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  4. Tipps von Pro Juventute: Was Eltern gegen Cybermobbing tun können

Erschreckende Fakten

Fast jedes Kind macht Erfahrungen mit Cybermobbing

Seit zehn Jahren engagiert sich Pro Juventute gegen Cybermobbing. Anlässlich des heutigen internationalen Tages für Toleranz erklärt Direktorin Katja Schönenberger, wie gross das Problem in der Schweiz wirklich ist und wo Eltern ansetzen können, um dem Hass im Internet entgegenzuwirken und ihren Kindern einen gesunden Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln.

Kind leidet unter Cybermobbing
Getty Images

Frau Schönenberger, wieviele Opfer-Anfragen bezüglich Cybermobbing gehen bei Pro Juventute ein?
Ein Viertel der Jugendlichen in der Schweiz gibt an, bereits einmal online fertig gemacht worden zu sein. Wir stehen über die Telefonnummer 147 mit rund 700 Kindern täglich in Kontakt. Die Anfragen zu Cybermobbing sind auf hohem Niveau stabil und haben sich zuletzt um rund zehn Prozent erhöht.

Wie engagiert sich Pro Juventute gegen Cybermobbing?
Die Verhinderung von Mobbing und Cybermobbing ist uns ein grosses Anliegen, denn Mobbing kann für die betroffenen Kinder und Jugendliche gesundheitlich schwere Folgen haben. Wir haben mit dem 147 eine kostenlose, vertrauliche Erstanlaufstelle, welche betroffene Jugendliche berät. Wir engagieren uns in Schulen, indem wir Lehrerinnen und Lehrer und auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern sensibilisieren und ihnen Medienkompetenz vermitteln.

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Ständige Verfügbarkeit, die Anonymität und die Unkontrollierbarkeit machen Cybermobbing besonders schlimm

Das Engagement reicht bereits mehr als zehn Jahre zurück - welche Entwicklungen können Sie während dieser Zeitspanne beobachten?
Die Digitalisierung hat noch einmal einen grossen Schub gemacht, es kamen neue soziale Medien hinzu mit ihrer jeweiligen eigenen Logik. Cybermobbing ist durch die Allgegenwärtigkeit der sozialen Medien und der Messenger noch präsenter geworden. Es gibt kaum ein Kind, das keine Erfahrung damit machen muss.

Cybermobbing entsteht durch fehlende Medien- und Sozialkompetenz: Wie teilt sich die Verantwortung zwischen Schule und Elternhaus auf?
Was Cybermobbing besonders schlimm macht, ist die ständige Verfügbarkeit, die Anonymität und die Unkontrollierbarkeit. Es hört nicht einfach auf dem Nachhauseweg auf. Es geht weiter, sobald ich das Smartphone in die Hand nehme oder ein Game spiele. Wir sind also alle gefordert, der jungen Generation zu vermitteln, was Mobbing auslösen kann und ihnen Hilfe anzubieten, so die Beratungen auf der Nummer 147.

Was können Eltern tun, damit ihre Kinder nicht zu Tätern werden?
Unsere Fachpersonen vermeiden von Tätern und Opfer zu sprechen oder von Mitläufern. Es sind immer noch Kinder! Es gibt mobbende, gemobbte und zuschauende Kinder. Jedes Kind kann grundsätzlich einmal eine dieser Rolle einnehmen. Wichtig ist in der Sensibilisierungsarbeit daher, dass man aufzeigt, welche Konsequenzen das Mobbing für die gemobbte Person hat. Und von den Erwachsenen braucht es eine Nulltoleranz. Mobbing ist eine Form der psychischen Gewalt.

Mobbing ist eine Form von psychischer Gewald und sollte nicht toleriert werden

Ein Viertel der Opfer spricht nicht über die Erfahrungen: Welche Warnsignale sollten uns aufhorchen lassen?
Häufig ziehen sich die betroffenen Personen zurück und sagen nicht was sie bedrückt. Von Eltern und Lehrpersonen ist also erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Wichtig ist, darauf zu achten, ob das Kind bedrückt ist, häufiger unter körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen leidet oder schlechter als üblich einschläft. Ein möglicher Indikator ist auch, ob sich Freundinnen und Freunde wie gewohnt melden und Kontakte weiterhin gepflegt werden.

Welche Skills können wir unseren Kindern beibringen, um sich und andere vor Cybermobbing zu schützen?
Wichtig ist, den Kindern früh schon zu vermitteln, dass Mobbing eine Form von psychischer Gewalt ist und diese nicht toleriert wird. Dem Kind auch erklären, was Mobbing beim anderen auslöst.

Initiative gegen Cybermobbing

Die Schweiz gehört zu den europäischen Ländern, die am stärksten von Cybermobbing betroffen sind. Henkel Beauty Care Schweiz rief deswegen Mitte Jahr die Initiative «Respect Everybody’s Beauty» ins Leben. Mit dieser Initiative unterstützt das Unternehmen das Engagement von Pro Juventute gegen Cybermobbing. «Wir sind sehr dankbar über die grosszügigen Spenden. Henkel Beauty Care unterstützt uns dauerhaft mit 2 Prozent des Gewinns aus dem Verkauf sämtlicher Produkte von Marken wie Taft, Syoss oder Nature Box. Mit dem Erlös von Henkel Beauty Care werden wir Präventions- und Beratungsprojekte im Bereich Cybermobbing weiter ausbauen können», sagt Direktorin Katja Schönenberger.

Anlässlich des Internationalen Tages der Toleranz haben die beiden Akteure 10 Tipps gegen Cybermobbing und für mehr Toleranz, Respekt und Selbstliebe verfasst.

Von KMY am 16. November 2021 - 07:09 Uhr
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