahlreichen Vorwürfe schliesslich bis heute ab. Um die lästigen Frauen mit ihren Falschaussagen nun endlich zum Schweigen zu bringen, lässt er da gerne ein paar Scheine springen. Das besonders Absurde an diesem Knebel-Urteil: Den Betrag würde der Angeklagte nicht etwa aus seinem Privatvermögen zahlen, nein, die Versicherung seines bankrott gemeldeten Filmstudios soll dafür aufkommen.

Wir halten fest: Insgesamt 80 Frauen beschuldigen einen Mann des sexuellen Übergriffs. Und besagtem Mann drohen weder Freiheitsstrafe noch Zivildienst oder Therapie, sondern einzig und allein die Inanspruchnahme seiner unternehmerischen Versicherung? Immerhin um den strafrechtlichen Prozess im Januar kommt der ehemalige Filmproduzent nicht herum. Aber: 2020 geht es vor Gericht schon wieder um ganz andere Fälle als die, die jetzt mit einer Millionen-Summe vom Tisch gekehrt werden sollen.

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Harvey Weinstein tritt neuerdings mit Gehhilfe auf. Nach seiner jüngsten Anhörung im New Yorker Gericht scheint er mit dem Urteil einer Geldstrafe zufrieden zu sein. 

Getty Images

Wo bleibt da (in allen Belangen) die Gerechtigkeit? Mit #MeToo und der gefolgten Time’s Up-Bewegung brachen Stars wie Gwyneth Paltrow und Paz de la Huerta ihr Schweigen, machten öffentlich emotionale Geständnisse und teilten ihre traumatisierenden Erlebnisse mit den Medien. Sicher kein leichtes Unterfangen. Aber die Mission war klar: Die eigenen, intimsten Erfahrungen preisgeben, um auch über die Branche hinaus endlich zum Umdenken aufzufordern. Nicht nur Weinstein, auch andere Vergewaltiger sollten endlich für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden.  

Darf da wirklich eine Geldstrafe das Resultat sein? Sieht ganz so aus, als würde der Hollywood-Mogul, der gerade mit einer Gehhilfe auf der Mitleidsschiene humpelt, tatsächlich damit davonkommen. Ein Zeichen, das fast so falsch wäre, wie Weinsteins Taten selbst. Denn die dadurch gesendete Message ist eindeutig: Euer Mut war umsonst. Der Wert eurer Körper ist berechenbar, Handlungen gegen euren Willen haben einen ganz einfach zu bestimmenden Preis. 

Jetzt bleibt nur eins zu hoffen: Dass die Frauen ihren Kampf nicht aufgeben und diese diskriminierende Vereinbarung nicht unterschreiben.

Von Denise Kühn am 13.12.2019
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