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  4. Gossip: Wo wir ihn herbekommen und warum wir ihn brauchen

Why Gossip Girl und Boy?

Wir haben Gossip-Sucht, zeigt der Erfolg von «deuxmoi»

Ein Revival der Serie «Gossip Girl». Ein Instagram-Account, über Klatsch und Tratsch, der sogar in der New York Times besprochen wird – Warum brauchen wir Gossip und wo gibts den besten?

Frauen beim Friseur: Haare und Gossip

Achtung! Irreführend! Auch Männer gehen gerne zum Coiffeur. Auch Männer tratschen gerne. Wir sind alle süchtig.

Getty Images

Habt ihr schon gehört?

Jennifer Lopez liebt Creme Brulée. Das ist ihr Lieblingsdessert. Das brisante an der Geschichte ist aber nicht das «Was», sondern «Wie» sie das «Was» verzehrt. Einen Bissen Creme Brulée. Das ist ihr Lieblingsdessert. Mehr gönnt sie sich nicht. Woher wir das wissen? Vom New Yorker Instagram-Account «Deuxmoi». Dort, in den Stories, werden täglich Klatsch und Tratsch verbreitet. Und woher die es wissen? Von anonymen Tipps, die ihnen zugeschickt werden. Heisse Geschichten, alias Gerüchte über A-Promis.

Von dem Account aus gehen die Stories mittlerweile an eine halbe Million Followers. Oder sie werden von Magazinen wie People oder Us Weekly übernommen und so weiter verbreitet. Es gibt genug Nährboden.

Ein am Boden gebliebener Stern und Normalitätskitsch

Gerüchte haben zumeist einen starken Plot. Oder starke Charaktere. Am besten eigentlich alles zusammen. Aber bei jemandem wie Jennifer Lopez beispielsweise reicht es, wenn sie ihr Dessert nicht aufisst. Das ist eine Meldung wert. Warum?

Im Prinzip ist es doch so: Das Leben besteht für uns Normalos zu einem grossen Teil aus Flaschen wegbringen, an der Ampel warten, in Finken zum Briefkasten laufen und Rechnungen da rausfischen. Es besteht aus Anti-Glamour-Wörtern wie «Finken». Es. Das ganz normale Leben.

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Flausch für den Kopf

Darum gefällt uns das ja vermutlich auch so gut, wenn wir manchmal sehen, dass Stars auch so «am Boden geblieben sind». Von denen erwartet man das nicht. Eine wie J.Lo macht sich Gedanken um ihr Gewicht? Juhu! 

Im Schnitt tratschen Menschen jeden Tag 52 Minuten über Leute, die nicht anwesend sind, sagt eine amerikanische Studie gemäss (Berner Zeitung). 75 Prozent von diesem Gossip ist neutral, 9 Prozent sogar positiv, aber fast doppelt so häufig ist das Gequatsche negativ – und damit waschechtes Lästern. Daran beteiligten sich Menschen quer durch alle Bildungs- und Gehaltsgruppen gleichermassen – und Männer genauso häufig wie Frauen.

Kit für die Gesellschaft

Die BZ bezeichnet das so schön als «negatives Networking». Und damit haben sie wohl Recht. Es schweisst zusammen, wenn man sich gemeinsam über jemand Drittes aufregt. Oder wenn man sich von J.Lo-Fan zu J.Lo-Fan über deren Lieblingsdessert unterhalten kann. Der Kit unserer Gesellschaft, lobt die Zeit. Lästern und Gerüchte verbreiten ist also super – aus Perspektive der Lästernden und Gerüchte verbreitenden natürlich nur. Umgekehrt weniger. Fragt mal den Arbeitskollegen oder die Arbeitskollegin, dem oder der etwas angedichtet wurde. Oder die – so besagen es Legenden – seit Jahrzehnten heroinsüchtige Kate Moss. 

Der New York Times erzählt die Gründerin von «Deuxmoi», dass sie nur ganz unschuldigen Content liefern würden. Wissen wollen wir ja sowieso alles. Also: 

Was ist euer Lieblingsdessert?

Von zin am 23.11.2020
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